Musik

"Das Singen in Gemeinschaft ist der Schwerpunkt"

Michael Müller probt mit Kindern die Lieder für den diözesanen Kinderchortag. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Arkadius Guzy

Michael Müller bereitet die Kinder von St. Johannes Bad Mergentheim auf den diözesanen Kinderchortag in Rottweil vor. Anmeldungen sind noch möglich.

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart lädt am Samstag, 30. September, zum diözesanen Kinderchortag nach Rottweil ein. Michael Müller ist mit Kindern des Kinder- und Jugendchors St. Johannes Bad Mergentheim mit dabei. Der Kirchenmusiker und Diözesanbeauftragte für Kinderchöre erklärt im Interview, welche Bedeutung die Veranstaltung hat und was seine jungen Sängerinnen und Sänger erwartet.

Herr Müller, welche Kinder singen heutzutage noch im Kinderchor einer Kirchengemeinde?

Der Großteil der Kinder in unserem Chor ist katholisch. Es gibt aber auch Kinder, die nicht getauft sind oder eine andere Konfession haben. Ich frage das aber nicht extra ab. Viel wichtiger ist, dass die Familien dahinterstehen. Denn es geht nicht ohne die Eltern.

Ist ihre Arbeit als Chorleiter im Vergleich zu früher schwieriger geworden?

Eine Schwierigkeit ist, dass der regelmäßige Gottesdienstbesuch keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Einmal im Monat im Gottesdienst zu singen, ist schon zu viel. Die Wochenenden sind viel verplanter als früher. Ich muss akzeptieren, dass ich mit vielem anderen konkurriere, das am Sonntag stattfindet.

Wie können Sie als Chorleiter gegenhalten?

Viel hängt davon ab, wie ich als Chorleiter persönlich wirke. Es hilft sehr, dass ich mit der Grundschule St. Bernhard in Bad Mergentheim kooperiere und für die Schülerinnen und Schüler Chorsingen anbiete. So können die Kinder über die Schule das gemeinsame Singen kennenlernen. Das gottesdienstliche Singen wird leider nicht mehr sehr häufig erlebt. Ich weiß von Kolleginnen und Kollegen, die ebenfalls in Schulen gehen.

Wie ist ihr Chor durch die Corona-Zeit gekommen?

Es war eine Zeit, die Kraft gekostet hat. Ich habe alles versucht, was unter den jeweils geltenden Bedingungen möglich war. Wir hatten dabei den Vorteil, dass wir große Proberäume haben. Natürlich sind einige Kinder grundsätzlich weggeblieben. Aktuell haben wir aber sogar mehr Kinder als vor Corona. Es kommen neue Kinder dazu. Das Interesse ist in den Familien neu geweckt.

Sie sind Diözesanbeauftragter für Kinderchöre. Wie sieht allgemein die Situation bei den Kinderchören aus?

Kinderchorarbeit ist sehr lokal, deshalb wäre eine pauschale Aussage nicht treffend. Aus einzelnen Gesprächen habe ich allerdings herausgehört, dass es anderen Gemeindechören ähnlich geht wie uns.

Was erwarten Sie sich vom Diözesankinderchortag?

Ich hoffe, dass die bestehenden Gruppen gestärkt werden, dass die Gruppen das Gefühl haben: Wir sind nicht allein. Die Kinder in den Chören sollen merken, dass es auch andere Kinder gibt, die wie sie religiöse Lieder singen.

Wie bereiten Sie sich mit ihrem Chor auf den Tag vor?

Seit einem halben Jahr proben wir die Lieder für den Gottesdienst. Wie ein Lied angenommen wird, hängt davon ab, wie das Einstudieren gestaltet ist. Ein Lied muss langsam entwickelt werden, indem zum Beispiel einzelne Teile herausgegriffen werden, damit die Kinder nicht überfordert werden.

Worauf können sich ihre jungen Sängerinnen und Sänger beim Kinderchortag freuen?

Sie können sich darauf freuen, etwas Schönes zu erleben. Das Singen in der Gemeinschaft – bei der Begrüßung, im Gottesdienst mit Weihbischof Dr. Gerhard Schneider und am Nachmittag – ist natürlich der Schwerpunkt. Spiele, Basteln und das Zusammenbauen einer Orgel und natürlich die Mahlzeiten bilden dazu Ergänzungen. Da wir von Bad Mergentheim nach Rottweil einen vergleichsweise längeren Anfahrtsweg haben, reisen wir schon am Tag davor an. Die Übernachtung in der Jugendherberge wird für die Kinder etwas Besonderes sein.

Der Kinderchortag der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Der Kinderchortag der Diözese Rottenburg-Stuttgart findet am Samstag, 30. September, in Rottweil statt.

Anmeldeschluss für interessierte Chöre ist der 1. Mai. Den Flyer mit dem Anmeldeformular und weiteren Informationen zum Programm der Veranstaltung gibt es beim Amt für Kirchenmusik zum Download.

Der Kinder- und Jugendchor St. Johannes

Der Kinder- und Jugendchor St. Johannes zählt etwa 50 Kinder. Es gibt jeweils zwei Kinderchor- und zwei Jugendchorgruppen. Die jüngste Gruppe (Kinder ab fünf Jahren bis zur zweiten Klasse), in der die Proben getrennt für Mädchen und Jungen stattfinden, wird von Michaela Arnold geleitet. Michael Müller baute die heutige Kinder- und Jugendchorarbeit der Kirchengemeinde St. Johannes Baptist Bad Mergentheim ab 1992 mehr oder weniger neu auf.

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