Weltkirche

Der Papst und die Hostienbackmaschine

Auf Empfehlung von Bischof Richard Francis Prevost, heute Papst Leo XIV, wandten sich die Karmelitenschwestern in Chiclayo 2019 an die Hauptabteilung Weltkirche der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Foto: Symbolbild Norbert Staudt/Pixabay

Auf Empfehlung von Bischof Prevost von der Diözese Chiclayo wandten sich Karmelitinnen an die Diözese Rottenburg-Stuttgart.

"Wir haben jetzt einen peruanischen Papst"

Zum ersten Mal wurde mit der Wahl von Papst Leo XIV ein US-Amerikaner zum Nachfolger Petri gewählt, doch in Peru sieht man das anders. Dort ist der Papst einer von ihnen. So wandte sich Robert Francis Prevost bei seiner ersten Ansprache nach seiner Wahl zum Papst zuerst an die Katholiken in seiner langjährigen Heimat Chiclayo – auf Spanisch und nicht auf Englisch. Juliane Hernandez aus der Hauptabteilung Weltkirche der Diözese Rottenburg-Stuttgart und für alle Projekte aus Peru zuständig bestätigt: „Die Peruaner freuen sich über die Papstwahl und sehen Papst Leo als einen der ihren an, auch wenn er in USA geboren ist. Letzte Woche hat eine Mitarbeiterin der Caritas aus dem Nachbarbistum Jaén, die zu Besuch in Rottenburg war, gleich eingangs unseres Gesprächs ganz freudig erzählt: "Wir haben jetzt einen peruanischen Papst". Dass er einen Teil seiner ersten Ansprache als Pontifex vom Balkon auf Spanisch an "seine geliebte Diözese Chiclayo und an das peruanische Volk" gerichtet hat, ist dort mit Freude wahrgenommen worden.“

Einer, der sich kümmerte

Als Papst Leo XIV noch Bischof von Chiclayo war, hatte Peru mit vielen Katastrophen, wie der extremen Erwärmungen des Pazifiks und dadurch verursachte Überschwemmungen oder auch die Covid-Pandemie zu kämpfen. Dazu kam die Korruption im Land und die mangelhafte Infrastruktur. Immer identifizierte sich der ruhige, bodenständige, einfache Robert Prevost mit den Gläubigen in Peru und ganz besonders mit den Bedürftigen. In seiner peruanischen Heimat war der damalige Bischof Prevost nicht als besonders gesprächig bekannt. Er war jedoch einer, der sich sofort kümmerte, wenn Menschen mit einem Anliegen zu ihm kamen. Und so kümmerte er sich auch um die Belange der Karmelitinnen im Kloster "Nuestra Señora de la Paz y San José", die seit 1991 in der Diözese Chiclayo wohnen.

Hostien für den eigenen Lebensunterhalt und den Unterhalt des Waisenhauses

Obwohl die Karmelitinnen, damals 15 Schwestern und zwei Novizinnen, für das kontemplative Leben sind, unterhalten sie in Chiclayo ein kleines Waisenhaus für Mädchen. Zur Selbstversorgung des Klosters und zum Unterhalt des Waisenhauses werden dort Hostien hergestellt, die auch an fünf nördliche Diözesen in Peru, sowie an einige Pfarreien und Kongregationen in weiteren nördlichen Regionen geliefert werden. Die Produktion begann mit gespendeten Maschinen, die irgendwann sehr reparaturanfällig waren und für die es keine Ersatzteile mehr gab. Auf Grund von mehr Bestellungen brauchten die Karmelitinnen eine einfache aber moderne, neue Hostienbackmaschine - die monatliche Produktion betrug inzwischen 900.000 Hostien zur Kommunion und 30.000 für die Eucharistie.

Bischof Robert Prevost gab seine ausdrückliche Empfehlung

Auf Empfehlung von Bischof Robert Francis Prevost wandten sich die Karmelitenschwestern 2019 an die Diözese Rottenburg-Stuttgart. Noch im gleichen Jahr bewilligte die Hauptabteilung Weltkirche den Karmelitinnen einen Zuschuss. Juliane Hernandez erinnert sich, wie der spätere Papst Leo den Antrag der Schwestern damals unterstützte: „Ordensgemeinschaften müssen nachweisen, dass ihre Ordensoberen über die Anträge informiert sind und sie unterstützen. In diesem Fall hat aber noch zusätzlich Bischof Prevost seine ausdrückliche Empfehlung abgegeben, um einen Zuschuss für den Ersatz ihrer alten und reparaturanfälligen Hostienbackmaschine zu beantragen.“ Wie die Schwestern von der Diözese in Süddeutschland erfuhren, ist nicht bekannt. Juliane Hernandez weiß jedoch, dass eines der Bistümer in der Nachbarschaft Chiclayos, das Bistum Chachapoyas, seit vielen Jahren eine gute und intensive Partnerschaft mit der Kirchengemeinde in Dunningen sowie Projektpartnerschaften mit der Hauptabteilung Weltkirche der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat.

