Wie unterstützen Sie mit ihrer Arbeit den Kirchengemeinderat?
Michaela Reimann: Gremienarbeit ist auch Teil unserer Arbeit – wir sind beratendes Mitglied im Kirchengemeinderat, gerade in Sachen Finanzen informieren und unterstützen wir.
Bei Baumaßnahmen übermitteln wir zwischen Architekten, BO, VZ und Kirchengemeinderat und bereiten Beschlüsse vor. Das fängt schon bei der Farbe an, die eine Kirche bekommen soll, wenn sie neu saniert wird.
Ganz schön viele Aufgaben. Haben Sie sich da schnell zurechtgefunden?
Michaela Reimann: Zu Beginn war es schwer. Das fängt schon damit an, bei den vielen Gebäuden herauszufinden, welcher Schlüssel zu welchem Schloss gehört.
Oder jemand möchte auf den Kirchturm steigen und ich weiß nicht: Darf er das? Wer geht mit ihm da hoch? Einfache Dinge erschienen mir am Anfang kompliziert. Mittlerweile macht es aber richtig Spaß, weil die Arbeit so abwechslungsreich ist und wir ein gutes Team sind.
Simone Rapp: Ich habe früher im Bankwesen gearbeitet. Nachdem die Kinder aus dem Gröbsten raus waren, wollte ich mir eine neue Stelle suchen, aber nicht mehr in meinem alten Beruf arbeiten. Dass ich auf diese Stelle gestoßen bin, war Zufall. Jetzt gefällt es mir sehr gut, weil das Miteinander hier ganz toll ist, die Arbeitszeiten sehr flexibel sind und ich mit vielen verschiedenen Menschen in Kontakt komme.
Gab es schon Situationen, in denen es nicht so glatt gelaufen ist?
Michaela Reimann: Ohja, es gibt viele Holpersteine. Zum Beispiel, wenn es Vorgaben gibt, die die Gemeindemitglieder nicht kennen und dann eigenmächtig etwas in die Hand nehmen, was Probleme geben könnte.
Was ist da denn konkret passiert?
An manchen Kirchen wäre ein Wegweiserschild hilfreich. Manche Gemeindemitglieder sind voller Tatendrang und würden gleich mit dem Akkuschrauber anrücken und eins befestigen - da bremsen wir ein bisschen, weil wir das zuerst mit dem BO abklären müssen. Oder wir finden einen anderen Platz, der nicht direkt an der Kirchenwand oder im Kirchenraum ist.
Ein anderes Mal entwickelten die Glocken in der großen Stiftskirche in Horb ein Eigenleben und läuteten ewig lang . Der Pfarrer versuchte, sie manuell ausschalten, aber es gelang ihm nicht. Die Leute dachten schon, der Papst wäre gestorben. Dann musste der Hausmeister anrücken und die Sicherungen rausmachen, weil die Steuerung kaputt war. Das hat viel Arbeit verursacht: Wir mussten einen Techniker kommen lassen und die Gemeindemitglieder besänftigen, dass die Glocken zwei Monate lang nicht läuten würden – auch nicht zu Ostern.
In der Kirchenstruktur in unserer Diözese stehen viele Veränderungen an – wie sieht das bei Ihrem Beruf aus?
Michaela Reimann: Wir wissen es nicht konkret, weil ja einiges gerade noch erarbeitet wird. Vermutlich werden die Verwaltungseinheiten in unserer Diözese größer werden und Gemeinden zusammengelegt.
Ich kenne so eine Zusammenlegung schon – ich war zuerst nur für drei Kirchengemeinden zuständig, jetzt kümmere ich mich um sechs. Das bringt mehr Arbeit mit sich, hat aber viele Vorteile: Wenn jede Kirchengemeinde ihren eigenen Haushalt hat, ist der verwalterische Aufwand sehr hoch. Durch die Zusammenlegung wird er reduziert und Synergien ergeben sich.
Wie denn zum Beispiel?
Michaela Reimann: Viele Dinge laufen schneller, weil ich die Stellen genau kenne, bei denen ich nachfragen und anrufen muss. In einer Gemeinde gab es mal ein Problem mit Tauben im Kirchturm. Das ist mir schon einmal untergekommen und daher hatte ich bereits mit einer Firma zu tun, die das sehr gut macht. Wir haben bei ihr ein Angebot eingeholt und dann war die Sache gegessen.
Simone Rapp: Oder wenn wir Material bestellen: Wir können zum Beispiel einen großen Tanklastzug Heizöl für alle Gemeinden ordern. Dann ist der Preis viel günstiger, als fünf Mal separat anzufordern.
Dann freuen Sie sich also auf die Veränderungen?
Michaela Reimann: Das kommt natürlich darauf an, wie es am Ende genau sein wird – wenn die Verwaltungsgebiete zu groß werden, könnte der persönliche Kontakt zur Gemeinde fehlen, dann wird es schwierig. Aber wir finden es richtig, dass es eine Veränderung gibt – das ist nötig, wir tragen es mit und sind offen für Neues. Wir hier sind den neuen Entwicklungen vermutlich so positiv gegenüber eingestellt, weil wir schon einen ganzen Schritt weiter als viele andere Gemeinden sind: wir haben ein gemeinschaftliches Pfarrbüro und Kirchenpflegeamt.
Wovor fürchten sich die Menschen in anderen Seelsorgeeinheiten?
Michaela Reimann: Viele haben Angst, alleingelassen zu werden, wenn niemand vor Ort ist. Allerdings habe ich bei der Zusammenlegung von „meinen“ Kirchengemeinden schon gesehen, dass sich die Skepsis recht schnell legt, weil wir auch aus der Ferne immer erreichbar sind. Das haben die Menschen zu schätzen gelernt. Das Allerwichtigste ist, dass jemand da ist, der sich kümmert. Und dass wir kommen, wenn es nötig ist. Wenn beispielsweise in einer Kirche der Holzwurm wütet, dann fahren wir hin und schauen uns die Holzhäufchen direkt an.
Wozu braucht es die Kirchenpflege – auch in Zukunft?
Simone Rapp: Ich sehe mich als Knotenpunkt, wo viel zusammenläuft, viel organisiert und delegiert wird. Die Frage ist: Wer macht es sonst?
Michaela Reimann: Der Beruf ist wichtig, weil uns nur mit ihm die Ehrenamtlichen erhalten bleiben. Zum Beispiel strecken sie für ein Fest mal eine Auslage vor. Würden sie über mehrere Wochen ihr Geld nicht zurückbekommen, würden sie sagen:„Ich mach das nicht mehr mit.“ Außerdem müssen wir Schankgenehmigungen oder Sperrungen für das Fest beantragen. Das würde Ehrenamtliche überfordern.
Ich fühle mich mit der Kirche verbunden und es ist schön, als Kirchenpflegerin den Fortschritt in der Kirche mitzugestalten.