Katholikentag

Katholische Kirche als Weltkirche in Stuttgart erleben

Foto: Katholische Kirche in Stuttgart

Beim 102. Katholikentag in Stuttgart wirken viele muttersprachliche Gemeinden aus Stuttgart mit.

Fast 50 Prozent der Stuttgarter Katholikinnen und Katholiken haben einen Migrationshintergrund. Beim 102. Katholikentag vom 25. bis 29. Mai in Stuttgart sind die muttersprachlichen Gemeinden vielerorts dabei. Die ukrainische griechisch-katholische Gemeinde zum Beispiel feiert einen zweisprachigen Gottesdienst für Frieden im byzantinischen Ritus mit Bischof Bohdan Dzyurakh, die ungarische Gemeinde lädt zu einem Gespräch über Ost-West-Beziehungen ein, und die chaldäische Gemeinde feiert Gottesdienst in ihrem traditionsreichen Ritus.

Younia Hilbert ist Subdiakonin der chaldäisch-katholischen Gemeinde Mar Shimon Bar Sabai in Stuttgart, die vielen aus dem Irak und Syrien geflohenen Christen eine Heimat bietet. Rund 3000 Menschen gehören zur chaldäischen Gemeinde, die in der Pauluskirche in Stuttgart-Rohracker ein eigenes Zentrum unterhält. „Der Katholikentag bedeutet uns sehr viel, denn hier können wir unseren Glauben, unsere Stärke und unsere Verbundenheit mit anderen Menschen zum Ausdruck bringen. An den fünf Tagen kommen Katholikinnen und Katholiken mit ihren unterschiedlichen Kulturen, Riten, Traditionen und Sprachen zusammen, aber alle haben das gleiche Ziel: zu zeigen, dass die Katholische Kirche trotz schwieriger Zeiten aktiv und lebendig ist.“

Gottesdienst der chaldäischen Gemeinde in Alt-Aramäisch

Die chaldäische Gemeinde lädt während des Katholikentags am Freitag, 27. Mai, zu einem Gottesdienst in ihrem traditionsreichen Ritus ein. Die Texte werden übersetzt an eine Kirchenwand projiziert. Der Gottesdienst ist teils in Alt-Aramäisch, der Sprache Jesu, gehalten. Am Samstag dann diskutiert Younia Hilbert bei dem Podium „Orientalische Christ:innen unter uns“ mit zwei Bischöfen über Chancen der Ökumene. „Wir sind sehr stolz auf unsere Kirche mit ihrem alten Ritus. Und wir freuen uns sehr und fühlen uns geehrt, dass wir unsere Kirche und unsere Tradition an diesen besonderen Tagen repräsentieren können“, sagt die Subdiakonin.

Ukrainische griechisch-katholische Gemeinde

Für Roman Wruszczak, den Pfarrer der ukrainischen griechisch-katholischen Gemeinde in Stuttgart ist der Katholikentag noch aus einem ganz anderen Grund wichtig: Er möchte, dass das Leid, das der Krieg den Menschen in der Ukraine bringt, nicht aus dem Bewusstsein der Menschen verschwindet. Und er möchte für den Frieden in der Ukraine und der Welt beten. „Der Krieg dauert bereits zehn Wochen, die Menschen erleben jeden Tag und jede Nacht unfassbares Leid. Die Ukraine braucht Unterstützung“, sagt Roman Wruszczak, der beim Katholikentag auch auf die Hilfe aufmerksam machen wird, die die Mitglieder der ukrainischen griechisch-katholischen Gemeinde seit Beginn des Krieges leisten, zum einen mit Hilfstransporten für die Menschen in der Ukraine, zum anderen aber auch für die geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer, die in Stuttgart und der Region Schutz suchen.

Vier italienische Gemeinden in Stuttgart

Mit dabei beim Katholikentag sind auch die vier italienischen Gemeinden San Giorgio, Buon Pastore, San Martino und Cristo Re in Stuttgart. Beim italienischen Tag im Zentrum Weltkirche am Karlspatz wird die Gemeindereferentin Sonia Cussigh gemeinsam mit anderen Haupt- und auch Ehrenamtlichen die Angebote und Aktivitäten der vier italienischen Gemeinden vorstellen und für Fragen und Gespräche offen sein. „Wir sind für viele Italienerinnen und Italiener, die neu nach Stuttgart kommen und kein Deutsch sprechen, noch immer wichtige Ansprechpartner. Die Kirchen waren vor 60 Jahren für die ersten Gastarbeiter da und sind es auch heute noch für viele Migranten, die in Stuttgart eine neue Heimat suchen“, sagt Cussigh.

Muttersprachler gestalten Abend der Begegnung

Wie international die katholische Kirche ist, zeigt sich schon zu Beginn des 102. Katholikentags. Beim Abend der Begegnung gestalten ausschließlich muttersprachliche Katholikinnen und Katholiken das Programm auf einer von insgesamt sechs Bühnen, die sich über die Innenstadt verteilen (Mittwoch, 25. Mai, ab 19 Uhr). Auf der Bühne der muttersprachlichen Gemeinden, die auf dem Karlsplatz zu finden ist, zeigt die chaldäische Gemeinde traditionelle Tänze. Außerdem tritt der Jugendchor der kroatischen Gemeinde Blaženi Alojzije Stepinac auf. Der 24-jährige Jugendgruppenleiter Marsel Juric ist zum ersten Mal bei einem Katholikentag dabei: „Als katholischer Kroate freue ich mich darauf, andere Katholiken von deutschen und muttersprachlichen Gemeinden zu treffen und mit ihnen darüber zu sprechen, wie sie die Kirche wahrnehmen – in Bezug auf die Gegenwart und auf die Zukunft.“ Auch Ewa Langhof von der polnischen Katholischen Gemeinde freut sich auf ihren ersten Katholikentag: „Nach zwei Jahren der Pandemie sind die Menschen sehnsüchtig nach anderen. Wir brauchen Gemeinschaft. Alle Menschen sollen sehen, wie schön es ist, katholisch zu sein.“

Beim Abend der Begegnung können die Besucherinnen und Besucher auch kulinarische Spezialitäten aus den muttersprachlichen Gemeinden genießen.

 

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