 


„Auf Empfehlung von Bischof Prevost wurde die finanzielle Unabhängigkeit der Schwestern gestärkt und ihre Fähigkeit, sich selbst zu versorgen und eine Bildungs- und Hilfseinrichtungen für Mädchen zu betreiben, gefördert.

Dr. Wolf-Gero Reichert, Geschäftsführer der Hauptabteilung Weltkirche

 

Hostienherstellung eine wichtige Einkommensquelle

Hernandez erklärt weiterhin: „Tatsächlich ist es nicht ungewöhnlich, dass wir Ordensgemeinschaften bei der Anschaffung von Hostienbackmaschinen unterstützen, auch in Ländern wie Uganda, Indien oder der Ukraine hat die Hauptabteilung Weltkirche in den letzten Jahren solche Vorhaben unterstützt. Gerade kontemplative Orden wie die Karmelitinnen haben im Unterschied zu Kongregationen, die ausgebildete Lehrerinnen oder Krankenschwestern haben, wenig Möglichkeiten, Einkommen für ihre Gemeinschaft zu generieren. Für sie ist die Hostienherstellung eine wichtige Einkommensquelle. Bei den Karmelitinnen in Chiclayo kam noch hinzu, dass sie noch ein Wohnheim für Mädchen aus wirtschaftlich benachteiligten Familien betreiben, was Verantwortung über die eigene Kongregation hinaus bedeutet und eine gesicherte Versorgung noch wichtiger macht. Wir waren deshalb froh, dass Bischof Prevost das Anliegen der Schwestern uns gegenüber vertreten hat.“

„Manchmal erwachsen aus diesen Projekten langjährige Partnerschaften."

Wenn die Hautabteilung Weltkirche Projektanfragen erreichen, erfolgt zunächst eine erste Prüfung durch die zuständige Regionalreferent: in. Wichtige Gesichtspunkte sind, ob die antragstellende Diözese oder Ordensgemeinschaft bekannt ist und das Anliegen dringlich scheint. Wenn das Projekt grundsätzlich infrage kommt beginnt in der Regel ein Austausch, während dessen die Mitarbeitenden in der Hauptabteilung Weltkirche das Anliegen und die Situation besser verstehen lernen und eventuell noch fehlende Dokumente oder Nachweise einfordern. Dann wird das Anliegen in einem kleineren Kolleg: innenkreis vorbesprochen. Wenn alle Umstände geklärt werden und eventuelle Zweifel ausgeräumt werden können, wird das Projekt einer größeren Runde mit Leitung vorgestellt und eine Entscheidung getroffen. Im Falle der Bewilligung wird das Projekt während und oft auch nach der Umsetzung begleitet. Juliane Hernandez freut sich, wenn nachhaltige Beziehungen entstehen: „Manchmal erwachsen aus diesen Projekten langjährige Partnerschaften. Besonders beeindruckend ist, wenn es dann irgendwann die Möglichkeit gibt, ein Projekt zu besuchen und wir uns selbst ein Bild machen können davon, was mit den Mitteln aus Rottenburg für die Menschen vor Ort erreicht werden kann.“

Eine neue Stickereimaschine für Chiclayo

Dr. Wolf-Gero Reichert, Geschäftsführer der Hauptabteilung Weltkirche ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis der ersten Zusammenarbeit mit der Diözese Chiclayo: „Aufgrund der beidseitig positiven Zusammenarbeit haben sich die Karmelitinnen im Jahr 2023 erneut an die Hauptabteilung Weltkirche gewandt, um eine Stickereimaschine zu erwerben, durch die der Einkommenserwerb der Schwestern nochmals deutlich gestärkt werden konnte.“

Papst Leo XIV und seine Wahlheimat Peru

Nach seinen Studienjahren in Chicago und Rom sowie seiner Priesterweihe, kam der Augustinerpater Robert Prevost schon 1985 nach Peru, zuerst als Missionar und später für zehn Jahre als Leiter des gemeinsamen Ausbildungsprojekts für Augustiner-Aspiranten aus dem Erzbistum Trujillo in Peru.

1998 kehrte er für drei Jahre nach Chicago zurück, um Prior der dortigen Ordensprovinz zu werden. Drei Jahre später wurde er als Generalprior in Rom Leiter des weltweiten Augustinerordens.

2014 schickte ihn Papst Franziskus als Apostolischen Administrator nach Chiclayo im Norden Perus an der Pazifikküste, wo Prevost 2015 Diözesanbischof von Chiclayo wurde und zusätzlich zu seiner US-amerikanischen auch die peruanische Staatsbürgerschaft annahm. Das 1956 errichtete Bistum Chiclayo besteht aus 50 Pfarreien. Dort leben über 1,1 Millionen Katholiken, davon 90 Diözesan-, 20 Ordenspriester und 180 weitere Ordensleute. Ein großer Teil der Bevölkerung sind Indigene. Während es in Peru viele eher konservative Priester gibt, setzte Prevost in seinem Priesterseminar auf Bildung, sodass viele der jungen Priester in Chiclayo heute offen und synodal sind.

In seiner Wahlheimat Chiclayo lebte und wirkte Bischof Prevost, bis Papst Franziskus ihn 2023 zum Präfekten des Bischofsdikasteriums in Rom berief.

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