„Umweltgruppe“ nannte sich ab Mai 1989 ein Treffen von etwa 15 Personen in Hermsdorf, unweit von Schwarzheide. Christ:innen und Gleichgesinnte tauschten in der DDR verbotene Schriften aus und diskutierten die Ereignisse um ausreisewillige DDR-Bürger an der ungarisch-österreichischen Grenze, berichtet Hans Glass. Die Mitglieder nutzen diesen vermeintlich geschützten Freiraum aber auch, um ihre ganz persönliche Not mit dem sozialistischen Überwachungsstaat zu erzählen und füreinander zu beten. Ungefähr vier Prozent der Einwohner waren in der Region katholisch getauft, weitere 15 Prozent evangelisch. Die von familiärer Atmosphäre geprägten Kirchengemeinden hielten zusammen. Besonders sei in Schwarzheide eine große ökumenische Jugendgruppe gewesen, aus der etliche Paare und Familien hervorgingen, weiß Hans Glass.
„Meine erste Demonstration war am 1. September 1989 zum 50. Jahrestag des Kriegsbeginns“, erinnert sich der damalige Sprecher des Schwarzheider Pfarrgemeinderats. Initiiert vom katholischen Pfarrer Hartmut Kania seien nach einer Andacht etwa 30 Teilnehmende mit brennenden Kerzen zur Gedenkstätte der „Opfer des Faschismus“ auf dem Friedhof gezogen. Sie beteten dort für Frieden in der Welt. In der Zeit, als die Leipziger Montagsdemonstrationen weltweit publik wurden, fassten die Menschen bei regelmäßigen Gebetsabenden in der Schwarzheider Heilig-Kreuz-Kirche ihre Sorgen in Worte und gingen Ende Oktober auch wieder einige Male auf die Straße. Da es einigen dann doch zu viel wurde, beschlossen sie, sich auf die Demos in Leipzig und Dresden zu konzentrieren.









