Kongress

Vertrauensvolles Miteinander von Hirten und Laien

Delegation aus der Diözese vertritt DBK bei Kongress im Vatikan. Bilder: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Jochen Wiedemann (2),  Christian Hass (1)

Sie nehmen ab Donnerstag, 16. Februar, im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz gemeinsam an einem Kongress im Vatikan teil (von links): Weihbischof Matthäus Karrer, Gabriele Denner, Leiterin der Geschäftsstelle der Diözesanen Räte, und Dr. Johannes Warmbrunn, Sprecher des Diözesanrats. Bilder: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Jochen Wiedemann (2), Christian Hass (1)

Dreiköpfige Delegation aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart vertritt die Deutsche Bischofskonferenz bei Kongress im Vatikan.

Im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und stellvertretend für die katholische Kirche in Deutschland nehmen Matthäus Karrer, Weihbischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart und Leiter der Hauptabteilung „Pastorale Konzeption“, Gabriele Denner, Leiterin der Geschäftsstelle der Diözesanen Räte, und Dr. Johannes Warmbrunn, Sprecher des Diözesanrats, an einem dreitägigen Kongress im Vatikan zum Zusammenwirken von geweihten Amtsträgern und Laien in der katholischen Kirche teil. Der Titel des Kongresses lautet: „Pastors and Lay Faithful Called to Walk Together“. Ein Dialog mit Papst Franziskus soll das dreitägige Programm beenden.

Themen des Treffens in der neuen Synodenaula im Vatikan werden beispielsweise das Engagement der Laien in einer synodalen Kirche, deren Aus- und Weiterbildung oder die Rolle von Bischöfen, Priestern, Diakonen und Laien im gemeinsamen Dialog sein. „Insgesamt beschäftigt sich der Kongress mit dem vertrauensvollen Miteinander von geweihten Amtsträgern und Laien“, erläutert Weihbischof Karrer. „Es gibt Vorträge aber auch viel Raum für den Dialog mit den Teilnehmenden“, freut er sich. Veranstalter ist das päpstliche „Dikasterium für die Laien, die Familie und das Leben“. Stattfinden soll die Versammlung von Donnerstag bis Samstag, 16. bis 18. Februar.

Dass eine Delegation aus Rottenburg-Stuttgart die DBK vertritt, ist auf die Kongress-Einladung an die nationalen Bischofskonferenzen mit der Bitte zurückzuführen, sie an einen mit „Synodalität“ befassten Bischof weiterzuleiten. So sei die Einladung in die Pastoralkommission der DBK und zu ihm gelangt, sagt Karrer. Gabriele Denner und er seien in der Kommission mit dem Thema „Partizipation und Engagemententwicklung“ befasst.

Gleich nach dem Erhalt der Einladung sei es für ihn klar gewesen, dass er nur im Team gemeinsam mit Denner und Warmbrunn nach Rom reisen werde. Denn die Botschaft, er könne als Bischof nicht allein an dem Kongress teilnehmen, sei ihm sehr wichtig. Als ein Zeichen in diese Richtung möchte es Karrer daher auch verstanden wissen, dass er während des Kongresses, wie er sagt, „immer mit dem Kollegen und der Kollegin gemeinsam unterwegs sein möchte“. „Auch das tue ich aus dem Verständnis heraus, dass ich mir Leitung aus meiner Erfahrung heraus gar nicht anders als im Team vorstellen kann.“ Auch die gemeinsame Anreise mit dem Zug passe zu dieser Botschaft und verstärke sie noch, setzt der Weihbischof hinzu und er fasst zusammen: „Dort wo der Bischof, der Priester und Diakon Macht teilt, eine Kultur des Vertrauens lebt und mit aufbaut, wo er dem Engagement der Gläubigen Raum gibt und auch neue Impulse zutraut, dort wächst eine glaubwürdige Kirche.“ Insgesamt seien Vertreter:innen der weltweit über 100 Bischofskonferenzen zu dem Kongress eingeladen und spannend sei für ihn dabei nicht zuletzt, dass das Treffen mit Papst Franziskus am Ende des Kongresses keine Audienz im klassischen Sinn sondern ein Dialog sein soll. 

