Ukraine

Destruktive Gedanken überwinden

Die beiden Frauen sitzen übers Eck an einem Tisch. Olga Romanovska mit weißer Bluse und Dutt gibt Irina das Teelicht in die geöffnete Hand.

Kursleiterin Olga Romanovska (l.) übergibt Irina während des Kurses "Frauen helfen Frauen" ein brennendes Teelicht - Foto: DRS/Waggershauser

Referentinnen helfen anderen Frauen aus der Ukraine mit einem psychologischen Kursprogramm beim inneren Ankommen in Deutschland.

Es sind Sommerferien. Das gewöhnliche Programm in Wangens Familien- und Frauentreff macht Pause. Doch am Freitagnachmittag füllt sich das Obergeschoss an einer derzeit gesperrten Durchgangsstraße der Allgäustadt mit Leben. "Ich bin jede Woche da", erklärt Irina, während aus einem anderen Zimmer die Stimmen spielender Jungen und Mädchen zu hören sind. Die Mutter von zwei erwachsenen Kindern stammt aus Ternopil in der Ukraine, etwa 130 Kilometer östlich von Lviv/Lemberg. "Nicht zu verwechseln mit Tschernobyl", betont sie im Blick auf den ähnlich klingenden Ort der Reaktorkatastrophe.

Irina freut sich auf den wöchentlichen Kurs, der geflüchteten Frauen mit verschiedenen Übungen und Informationen hilft, die Wunden der letzten Monate zu verarbeiten und in der Gegenwart in Deutschland anzukommen. Olga Romanovska und Danna Sivko, die Referentinnen des Angebots, sind in der gleichen Situation wie die Teilnehmerinnen. Sie haben ihr Heimatland ebenfalls im Frühjahr wegen des Kriegs verlassen. Die beiden fanden Unterkunft im Feriendorf des Familienerholungswerks (FEW) der Diözese in Eglofs, wo derzeit die Wohnung des Hausleiters leer steht.

 

Verschiedene Übungen für die psychische Gesundheit

"Das heutige Thema sind Emotionen", erklärt Olga Romanovska. Es gehe darum, destruktive Gedanken zu erkennen und zu überwinden sowie neue, positive Grundstimmungen zuzulassen. "Auf diese Weise können wir die psychische Gesundheit stabilisieren", ergänzt die Regressionspsychologin und ausgebildete Visagistin auf Russisch. Zhaneta Kalykbekova aus Kirgisien, die derzeit beim FEW ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert, übersetzt ins Deutsche. Ebenfalls als Psychologin arbeitet Danna Sivko. Sie bringt außerdem Erfahrungen als Gesundheitspädagogin, Coiffeurin und Lehrerin für neurographische Malerei mit.

Der offene Treff "Frauen helfen Frauen" startete am 22. Juli. Andreas Hase, Leiter des FEW, unterstützte die beiden Bewohnerinnen des Feriendorfs von Anfang an bei der Organisation des Angebots und bei der Finanzierung durch das Landesprogramm "Stärke" des baden-württembergischen Sozialministeriums. Im Schnitt kamen seither jeden Freitag 15 von den etwa 200 Ukrainerinnen, die in und um Wangen leben. Um deren Kinder kümmern sich während des Kurses zwei junge Frauen mit Basteln und Malen. Die Woche davor ging es bei den Teilnehmerinnen auch um ganz praktische Dinge wie die Anerkennung von Dokumenten, die Suche nach Arbeit und die Kinderbetreuung.

Rückkehr in die Bundesrepublik nach 36 Jahren

"Ich komme aus der Ukraine, aus Kiew. Ich wohne jetzt in Wangen", stellt sich Julia auf Deutsch vor. Das erste Mal war sie 1986 für kurze Zeit in der Bundesrepublik. Das Rote Kreuz hatte nach dem Unglück im Atomkraftwerk Tschernobyl nahe der ukrainischen Hauptstadt den Kontakt zu einer Familie an der niederländischen Grenze vermittelt. Um sich mit ihnen verständigen zu können, besuchte Julia später auch einen dreimonatigen Deutschkurs. Nun brachte sie der Krieg mit ihrem Mann und sechs von sieben Kindern sowie mit Mutter und Schwiegermutter ins Allgäu. "Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal in Deutschland leben werde" gesteht sie - traurig über die Situation in der Heimat und doch dankbar für die Unterstützung.

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