Kirchenkunst

Die Krone ist zurück in der Bergkirche

Das Bild zeigt die restaurierte Krone.

Die restaurierte Krone ist wieder eine Zierde. Foto: DRS/Guzy

Julie-Theresia Blumer erklärt ihre Restaurierungsarbeit.

Julie-Theresia Blumer erklärt ihre Arbeit. Foto: DRS/Guzy

Im Gottesdienst an Mariä Himmelfahrt bewundern die Besucherinnen und Besucher das aufwendig reparierte Schmuckstück.

Sie wurde gestohlen, zerdrückt, weggeworfen und später im Gestrüpp wiederentdeckt. Die Krone des Gnadenbildes der Schmerzensmutter in der Bergkirche hat in jüngster Vergangenheit einiges durchstehen müssen. Doch nun ist das Schmuckstück wieder in die Wallfahrtskirche in Weikersheim-Laudenbach zurückgekehrt – nach einer zuerst fast unmöglich scheinenden Reparatur.

„Ich war erschüttert, wie kaputt die Krone war“, sagt Julie-Theresia Blumer. Sie habe anfangs nicht geglaubt, dass man da noch was machen könne. Es sei eine restauratorische Herausforderung gewesen, erklärt die 38-jährige Goldschmiedemeisterin, die ihre Werkstatt in Esslingen hat. Doch nun glänzt die Krone wieder fast wie zuvor. Nach dem Festgottesdienst zu Mariä Himmelfahrt wird sie den Besucherinnen und Besuchern auf dem Altar der Bergkirche präsentiert.

Dank für die Arbeit

Viele zücken ihre Smartphones, um die Krone und auch die Restauratorin zu fotografieren. Denn etliche haben das Schicksal der Krone in der Presse verfolgt. Einzelne wie beispielsweise ein Gottesdienstbesucher, der sich als Fan der Bergkirche bezeichnet, danken Julie-Theresia Blumer für ihre Arbeit.

Die Krone schmückte die Pieta am Hauptaltar der Bergkirche. Im Sommer 2022 verschwand sie nach einem Einbruch. Ungefähr ein Jahr später kam in einem Strafprozess heraus, dass die Krone irgendwo im Umfeld der Kirche weggeworfen wurde. Von der Polizei erfuhr Pfarrer Burkhard Keck die ungefähre Lage. Er gab die Information an Kirchengemeinderatsmitglied Harald Stuka weiter, der das Gelände gut kennt. Er fand die Krone und barg sie zusammen mit seinen beiden Söhnen aus dem Gestrüpp. Sie war in desolatem Zustand, da sie offenbar zertreten worden war.

Reparatur Schritt für Schritt

Über das Landesamt für Denkmalpflege erfuhr Rolf-Dieter Blumer von der Krone. Der 72-Jährige war früher Fachrestaurator Metall am Landesamt. „Ich habe die Krone meiner Tochter auf den Tisch gelegt“, erklärt er humorvoll. So landete das Schmuckstück in der Werkstatt von Julie-Theresia Blumer. Ungefähr 300 Arbeitsstunden waren laut der Goldschmiedemeisterin für die Restaurierung notwendig: Zunächst mussten die Verzierungen mit viel Fingerspitzengefühl und Geduld abmontiert werden. Danach wurde die zerdrückte Krone vorsichtig wieder in Form gebogen – überwiegend per Hand. Bruchstellen wurden mit einem speziellen Schweißverfahren geschlossen. Danach kamen die Fassungen mit den Glassteinen wieder auf die Krone.

Dass die Restaurierung überhaupt gelang, hat unter Fachleuten für Aufmerksamkeit gesorgt, wie Rolf-Dieter Blumer bemerkt. Er hat seine Tochter mit seinem fachkundigen Netzwerk unterstützt. „So eine Aufgabe ist allein nicht machbar. Es braucht das Gespräch und den Austausch mit Fachleuten“, führt Julie-Theresia Blumer aus, die selbst einige restauratorische Erfahrungen vorweisen kann. So fand die Restaurierung auch in enger Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege statt.

Hinweise zur Geschichte der Krone

Bei der Arbeit wurde die Punze, also der Prägestempel, entdeckt. Das ermöglichte eine Recherche zur Herkunft der etwa 20 bis 25 Zentimeter hohen, aus feuervergoldetem Silber bestehenden Krone. Sie lässt sich laut Julie-Theresia Blumer demnach auf die Zeit 1761 bis 1763 datieren und auf eine Augsburger Goldschmiedewerkstatt zurückführen. Die Krone sei „toll gemacht“.

Julie-Theresia Blumer sei die Krone „ans Herz gewachsen“, sagt Pfarrer Burkhard Keck zuvor im Gottesdienst zu Mariä Himmelfahrt mit dem emeritierten Bischof Dr. Gebhard Fürst als Hauptzelebranten. Keck dankt für das Engagement und die „mühselige Arbeit“.

Da das Gnadenbild nach dem Einbruchsdiebstahl eine Ersatzkrone bekommen hatte, bleibt die Originalkrone, die trotz der Restaurierung weiterhin einige Spuren der Beschädigung trägt, vorerst am Boden. Sie kann bei einzelnen Führungen besichtigt werden. Nach Mariä Himmelfahrt ist die nächste Gelegenheit am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 14. September. Um 16 Uhr und um 18 Uhr erläutert Pfarrer Keck Besucherinnen und Besuchern die kunstvollen Besonderheiten der Bergkirche.

Hilfe für Franziskus

Die Kronen-Geschichte hat mit der Restaurierung einen guten Abschluss gefunden, doch die Kirchengemeinde hat einen neuen Schaden zu beklagen: In der Nacht zum 1. Mai wurde die Franziskus-Figur an der Zufahrt zur Bergkirche beschädigt. Die Bronzestatue wurde mit Gewalt aus der Verankerung gerissen. Für die Reparatur werden nun zum Beispiel bei verschiedenen Veranstaltungen Spenden gesammelt.

Mariä Himmelfahrt in der Kunst

Das Fest Mariä Aufnahme in den Himmel, volkstümlich Mariä Himmelfahrt, hat verschiedene bildliche Darstellungen inspiriert. Ein spezieller Bildtypus findet sich an der Bergkirche am Tympanon des Südportals, also dem Feld des Türbogens. In einem Video, das während Sanierungsarbeiten in und an der Bergkirche im Jahr 2022 entstand, erklärt Pfarrer Burkhard Keck, welche Bedeutung die einzelnen Elemente des Reliefs haben.