Im Reiterstübchen liegen schon die Kostüme bereit: Rote Umhänge, Helme römischer Soldaten, Schwerter, Rüstungen, aber auch Bischofsgewänder. Denn 13 Martinsritte sind für dieses Jahr geplant. Jugendliche und Erwachsene machen die Pferde fertig, nehmen die Kostüme mit, verladen die Pferde auf Hänger und fahren zu den verschiedenen Kirchen mit einem Martinsritt. Pro Sankt Martin sind immer zwei bis drei Helferinnen und Helfer mit dabei, die das Pferd transportieren, beruhigen und zur Not auch an den Strick nehmen. „Die Sicherheit geht vor“, erklärt Gerhard Müller vom Ponyhof Müller.
Die Ehre, Sankt Martin zu spielen
Pferdetraining
Für die Pferde ist so ein Martinsritt Höchstleistung. Sie müssen ruhig bleiben bei den Menschenmassen, den Lichtern und Sirenen und durch enge Straßen immer das gleiche langsame Tempo laufen, damit auch alle hinterherkommen. Die Pferde vom Ponyhof Müller sind für solche Aufgaben trainiert. Müller erklärt: „Das beste Training ist der Kinderreitbetrieb. Zusätzlich spielen wir immer wieder verschiedenste Musik im Stall, fahren mit Traktoren an den Pferden vorbei und sind mit unseren Pferden an der Kutsche im Stuttgarter Straßenverkehr unterwegs.“
Das Strahlen in den Augen
Wichtig sei aber auch, dass die Menschen, die Sprache der Pferde verstehen und darauf eingehen können. Wer das gut genug beherrscht darf mit den Pferden vom Ponyhof einen Martinsumzug anführen. Für Müller ist es eine Ehre in die Rolle des Heiligen Martin zu schlüpfen.
Seit über 30 Jahren versucht er so den Kindern auf dem Martinsumzug ein besonderes Erlebnis zu verschaffen. Denn das schönste sei das Strahlen in den Kinderaugen. Für Müller ist außerdem eindeutig: „So binden wir die Kinder an die Kirche: durch den Spaß. Die Auseinandersetzung mit dem Glauben kommt erst später.“
Der Martinsritt in Sillenbuch
Bei dem Martinsritt in Sillenbuch gibt es gleich mehrere Besonderheiten: Sankt Martin ist hier nicht als römischer Soldat, sondern als Bischof unterwegs. Denn im Schattenspiel im vorausgehenden Gottesdienst wird die Geschichte von Sankt Martin erzählt - von der Mantelteilung bis hin zu seiner Bischofsweihe. Und als solcher führt Martin dann auch den Umzug an. Im Anschluss werden die Kinder dazu angeleitet, wie der Heilige zu teilen. So teilen sie die Martinsbrezeln mit ihren Familien und Freunden.
Die Tradition muss weitergehen
Für Müller ist klar: „Die Tradition muss weitergehen.“ Deshalb steht er mit seinen Pferden weiterhin für Martinsritte bereit und motiviert seine Helferinnen und Helfer unter anderem mit einem gemeinsamen Martinsgansessen. Denn an Sankt Martin findet Müller das Teilen am wichtigsten und zwar ganz besonders die Zeit. Diese nimmt er sich jedes Jahr an Sankt Martin. Denn „ein Kinderlachen ist viel mehr wert als Geld“, so Müller.
Sankt Martin
Mehr über Sankt Martin erzählt der Radiobeitrag von KIP (Kirche im Privatfunk) und der Podcast „Katholisch: Alles klar?!“:














