Weil sich das ganze menschliche Leben auf einer Skala von absoluter Dunkelheit bis zum strahlenden Licht abspielt, hat sich das 37. Festival Europäische Kirchenmusik mit dem diesjährigen Motto „Licht und Schatten“ wieder ein Thema gewählt, bei dem es „um grundlegende Formen unserer Existenz – um Lebensbedingungen, Schauen und Erkennen, um Orientierung und Perspektiven(wechsel)“ geht, wie Oberbürgermeister Richard Arnold und Intendant Klaus Stemmler im Programmheft schreiben. Es sind die vielfältigen großen und kleinen Entscheidungen des Alltags, die den Fokus bestimmen, die Licht ins Dunkel bringen, die Erhellendes beitragen, wo etwas unterbelichtet ist. Das Festival-Motto ist angelehnt an Psalm 139, in dem es in den Versen 11 und 12 heißt: „Würde ich sagen: ‚Finsternis soll mich verschlingen und das Licht um mich soll Nacht sein!‘ Auch die Finsternis ist nicht finster vor dir, die Nacht leuchtet wie der Tag, wie das Licht wird die Finsternis.“
„Jesus Christus ist das Licht“
Beim ökumenischen Eröffnungsgottesdienst in der Gmünder Augustinuskirche griff Bischof Dr. Klaus Krämer in seiner Festpredigt diesen Psalm auf und ordnete ihn mithilfe von Worten der Kirchenlehrer Augustinus und Johannes vom Kreuz sowie des Evangelisten Johannes ein. „Jesus Christus ist das Licht, an dem wir uns orientieren können, das uns den Weg zum Leben in der Wirklichkeit Gottes weist“, sagte Krämer und hob die Bedeutung der Musik im Dienste dieser Orientierung hervor: „In den Psalmen verbindet sich Gebet und Gesang. Es ist nicht zuletzt die Musik, die unsere Sinne zu sensibilisieren vermag für das große Mysterium, das uns dort begegnet, wo wir uns unserem Leben in seiner ganzen Abgründigkeit, in seiner Widersprüchlichkeit und Rätselhaftigkeit stellen und uns zugleich öffnen für den wunderbar geordneten Kosmos, der unser Erkennen und Begreifen übersteigt.“ So könne auch die Musik „diese Nacht zum Klingen bringen und uns eine Ahnung geben von jenem Licht, das von dem Tag kündet, der keinen Abend kennt“, so der Bischof.
Abwechslungs- und farbenreich
Die Psalmverse liegen auch dem „Psalm-Quintett“ von Michael-Christfried Winkler zugrunde, das beim Eröffnungsgottesdienst uraufgeführt wurde. Der Komponist aus Radeberg ist Preisträger des 17. Kompositionswettbewerbs „Zeitgenössische Geistliche Musik“. Einfühlsam und authentisch brachte das Dandelion Quintett aus München die farbenreiche Komposition des krankheitsbedingt nicht anwesenden Künstlers mit ihren spannungsreichen und teils hochvirtuosen Elementen zu Gehör. Abwechslungs- und farbenreich geriet die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes insgesamt, für die neben dem Bläserquintett auch Bezirkskantor Thomas Brückmann an der Orgel verantwortlich zeichnete. Im Anschluss eröffnete der Oberbürgermeister das Festival auf dem Münsterplatz, ehe das Teatro Due Mondi aus Gmünds Partnerstadt Faenza open air bei bestem Wetter „Rossini flambé“, eine komische Küchenoper, aufführte.


