Film & Fernsehen

"Der Kirche ein Dorf geben" feiert Premiere

Maria Schuster, Bischof Gebhard Fürst und Martin Choroba (von links) im Tettnanger KiTT. - Foto: DRS / Thomas Brandl

Im Tettnanger Kino "KiTT" wurde erstmals der Tellux-Streifen über sozialen Wohnungsbau und Quartiersentwicklung der katholischen Kirche gezeigt.

Der Film „Der Kirche ein Dorf geben“ schlägt den Bogen von der drängenden Wohnraumbeschaffung für Millionen von Flüchtlingen nach dem zweiten Weltkrieg über den sozialen Wohnungsbau des Siedlungswerkes der Diözese bis hin zur Quartiersentwicklung wie zum Beispiel St. Anna in Tettnang oder St. Vinzenz Pallotti in Stuttgart- Birkach. Bischof Gebhard Fürst zeigte sich stolz auf dieses gesellschaftspolitisch sehr wichtige Engagement der katholischen Kirche und das "in seiner Art einzigartige Projekt" im Oberschwäbischen.

In Tettnang ist ein neues Quartier entstanden, an dem die Stadt, die katholische Kirchengemeinde und zwei Wohnungsbaugenossenschaften sowie die Stiftung Liebenau intensiv zusammengewirkt haben. Das St. Anna Quartier feierte am 6. Mai 2022 seine offizielle Einweihung – wegen der Corona-Pandemie deutlich später als geplant. Der Bau- und Sparverein Ravensburg und die Baugenossenschaften Familienheim aus Villingen haben dort in einer engen, partnerschaftlichen Zusammenarbeit unter der Bezeichnung BGWo ein vorbildliches Wohnquartier für etwa 400 Menschen errichtet, das bereits viel Lob für seine zukunftsweisenden, innovativen und integrativen Wohnkonzepte und Modelle geerntet hat und künftig wohl als Blaupause auch für andere Städte dienen wird.

Wohnen zu erschwinglichen Preisen

Die durch die BGWo erstellten 130 Wohnungen, werden zu erschwinglichen Preisen vermietet und verbleiben im Eigenbestand der Genossenschaften. In Kooperation mit der Stiftung Liebenau wurde ein Sozialprojekt für schulpflichtige Jugendliche mit Behinderung verwirklicht, die in vier Wohngruppen zusammenleben. Zudem gibt es eine Wohngemeinschaft für Senioren und den Gemeinschaftstreff "Pavillon", der zusammen mit der denkmalgeschützten St. Anna-Kapelle das Zentrum des Wohnquartiers bildet. Das Angebot vielfältiger Unterstützungsleistungen und Hilfen für Menschen mit entsprechendem Bedarf ermöglicht selbstbestimmtes Wohnen bis ins hohe Alter. Stadtnah und zentral gelegen, stießen auch die mikroLOFT Mietwohnungen auf großes Interesse und waren schnell vergeben.

Nach der Filmvorführung im komplett ehrenamtlich betriebenen KiTT berichtete die Seelsorgerin Maria Schuster in einer kleinen Gesprächsrunde vom täglichen Zusammenleben der Menschen im Quartier mit seinen 130 genossenschaftlichen Mietwohnungen von 1,5 bis vier Zimmern. Das St. Anna-Projekt sei für sie eine Art „sozialer Inkubator, der zeigen wird, inwieweit Menschen in einer immer weiter auseinanderdriftenden Gesellschaft es schaffen können, wieder miteinander zu leben und füreinander da zu sein“. Zwar gebe es auch in St. Anna hier und da Spannungen zwischen teils sehr unterschiedlichen Menschen – aber besonders beeindruckend für sie sei zu sehen, „wie sehr sich gerade die älteren Bewohnerinnen und Bewohner über die vielen Kinder freuen“. 

Bischof: Sozialer Wohnungsbau ist wichtig

Bischof Dr. Gebhard Fürst machte in der Gesprächsrunde deutlich, welche große Bedeutung der soziale Wohnungsbau für ihn und alle seine Vorgänger im Bischofsamt seit dem zweiten Weltkrieg hat(te), und kritisierte die Politik, die auf diesem Feld ihren Pflichten seit langem schon nicht mehr nachkomme. Ganz anders als bei den vielen Wohnbauprojekten, die von der Diözese und ihren verschiedenen Partnern in den vergangenen Jahrzehnten gestemmt wurden, sei der zeitliche Ablauf in Tettnang ein umgekehrter gewesen. Die im Jahr 1513 errichtete St. Anna-Kapelle stand schon mehr als 500 Jahre da, als der damalige Pfarrer von St. Gallus, Prälat Rudolf Hagmann, gemeinsam mit dem Kirchengemeinderat die Idee auf den Weg brachte, ihr ein „eigenes Dorf“ zu geben.    

Laut Tellux-Geschäftsführer Martin Choroba wird der Film von Regisseur Dominik Wessely demnächst in mehreren Streamingdiensten digital ausgespielt und auch in den Mediatheken einiger ARD-Anstalten verfügbar sein. Die in München ansässige Filmproduktionsfirma, im  Besitz mehrerer deutscher Diözesen und vor 64 Jahren in Rottenburg gegründet, hat mit Filmen zum Beispiel über die Arbeit der Diakone („Die durch den Staub gehen“) oder die spektakulären Ausgrabungen in der Rottenburger Sülchenkirche für große Aufmerksamkeit auch in säkularen Kreisen gesorgt. Nach der jetzigen Vorführung in Tettnang steht im Oktober in Stuttgart bereits die nächste Premiere an. Tellux-Regisseur Dominik Wessely hat die vergangenen zwei Jahre das Projekt „Friedensglocken für Europa“ begleitet, in dessen Rahmen die Diözese Rottenburg-Stuttgart rund 50 von den Nazis im zweiten Weltkrieg zur Waffenproduktion abgehängte Glocken aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach Polen und Tschechien zurückbringen will.    

Wegen einer technischen Panne der Übertragungstechnik im Tettnanger KiTT konnte übrigens das letzte Drittel des Filmes am Freitag Abend nicht gezeigt werden - weshalb es zeitnah einen zweiten Vorführtermin geben wird. 

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