Was den Anlass für die Zusammenkunft betrifft, vermuten Denner, Warmbrunn und Karrer, dass es dem Dikasterium darum geht, die in aller Welt gemachten Erfahrungen mit „Synodalität“ zu sammeln. In diese Richtung weise ein Fragebogen, der zur Vorbereitung des Kongresses von den Teilnehmer:innen beantwortet werden muss. „Hintergrund könnten auch Überlegungen sein, wie das Apostolicam actuositatem – das sogenannte ‚Laiendekret‘ – des II. Vatikanischen Konzils weltweit stärker verwirklicht werden kann“, vermutet Karrer. „Da stecken viele tolle Ansätze drin und ich denke, dass man ihnen neuen Schwung geben möchte.“ Die Schaffung demokratisch gewählter Räte auf verschiedenen kirchlichen Ebenen sei so beispielsweise eine dringende Empfehlung des Dekrets. Diese sei in Deutschland nach der  Würzburger Synode fast flächendeckend umgesetzt worden, weltkirchlich gesehen sei die Schaffung solcher Räte dagegen vielfach in Vergessenheit geraten. Nach wie vor würden in vielen Ortskirchen Entscheidungen ohne die Beteiligung von Laien getroffen. „Deshalb wird es uns darum gehen, diesen verschüttet gegangenen Gedanken des II. Vatikanischen Konzils zu ihrer verspäteten Umsetzung zu verhelfen“, sagt Karrer. Da Laien und Geweihte auf ihrem gemeinsamen Weg in Deutschland und speziell auch in der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit ihrem „Rottenburger Modell“ und der gemeinsamen Leitungsverantwortung von Laien und geweihten Amtsträgern schon weit vorangekommen sind, erhoffe er sich, dass ihre Stimme bei dem Kongress gehört wird.

Mit Blick auf den Synodalen Weg werde es zudem die Aufgabe der Delegation aus Rottenburg-Stuttgart sein, Vertrauen zu bilden und vielleicht auch dazu beizutragen helfen, Ängste abzubauen, indem von der vertrauensvollen Zusammenarbeit berichtet wird, die dort stattfindet. Gabriele Denner ergänzt: „Wenn wir als deutsche Delegation nur einen kleinen Baustein zu der Sichtweise beisteuern können, dass es beim Synodalen Weg nicht um eine Abtrennung, sondern um genau das Miteinander geht, das auch Papst Franziskus möchte, hat sich unsere Teilnahme mehr als gelohnt.“ Und Johannes Warmbrunn hält fest: „Wir möchten unsere Kirche so weiterentwickeln, dass sie niemanden ausschließt. Unsere Glaubensinhalte stehen dabei nicht zur Debatte.“ In dieser Hinsicht gebe es mit dem Diözesanrat in Rottenburg-Stuttgart schon seit 52 Jahren einen „Synodalen Rat“. „Wir werden versuchen, das Rottenburger Modell und die guten Erfahrungen, die wir damit gemacht haben, bei dem Kongress zu kommunizieren. Denn es braucht konkrete Ansätze, um Synodalität zu stärken. Sie muss auf den Boden der Realität gestellt werden und da haben wir einen großen Erfahrungsschatz, über den wir berichten möchten“, hält Warmbrunn fest. Es gehe ja keinesfalls allein um Strukturen, vielmehr stehe der gelebte Glauben für ihn im Vordergrund. „Das Miteinander in einer Glaubensgemeinschaft bemisst sich an der Weite, Größe und Vielfalt des Schöpfungswirkens Gottes, dem wir in unserem verantwortlichen Handeln gerecht werden müssen, auch in unserer Gremienarbeit.“ So sei die Kongress-Teilnahme für ihn dann erfolgreich, wenn es gelänge, das falsche Bild zurechtzurücken, nach dem der Synodale Weg in Deutschland nicht fest auf dem Boden der Glaubengrundsätze der katholischen Weltkirche stehe.

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