Die Caritas im Land will Generationen zusammenführen und dem Erstarken von Gruppenegoismen entgegenwirken. Die Lösung der gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen gelinge nicht im Gegeneinander, so die Caritas, sondern nur im Miteinander und Füreinander. Das unterstrich der katholische Wohlfahrtsverband bei seinem Jahresauftakt im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart, bei dem die diesjährige Kampagne „Zusammen geht was. Caritas verbindet Generationen“ vorgestellt wurde. Mit der Jahreskampagne 2026 macht sich der Sozialverband für eine Zukunft stark, die Jung und Alt gerecht wird.
Vor rund 200 Gästen aus Politik, Medien, Kirche und Wissenschaft sagte Diözesan-Caritasdirektorin Birgit Schaer (Freiburg), dass Herausforderungen wie Einsamkeit, Pflegebedürftigkeit, Klimafolgen oder wirtschaftlicher Druck die Generationen zwar unterschiedlich treffen, aber sich nur gemeinsam lösen lassen. „Deshalb sollten wir uns bei den dringend notwendigen Reformen unseres Sozialstaates vom Geist des Füreinander leiten lassen“, betonte sie. Schaer nannte unter anderem ein stabiles, vertrauenswürdiges Sozialversicherungssystem, in das Menschen aller Lebensphasen Vertrauen haben können: „Das heißt: Keine Generation darf die Verantwortung alleine tragen müssen.“ Sozialer Zusammenhalt sei kein Randthema, sondern die Basis einer funktionierenden Demokratie, sagte sie im Hinblick auf die anstehende Landtagswahl. Am Ende gehe es darum, wie wir miteinander leben wollen: „Nicht getrennt nach Generationen, nicht in Parallelwelten, sondern in einer für alle Generationen lebenswerten Gesellschaft“, unterstrich Birgit Schaer.
Zwei Projekte als Beispiele für Zusammenhalt
Diözesan-Caritasdirektor Oliver Merkelbach (Stuttgart) sagte, Alt und Jung zusammenzubringen, sei nicht nur ein schöner Satz, sondern eine Haltung: „Die bevorstehende Landtagswahl macht deutlich, worum es jetzt geht. Wenn politische Kräfte im Land infrage stellen, ob Solidarität noch bezahlbar ist, sagen wir klar: Caritasarbeit ist Demokratiearbeit. Die Unterstützung von Menschen in Not steht nicht zur Disposition. Deshalb bringen wir uns ein, wo immer es notwendig ist. Wir stehen für die Würde jedes Menschen. Und wir verteidigen einen Zusammenhalt, der Menschen – und Generationen – verbindet, statt sie gegeneinander auszuspielen.“
Zwei Projekte zeigten an diesem Abend beispielhaft, wie Caritas Generationen verbindet. Die Caritas Ulm bietet mit „Wohnen für Hilfe“ ein Projekt an, das ältere Menschen mit Wohnraum und jüngere Menschen mit geringem Budget zusammenbringt. Für Hilfeleistungen im Alltag wohnen die Jüngeren günstig, wobei die Caritas das Matching und die Beratung übernimmt.
In Freiburg ermöglicht das Generationenprojekt „Jung & Alt“ die Begegnung zwischen Kindern und älteren Menschen. Grundschüler der 4. Klasse besuchen einmal pro Woche ein nahegelegenes Seniorenheim und verbringen dort gemeinsame Zeit mit den Bewohnerinnen und Bewohnern. Die Kinder der Reinhold-Schneider-Schule bereiten sich gezielt auf Besuche im Pflegeheim vor und lernen mit einem speziellen „Führerschein“ den sicheren Umgang mit Rollstuhl und Rollator.




