Jubiläum

Diakonisch mit allen Facetten

Stehempfang im Klosterhof: Bischof Dr. Gebhard Fürst im Gespräch anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums der Stefanus-Gemeinschaft. Links: Erik Thouet, Bischöflicher Beauftragter für die Ausbildung zum Ständigen Diakonat. Foto: drs/Jerabek

75-Jahr-Jubiläum: Bischof Fürst würdigt die Stefanus-Gemeinschaft als realen Entwurf, wie Menschen mit Wort und Werk gemeinsam Zeugnis ablegen können.

Dankbar und trotz verschiedener Herausforderungen optimistisch für die Zukunft haben zahlreiche Stefanusfreunde und -freundinnen das 75-jährige Bestehen ihrer Gemeinschaft gefeiert. Gerade in einer Zeit abnehmender Bereitschaft zum Dialog und vielfach fehlender Reflexion des Glaubens sei das Apostolat der Stefanus-Gemeinschaft, das auf den Säulen „Glauben – Wissen – Reden“, ruht, und das von Freundschaft getragene Engagement ihrer Mitglieder in Kirche und Welt von großer Bedeutung, betonte Bischof Dr. Gebhard Fürst bei einem Festakt in der Klosterkirche von Heiligkreuztal. Dies gelte besonders angesichts einer Entwicklung, in der sich das Christentum von der Volkskirche hin zu einer „missionarischen Kirche im Volk“ bewege.

Unter dem Titel „Was bedeutet diakonisch? Stephanus, der erste Glaubenszeuge und Diakon“ erinnerte der Bischof an Alfred Lange, den Gründer der Stefanus-Gemeinschaft. Dieser „rastlose Sucher nach dem authentischen, echten Glauben“ habe – ähnlich wie einst der heilige Ignatius von Loyola – nach einer schweren Verwundung seinem Leben eine neue Richtung gegeben: Im Lazarett sei er durch geistliche Lektüre, durch das Gespräch mit anderen Verwundeten und vor allem durch das Glaubenszeugnis katholischer Ärzte und der ihn pflegenden Ordensschwestern in Kontakt mit dem Katholizismus gekommen und schließlich konvertiert. Diese Episode aus dem Leben Langes beleuchte eine Facette der Antwort auf die Frage: Was ist diakonisch? Diakonisch zu leben bedeute, „den Glauben, den ich selber geschenkt bekommen habe, anderen Menschen zu bezeugen. Dabei gebe ich nicht mir, sondern einem anderen die Ehre, nämlich der lebendigen Person Jesus von Nazareth, dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus.“

Kirche und Welt mitgestalten

Eine andere Erfahrung, nämlich die, dass Christen in Diskussionen den mit geschulter Raffinesse agierenden antikirchlich eingestellten Aktivisten oft wenig entgegensetzen können, habe Alfred Lange dazu gebracht, über die Gründung einer Gemeinschaft nachzudenken, um Katholiken zu bilden, „damit sie in der Öffentlichkeit selbstbewusst auftreten und für den Glauben einstehen konnten“. Dabei sei es ihm um eine „ganzheitliche Zurüstung der Person" gegangen, „nicht nur um technische Rednerausbildung“, betonte Bischof Fürst.

Diese Gemeinschaft von Christen, bei der sich Laien und Priester gegenseitig unterstützen und die es sich zur Aufgabe gemacht hat, „Kirche und Welt mitzugestalten, für die Vermittlung christlicher Werte einzutreten und gesellschaftliche Entwicklungen zu hinterfragen, statt sie wortlos hinzunehmen“, habe manches von dem, was das 15 Jahre später beginnende Konzil hervorgebracht hat, erkannt und zu verwirklichen versucht.

