Pilgern

Das Haus der vielen Häusernamen feiert den Fuffziger

Stiftungsvorstand Albert Rau (von rechts) überreicht Weihbischof Thomas Maria Renz eine Jubiläumstasche mit der Festschrift zum 50-Jahr-Jubiläum des Cursillo-Hauses. Beim Festgottesdienst in der Oberdischinger Pfarrkirche Zum Heiligsten Namen Jesu wirkten mit: Pfarrer i.R. Dr. Wolfgang Gramer, geistlicher Begleiter des Cursillo-Diözesanteams, Diakon Ulrich Körner, Aufsichtsrat der Stiftung, Diakon Erik Thouet, Bischöflicher Beauftragter für die Ausbildung zum Ständigen Diakonat, und Pfarrer Martin Danner von der gastgebenden Seelsorgeeinheit Donau-Riß. Foto: drs/Jerabek

Mit „geistlich“, „gastlich“, „großartig“ und vielleicht 100 weiteren Attributen könnte man das Cursillo-Haus belegen. Eine Auswahl gab's zum Jubiläum.

Wer ein Fest ausrichtet, hat alle Hände voll zu tun. Aber am Jubiläumstag (oder wenigstens für die Zeit seiner Predigt), so wünschte Weihbischof Thomas Maria Renz, dürften sich Haupt- und Ehrenamtliche des Cursillo-Hauses „einfach nur zurücklehnen, die Augen schließen und durchatmen, den Augenblick genießen, sich loben und verwöhnen lassen - weil Sie alle auf Ihre Weise in den vergangenen Jahren seit 1975 viel dazu beigetragen haben, dass sich das Cursillo-Haus zu einem so großartig geistlichen und gastlichen Haus entwickelt hat, wie es kaum ein zweites geben wird, nicht nur in unserer Diözese Rottenburg-Stuttgart, sondern vermutlich weit darüber hinaus“. Und nicht nur der Weihbischof hatte jede Menge Lob im Gepäck, als er zum Festgottesdienst am Jakobustag nach Oberdischingen kam, um mit Cursillistas (so heißen Cursillo-Teilnehmer) und Hospitaleras (ehrenamtliche „Gastgeber“), Freunden, Förderern und Unterstützerinnen des Hauses und mit Festgästen aus nah und fern in der Pfarrkirche „Zum Heiligsten Namen Jesu“ zu feiern.

„Die Gegenwart Gottes erfahren“

Die vielen Facetten des Hauses, die für jede und jeden hier Ankommenden ganz individuell seien, machten das Besondere des Hauses aus, sagte Renz. Jede Bedeutung, die das Cursillo-Haus für seine unzähligen Gäste habe, gebe dem Haus einen Namen, etwa „Haus der Begegnung“ und „Haus des Dienens“, „Haus des Hörens“ und „Haus des Gesprächs“, „Haus des Gebetes“ und „Haus der geistlichen Begleitung“, „Haus der Tränen“ und „Haus der Ermutigung“... Und alle diese „Häuser“ und Aspekte könnten unter der Überschrift stehen: „Die Gegenwart Gottes erfahren“. Das sei „vielleicht das allumfassendste und treffendste Motto“, sagte der Weihbischof und nahm Bezug auf die Gedanken von Hausleiter David Langer, die dieser zur geistlichen Konzeption des Hauses in der Jubiläums-Festschrift formuliert hat. Vielleicht kämen „sogar 50 oder 100 oder noch mehr Häusernamen zusammen, die sich alle in diesem einen Cursillo-Haus vereinen“ - und genau das sei „das Einzigartige und das so Kostbare an unserem Cursillo-Haus“, so Renz. Und dass so etwas möglich ist, sei nicht der Erfolg eines genialen Konzeptes oder einer Pastoralstrategie, die an einem Schreibtisch ausgedacht worden ist, „sondern das Werk des Heiligen Geistes. Und das Verdienst so vieler, die das hier Erlebte, Erfahrene und Geschenkte nicht für sich behalten, sondern mit anderen teilen.“

