Glauben

Der Tochter den christlichen Glauben im Alltag vermitteln

Lucia Pfitz erhält den Segen für die Wiederaufnahme in die Kirche. Foto: Stadtdekanat Stuttgart

Lucia Pfitz ist nach der Taufe ihrer Tochter wieder in die Kirche eingetreten.

Viele Menschen treten aus der Kirche aus. Lucia Pfitz hat sich dazu entschieden, wieder in die katholische Kirche einzutreten. Bei der 33 Jahre alten Stuttgarterin hat die Geburt der Tochter ihren Blick auf die Welt und die Kirche verändert. „Ausschlaggebend für den Wiedereintritt in die Kirche war für meinen Mann und mich die Geburt unserer Tochter, da wir uns wünschen, dass sie die christlichen Werte und die Botschaft kennenlernt", sagt die Stuttgarterin. Lucia Pfitz möchte ihrer Tochter christliche Werte mit auf den Lebensweg geben.

 

Sie wird irgendwann selber entscheiden, ob sie in der Kirche bleibt oder nicht.

 

Mit der Geburt ihrer Tochter hat sich ihre Sicht auf die Welt verändert: „Mir ist wieder bewusst geworden, wie stark wir in der christlichen Tradition verankert sind, auch wenn viele Menschen dies gar nicht mehr wahrnehmen.“ Lucia Pfitz hat sich vorgenommen, mit ihrer Tochter regelmäßig Kinder- und Familiengottesdienste zu besuchen, mit ihr zusammen die christlichen Feiertage zu begehen und im Alltag auch über Gott und Religionen zu sprechen. „Es ist mir wichtig, dass Valentina erlebt, wie wir an Weihnachten die Geburt Jesu feiern und an Ostern die Auferstehung“, sagt die 33-Jährige. Sie möchte Valentina die Grundlagen des Glaubens mitgeben: „Ich finde es gut, wenn meine Tochter die christliche Botschaft und die christlichen Werte mitbekommt, diese versteht, und auch hinterfragen kann. Und wenn sie möchte, sich danach ausrichten kann.“

Für Lucia Pfitz war der Glaube immer ein wichtiger Teil ihres Lebens. Als Kind war sie mit ihrem italienischen Großvater bei Gottesdiensten und Veranstaltungen im Vatikan. In der Familie waren die christlichen Feiertage wichtig, auch der Gottesdienstbesuch am Sonntag gehörte dazu. Dennoch entschloss sich Lucia Pfitz vor sechs Jahren während ihrer Studienzeit aus der katholischen Kirche auszutreten. Die Missbrauchsskandale empörten sie und auch aus den Gottesdiensten nahm sie für ihren Alltag nicht viel mit. „Nach den Gottesdiensten stellte ich mir immer die Frage, was habe ich gehört, was bleibt mir? Oft stellte ich fest, dass die Predigten an meinem Leben vollkommen vorbeigingen“, erinnert sich die Stuttgarterin. Ihren Glauben gelebt hat sie in dieser Zeit dennoch, wenn auch außerhalb der katholischen Kirche. „Ich habe meinen Glauben nie verloren, meinen Bezug zur katholischen Kirche schon.“ 

Den kritischen Blick auf die Kirche behalten

Nach der Geburt ihres Kindes hatte Lucia Pfitz das Bedürfnis innezuhalten und sich neu zu orientieren. Daraus ist der Entschluss gewachsen, wieder in die Kirche einzutreten, aber den kritischen Blick auf die Institution zu behalten. „Ich werde mich weiterhin kritisch mit der Kirche und ihren Strukturen auseinandersetzen, aber eben als Kirchenmitglied.“

Den Glauben in der Gemeinschaft leben

Wieder in die Kirche aufgenommen hat sie Andreas Marquardt, der leitende Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Vaihingen. Er freut sich, dass er Tochter Valentina taufen und ein paar Tage später auch die Wiederaufnahme von Lucia Pfitz in der Kirche Christus König feiern durfte. „Die Geburt eines Kindes, Taufe und Kommunion sind für viele Familien sogenannte Knotenpunkte des Lebens. Daraus kann dann der Impuls entstehen zu sagen: Ich trete wieder ein", sagt Andreas Marquardt. Wiedereintreten heiße nicht, den kritischen Blick zu verlieren, vielmehr gehe es darum, den Glauben in der Gemeinschaft zu feiern. „Ich kann alleine glauben, kann Gott auch an vielen verschiedenen Orten begegnen. Ich kann auch alleine Fußball spielen, aber besser ist es im Team in einer Mannschaft. Meinen Glauben zu leben, mein Leben im Licht des Glaubens zu deuten, braucht eine Gemeinschaft. In einer Gemeinschaft finde ich Unterstützung, Austausch und Geborgenheit“, sagt Andreas Marquardt. 

Lucia Pfitz gehört zusammen mit ihrem Mann und ihrer fast zweijährigen Tochter zur Gemeinde Christus König in Vaihingen. „Vor Ort erlebe ich eine offene und lebendige Gemeinde. Darüber freue ich mich.“, sagt die 33-Jährige.

Wiedereintritte in Stuttgart

23 Frauen und Männer sind im vergangenen Jahr wieder in die katholische Kirche eingetreten. Hinzu kommen zehn Menschen, die neu in die katholische Kirche eingetreten sind. Glaubenskurse bieten interessierten Menschen die Möglichkeit, sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen. Diese werden im Herbst und im Frühjahr in zwei Gemeinden, im Spirituellen Zentrum station s sowie im Haus der Katholischen Kirche angeboten.

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