Die Sommerferien gehen zu Ende, die freien Tage sind vorbei und der Ernst des Lebens steht wieder vor der Tür. Wer im Sommer lange Urlaub hatte, könnte jetzt eine stressige oder sogar traurige Zeit vor sich haben. Und zwar egal, ob jemand mit oder ohne Kinder verreist ist oder die freie Zeit zuhause verbracht hat. Manche erleben am Urlaubsende sogar eine Mini-Depression, die Fade-out-Effekt oder Post Holiday Syndrom genannt wird. Dem Urlaub hinterher zu trauern ist ganz normal – aber mit ein paar Tricks und der richtigen Einstellung können Traurigkeit und Stress geschmälert werden. Andreas Hase ist Vorstand des Familienerholungswerks in der Diözese und erklärt die wichtigsten Schritte.
Den Urlaub entspannt beenden
Tipp 1: Die Reiseplanung
Immer wieder beobachtet Andreas Hase, dass die Menschen in den Feriendörfern des Familienerholungswerks schon gestresst ankommen, weil sie länger für die Anreise gebraucht haben als geplant. Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte deshalb zeitlich und mental Staus einplanen, damit alle entspannt bleiben können. Das gilt natürlich für die Ab- und Anreise gleichermaßen. Wer schon an den Reisetagen mit der Familien- oder Paarzeit so richtig starten will, kann auch über eine Zugreise nachdenken, so Andreas Hase: „Man sollte dann nur darauf achten, dass nicht alle am Handy hängen, sondern die Zeit gemeinsam verbringen und zum Beispiel Spiele mitnehmen.“
Tipp 2: Die Dauer des Urlaubs

Viele Erholungsforscher sprechen zurzeit davon, dass kürzere Urlaube besser sind als ein langer. Denn wer öfter frei hat, kann sich auch öfter auf den Urlaub freuen und hat mental nicht ein halbes Jahr voller Arbeit vor sich. Jedes Mal verreisen muss natürlich nicht sein – das können sich die wenigsten leisten und Erholung kann auch zuhause gelingen.
Eine Sache gilt es bei Kurzurlauben aber zu beachten, sagt Andreas Hase: „Der Jahresurlaub sollte nicht kürzer als eine Woche sein“. Denn: Nach dem Ankommen braucht man erst einmal zwei, drei Tage Zeit, um tatsächlich da zu sein und auszuspannen. „Die Seele braucht ein bisschen länger, um anzukommen“, sagt Hase. Genauso sei es auf dem Rückweg. Nach einer Reise ist es besser, noch einige freie Tage einzuplanen, statt gleich wieder ins Büro zu hetzen. „Auch da müssen wir der Seele die Zeit geben, hinterher zu reisen“, sagt er.
Tipp 3: Der letzte Urlaubstag
Packen in letzter Minute sorgt nur für Stress und Druck. Daher sollte der letzte Tag des Urlaubs gut organisiert werden, damit genug Zeit für das Vorbereiten der Abreise bleibt. Das klappt laut Andreas Hase am besten, wenn die Kinder am letzten Tag in eine Betreuung gehen können. In den Feriendörfern des Familienerholungswerks steht eine Kinderbetreuung den ganzen Urlaub über zur Verfügung. An anderen Reisezielen könnte zum Beispiel ein Elternteil etwas mit den Kindern unternehmen, während der andere in Ruhe alles packt.
Außerdem sollte am Abreisetag für eine gute Stimmung gesorgt werden. „Es ist hilfreich, wenn man den Kindern ein gutes Gefühl gibt und positiv darüber spricht, dass es jetzt wieder heim geht“, sagt Hase. Ein schöner Nebeneffekt: Die positive Stimmung wirkt sich dann auch auf die Erwachsenen aus.
Tipp 4: Den Urlaub mit nachhause nehmen

Wer hat noch nie eine Muschel vom Strand mit nachhause genommen? Dieses klassische Ritual ist wichtig, damit das Urlaubsgefühl zuhause nicht sofort endet. Andreas Hase empfiehlt aber, mit diesen Erinnerungen auch etwas anzustellen und sie nicht nur als Deko mitzunehmen. Zum Beispiel kann die Familie gemeinsam mit im Urlaub gesammeltem Material zuhause etwas basteln. „Muscheln sind da natürlich das Symbol schlechthin, aber das funktioniert auch wunderbar mit Tannenzapfen, Blüten oder Kräutern aus dem Allgäu“, sagt Andreas Hase. So ist eine schöne Beschäftigung für die ersten Tage daheim schon automatisch eingeplant. Und das ist wichtig, um die Erholung zu erhalten, sagt Hase: Dass man für die ersten Tage nach dem Urlaub noch einen schönen Ausflug oder gemeinsame Aktivitäten plant, auf die man sich schon bei der Abreise freuen kann.
„In den Feriendörfern gehört es zum Konzept, dass wir Ideen geben, die auch zuhause umgesetzt werden können“, erzählt Hase. Das sind meist Kleinigkeiten wie Teebeutel-Weitwerfen, die aber einen großen Effekt haben. „Der Alltag geht dann nicht grau wieder los, sondern bunt und er darf auch bunt bleiben“, sagt Hase.
Tipp 5: Die Post Post sein lassen
Wer aus dem Urlaub wieder nachhause kommt, sollte sich dort erst einmal Zeit lassen. Der übervolle Briefkasten und die Berge an Wäsche müssen nicht am ersten Tag abgearbeitet werden. Genauso bei der Rückkehr ins Büro: eins nach dem anderen. „In Schrittgeschwindigkeit wieder starten“, so nennt es Andreas Hase.
Tipp 6: Die Sache mit der Einstellung

Im Alltag sind wir durch die Arbeit mental und körperlich gefordert; hinzu kommen Sorgen über Kriege, Pandemien, Geld und so weiter. „Die psychische Belastung wird immer größer und da ist Urlaub genau das Richtige, um zu zeigen: Das Leben kann auch ein bisschen entspannter sein“, sagt Hase. Besonders gut ist es, wenn es gelingt, diese Entschleunigung aus dem Urlaub mit in den Alltag zu nehmen. Das gilt übrigens genauso für Leute, die im Urlaub nicht verreist sind. Die trifft am Ende der freien Tage der gleiche Stress minus Stau, sagt Andreas Hase. „Da ist es genauso wichtig, mit Freude wieder zurück in den Alltag zu starten – das ist die große Kunst“, sagt er.
Und das ist für alle Einstellungssache, sagt Hase: „Man muss sich die Chance dafür geben.“ Das gelingt am besten, wenn es immer wieder Dinge gibt, über die man sich freuen kann: zum Beispiel am Ende der Reise auf ein paar schöne, freie Tage zuhause oder über Fotos und gemeinsam Gebasteltes, das später im Büro auf dem Schreibtisch steht. Natürlich hilft auch die Aussicht, dass bald wieder eine Auszeit ansteht. „Das kann durchaus auch nur ein Wochenende sein, wir nennen das Erfrischungsurlaub“, sagt Hase.