Im Alltag wieder neu mit Gott rechnen

Gerade auch im Wissen „um unsere eigene Begrenztheit, Schwachheit, Empfindlichkeit, Vulnerabilität und auch manchmal Feigheit brauchen wir Häuser und Begegnungsorte wie das Cursillo-Haus, in denen wir uns gegenseitig im Glauben ermutigen und bestärken können“, sagte Renz weiter und wünschte dem Cursillo-Haus „auch für die nächsten 50 Jahre eine faszinierende, ansteckende, begeisternde Ausstrahlung, die nicht aus dem Haus selbst und auch nicht aus uns kommt, sondern die uns von Christus in unserer Mitte geschenkt wird und die wir anderen weitergeben dürfen - so armselig, so brüchig und so halbherzig das uns in der Regel auch gelingen mag. Aber Gott selbst wird es vervollkommnen und vollenden! Darauf dürfen wir bauen und vertrauen!“ Die Welt und auch die Kirche brauche heute mehr denn je Menschen, die Zeugnis geben von den Wundern, „die Gott hier im Überfluss wirkt“; Menschen, die auch in ihrem Alltag wieder neu mit Gott rechnen, „weil sie ihn hier auf so wunderbare und konkrete Weise erlebt haben“, sagte der Weihbischof.

„Ein Segen, wenn der Strom ausgeht“

„Oifach loslaufa“ - so brachte Stiftungsvorstand Albert Rau auf den Punkt, wie man zum Pilger oder zur Pilgerin wird. „Man kann viele Sachen erleben, wenn man sich auf Pilgerschaft begibt“, zeigte er sich überzeugt und appellierte besonders an die jungen Leute, sich auf den Weg zu machen. „Und es ist ein Segen, wenn euch beim Handy der Strom ausgeht - dann seid ihr zum ersten Mal wirklich auf euch selber gestellt und müsst mit den Leuten schwätzen." Davon, was Menschen beim Pilgern erlebt haben, von spirituellem Suchen und von den Antworten, die Kursteilnehmer im Cursillo-Haus fanden, berichtet die Festschrift, die sich als „spirituelles Lesebuch“ versteht. Weihbischof Renz, der dem Cursillo-Haus seit fast 30 Jahren verbunden ist und als Schirmherr der „Stiftung Haus St. Jakobus - Schwäbische Jakobusgesellschaft“ fungiert, bekam eines der ersten Exemplare überreicht.

Ähnlich wie in dem 112-seitigen Buch, in dem zum Beispiel Dekan Ulrich Kloos das Cursillo-Haus auch für dienstliche Besprechungen oder Einkehrtage für pastorale Mitarbeiter empfiehlt, weil hier „mehr Geist“ zu spüren sei als anderswo, äußerten sich auch am Ende des Festgottesdienstes Freunde, Förderer und Festgäste: Bürgermeister Wolfgang Schmauder würdigte die verbindende Kraft des Cursillo-Hauses und dankte für die von Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung geprägte Zusammenarbeit mit der Gemeinde: „Das Cursillo-Haus bringt Menschen zusammen, es berührt, es inspiriert und es wirkt weit über unsere Gemeindegrenzen hinaus.“

„Ehrlich gesagt, beneide ich Sie um dieses Haus“

Anton Wölfl von der Cursillo-Arbeitsgemeinschaft Deutschland hob die gastfreundliche Aufnahme und die intensiven Begegnungen hervor, durch die viele Freundschaften entstanden seien und viele Menschen neue Ermutigung im Glauben erfahren hätten; all dies habe diesen Ort „zu einem wahrhaften Zeugnis für Gottes Wirken in unserer Mitte und in unserer Zeit gemacht“, so Wölfl. Nach den Worten von Jürgen Rist, Pilgerreferent der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, ist es „bereichernd, dass hier im Geist des Pilgerns ökumenisches Miteinander in gegenseitiger Wertschätzung geschieht – und ehrlich gesagt, beneide ich Sie um dieses Haus“. Schriftliche Glückwünsche des emeritierten Erzbischofs von Santiago de Compostela, Julián Barrio Barrio, trug Wolfgang Schneller, Hausleiter von 1983 bis 2005 und Mitinitiator des Pastoralprojekts für deutschsprachige Seelsorge in Santiago, vor.

Am Abend und das ganze Wochenende über hatten Haupt- und Ehrenamtliche, aber letztlich auch die Festgäste „alle Hände voll zu tun“ - um einige weitere „Häusernamen“ sowie Bedeutungen, die das Cursillo-Haus für seine Gäste hat, mit Leben zu füllen: „Haus des Miteinanders“, „Haus des Beschenktwerdens“, „Haus des Wiedersehens“ und „Haus des neu Aufbrechens“ - und last but not least: „Haus der Dankbarkeit“.