Weltjugendtag

'Die Kirche ist jung und hat Zukunft!'

Beim Weltjugendtag in Lissabon. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart

Weihbischof Thomas Maria Renz (zweiter von rechts) mit Pfarrer Franz Xaver Weber aus Starzach und Jugendlichen aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart beim Weltjugendtag in Lissabon. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart

Beim Weltjugendtag in Lissabon. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart

Da die Kirche voll ist, wird der Gottesdienst per Lautsprecher und verteilter Friedenskerzen auf den Kirchplatz erweitert. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart

Weihbischof Thomas Maria Renz nimmt aktuell am Weltjugendtag in Lissabon teil. Im Interview schildert er seine dort gesammelten Eindrücke.

Herr Weihbischof Renz, wie erleben Sie aktuell die Stimmung beim Weltjugendtag?

Die ganze Stadt brodelt sozusagen von Tag zu Tag immer mehr, weil ständig neue Jugendliche ankommen. Auf fast allen Straßen und Plätzen begegnen einem Scharen von Jugendlichen, die lautstark singen und ihren Glauben feiern. So eine in der Öffentlichkeit bezeugte Frömmigkeit kennen wir hierzulande eigentlich nur von Fronleichnam. Aber bei Weltjugendtagen geschieht vieles ganz spontan und aus einer unglaublichen Vitalität und Kreativität der jungen Menschen heraus. Es mag manche überraschen, die schon den Abgesang auf die Kirche angestimmt haben, aber auf dem Weltjugendtag bewahrheitet sich das Wort von Papst Johannes Paul II.: 'Die Kirche ist jung und hat Zukunft!'

Für Sie persönlich ist es der achte Weltjugendtag, den Sie besuchen. Nehmen Sie Veränderungen wahr?

Zwischen meinem ersten Weltjugendtag 1997 in Paris und dem jetzigen in Lissabon liegt über ein Vierteljahrhundert. Die Fragen, die junge Menschen heute massiv beschäftigen wie etwa die Folgen der dramatischen Klimaveränderungen oder der Umgang mit dem Thema Krieg wie aktuell in der Ukraine, gab es damals in diesem Ausmaß noch nicht. Was sich aber über all die Jahre und Jahrzehnte als Kontinuum durch die Weltjugendtage hindurchzieht, ist die Begeisterungsfähigkeit der jungen Menschen, ihre Glaubensfreude, ihre unverkrampfte Kirchlichkeit und ihre Missionsbereitschaft. Viele junge Menschen werden in den Jahren nach dem Weltjugendtag Verantwortung für die Glaubensweitergabe in ihren Herkunftsländern übernehmen. Es wird weltweit neue Priester- und Ordensberufungen geben, auch Berufungen als Religionslehrkraft, als Ehrenamtliche und Hauptberufliche in der Pastoral und - was nicht zu unterschätzen ist - zu vielen christlichen Ehen.

Was war ihr bisher stärkster Eindruck in diesen Tagen?

Gestern Abend wollte ich an einem Friedensgebet in einer Kirche teilnehmen, in der während des Weltjugendtags Frère Alois und andere Brüder der Ökumenischen Mönchsgemeinschaft von Taizé Gebetszeiten anbieten. Bis ich dort ankam, war die Kirche schon brechend voll und eine große Traube junger Menschen setzte sich einfach auf dem Platz vor der Kirche auf den Boden und immer mehr kamen hinzu. Kurzerhand wurde der Gottesdienst per Lautsprecher und verteilter Friedenskerzen von der Kirche auf den Kirchplatz erweitert. Ein Bild, das für uns in Deutschland unvorstellbar ist: dass Kirchen wegen Überfüllung junger Menschen geschlossen oder vergrößert werden müssen.

Wie erleben Sie Papst Franziskus beim Weltjugendtag?

Bei seiner ersten Begegnung mit den Hunderttausenden jungen Menschen auf der Begrüßungsfeier am Donnerstagabend wirkte er auf mich sehr frisch und präsent. In der deutschsprachigen Katechese am nächsten Morgen habe ich gemerkt, dass seine Botschaft ganz gut bei den Jugendlichen angekommen ist: 'Gott hat Dich bei Deinem Namen gerufen! In der Kirche ist Platz für alle! Geh, ich sende Dich.' Natürlich sind solche Tage mit so vielen Begegnungen und Großveranstaltungen für einen 86-Jährigen enorm anstrengend. Aber gleichzeitig ist das Bad in der Menge von so vielen begeisterten jungen Menschen auch eine gewisse Verjüngungskur für uns Ältere.

Ist sein Gesundheitszustand dort noch ein Thema?

Man spürt eine gewisse Erleichterung, dass er jetzt endlich gelandet ist. Als er sich vor wenigen Wochen einem medizinischen Eingriff unterziehen musste, hat man hier in Portugal den Atem angehalten und um sein Kommen gebangt. Etwas ähnliches haben wir in Deutschland ja auch 2005 erlebt, als Papst Johannes Paul II. starb und niemand wusste, wer sein Nachfolger wird und ob er zum Weltjugendtag nach Köln kommen würde. Ein Weltjugendtag ohne Papst ist schwer vorstellbar, weil er ja der Einladende ist. Aber Gott sei Dank ist das in Köln wie in Lissabon jeweils gut gegangen.

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