Glaubenskommunikation und Gemeinschaft

Nicht von ungefähr habe Alfred Lange den heiligen Stephanus, Diakon der Jerusalemer Urgemeinde und erster Märtyrer des Christentums, zum Patron der neuen Gemeinschaft erwählt. Seine Redebegabung, wie sie die Apostelgeschichte dokumentiert, „die eingebettet war in eine gläubige Existenz und das Vertrauen, das dem Stefanus durch die Gemeinde entgegengebracht wurde", seien zentral für das Selbstverständnis der Stefanus-Gemeinschaft: Glaubenskommunikation und Gemeinschaft. Gemeinschaft werde hier verstanden als „Ort der gegenseitigen Stärkung, eines christlichen Miteinanders, wo einer auf den anderen schaut und jede und jeder Verantwortung übernimmt für den Nächsten“, sagte Fürst. An der Stefanus-Gemeinschaft lasse sich ablesen, „dass das soziale karitative Bemühen und die mutige Verkündigung des Glaubens immer zusammengehören“. Diese Gemeinschaft sei „keine Utopie, sondern ein realer Entwurf, wie Menschen gemeinsam Zeugnis ablegen können, mit Wort und Werk, in Tat und Wahrheit".

„Schauen Sie darauf, was Alfred Lange wichtig war, und übertragen es in die heutige Zeit. Legen Sie mutig Zeugnis ab von Ihrem Glauben und der Hoffnung, die Sie erfüllt“, rief der Bischof den Mitgliedern zu: „Stärken Sie einander in diesem gemeinsamen Anliegen und auf diesem Weg.“

Stefanus-Gemeinschaft

Die Stefanus-Gemeinschaft ist als e.V. in Ortsgruppen – den Stefanuskreisen – organisiert, die es aktuell in Deutschland, Österreich und Liechtenstein gibt. Mit dem ehemaligen Zisterzienserinnenkloster Heiligkreuztal verfügt sie über eine eigene Bildungsstätte mit einem vielfältigen Jahresprogramm. Dort befindet sich das Zentrum und Hauptbüro der Gemeinschaft. Außerdem beherbergt die Anlage ein Tagungshaus der Diözese.

Mit Mut und Zuversicht

Der Ermutigung durch den Bischof schloss sich auch mit Worten des Dankes an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und alle, die den Idealen und Zielen der Gemeinschaft verbunden sind, der Erste Obmann der Stefanus-Gemeinschaft, Diakon Alfred Fraidling, an. Miteinander zu reden und zu lernen, gemeinsam der Wahrheit die Ehre zu geben, bleibe zentraler Auftrag und in der aktuellen Situation ein ganz wichtiger Punkt in der Arbeit der Stefanus-Gemeinschaft, betonte die Zweite Obfrau, Dr. Adrienne Weigl, in dem folgenden Austausch zwischen Bischof und Stefanusfreunden.

Zu den Gästen, die Erster Obmann Fraidling zum Jubiläum begrüßen konnte, zählten die Bürgermeister von Riedlingen und von Altheim, Marcus Schafft und Martin Rude, Alt-Ministerpräsident Erwin Teufel, der der Stefanus-Gemeinschaft lange verbunden ist, und Interessierte, Freunde und Förderer vor Ort und aus der Umgebung und nicht zuletzt Mitarbeiter des Ausbildungszentrums für Ständige Diakone, das in guter diakonischer Nachbarschaft im Kloster Heiligkreuztal beheimatet ist.

Sternwallfahrt nach Zwiefalten

Der Festtag begann mit der traditionellen Sternwallfahrt, zu der sich zahlreiche Stefanusfreunde und -freundinnen im Münster Zwiefalten versammelten. In der Predigt des vom Zwiefalter Münsterchor festlich mitgestalteten Gottesdienstes schlug Weihbischof em. Dr. Johannes Kreidler einen Bogen vom heiligen Stephanus, dessen Handreliquie im Münster „Unserer lieben Frau“ in Zwiefalten verehrt wird, zur heutigen Zeit, die angesichts vieler Wirrnisse und Unsicherheiten viel diakonischen Muts und Zuversicht bedürfe. Mit Maria gelte es, die Herausforderungen mutig anzunehmen.

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