Dass die Vervollständigung des Geläuts der Weißenauer Münsterkirche „von unten“ initiiert wurde, hob Bischof Dr. Gebhard Fürst lobend hervor. Am Samstag weihte der Rottenburg-Stuttgarter Emeritus im Beisein von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann - beide als Schirmherren - drei neue Glocken und segnete eine „gebrauchte“ Glocke für ihren Dienst im südlichen Ravensburger Teilort. Die Liturgie vollzog er gemeinsam mit Gabriele Wulz, der Ulmer Prälatin der evangelischen Landeskirche in Württemberg. An der „Hoffnungsglocke“, die größte der neu gegossenen Instrumente, beteiligten sich nämlich auch die evangelischen Gemeindemitglieder. Deren Kirche schließt sich an den Chor des Münsters an und befindet sich im turmlosen Kapitelsaal der Prämonstratenserabtei.
Acht Glocken hängen derzeit in den beiden Türmen der ehemaligen Klosterkirche, die Fürst vor zwei Jahren zum Münster erhob und die das Land Baden-Württemberg als Eigentümer derzeit aufwändig saniert. „Deren Zahl hat immer wieder variiert“, erklärt Dr. Ulrich Höflacher vom Kuratorium „Glocken Münster Weißenau“. Die drei Neuen, neben der Hoffnungs- auch die Josefs- und die Schutzengelglocke, bilden die höchsten Töne im Geläut. In der kommenden Osternacht sollen sie erstmals vom Turm erklingen. Zusammen mit der Hoffnungsglocke kann die evangelische Gemeinde dann auch vier weitere selbstständig läuten lassen. Die aus einer abgerissenen Kirche in Füssen gekaufte Friedensglocke füllt zu einem späteren Zeitpunkt die größere Lücke zwischen den bisher tiefsten Glocken.
Glocken berühren die Herzen
Kretschmann schlug in seiner Ansprache den Bogen zum diözesanen Projekt „Friedensglocken für Europa“. Er selbst hatte vor zwei Jahren eine von den Nazis entwendete und nach dem Krieg in Württemberg gelandete Glocke auf dem Weg zurück ins polnische Frombork/Frauenburg in die Heimat seiner Eltern begleitet. Eine Glocke sei ein Instrument der Verkündigung, sie erzeuge Resonanz. „Nicht nur akustisch, weil eine Glocke überall zu hören ist“, sagte der Ministerpräsident den etwa 500 Mitfeiernden auf dem Münsterplatz, „sondern weil sie unsere Herzen berührt, auch die von religiös Unmusikalischen.“ In der Gesellschaft und in der Politik brauche es ebenfalls Resonanz, den Umgang auf Augenhöhe und Dialogbereitschaft. In diesem Sinne seien die Glocken auch Symbole für Demokratie und Frieden.







