Kirchenmusik

Die Nacht zum Klingen bringen

Den ökumenischen Gottesdienst zur Eröffnung des 37. Festivals Europäische Kirchenmusik feierten (von rechts) Dekan Robert Kloker, Bischof Dr. Klaus Krämer und Pfarrer Matthias Plocher mit etwa 450 Menschen in der Augustinuskirche. Foto: Stadt Schwäbisch Gmünd/Hartmut Hientzsch

Das Potenzial der Musik, Licht in die Dunkelheiten des Lebens zu bringen, hat Bischof Krämer zum Auftakt des 37. Kirchenmusik-Festivals unterstrichen.

Weil sich das ganze menschliche Leben auf einer Skala von absoluter Dunkelheit bis zum strahlenden Licht abspielt, hat sich das 37. Festival Europäische Kirchenmusik mit dem diesjährigen Motto „Licht und Schatten“ wieder ein Thema gewählt, bei dem es „um grundlegende Formen unserer Existenz – um Lebensbedingungen, Schauen und Erkennen, um Orientierung und Perspektiven(wechsel)“ geht, wie Oberbürgermeister Richard Arnold und Intendant Klaus Stemmler im Programmheft schreiben. Es sind die vielfältigen großen und kleinen Entscheidungen des Alltags, die den Fokus bestimmen, die Licht ins Dunkel bringen, die Erhellendes beitragen, wo etwas unterbelichtet ist. Das Festival-Motto ist angelehnt an Psalm 139, in dem es in den Versen 11 und 12 heißt: „Würde ich sagen: ‚Finsternis soll mich verschlingen und das Licht um mich soll Nacht sein!‘ Auch die Finsternis ist nicht finster vor dir, die Nacht leuchtet wie der Tag, wie das Licht wird die Finsternis.“

„Jesus Christus ist das Licht“

Beim ökumenischen Eröffnungsgottesdienst in der Gmünder Augustinuskirche griff Bischof Dr. Klaus Krämer in seiner Festpredigt diesen Psalm auf und ordnete ihn mithilfe von Worten der Kirchenlehrer Augustinus und Johannes vom Kreuz sowie des Evangelisten Johannes ein. „Jesus Christus ist das Licht, an dem wir uns orientieren können, das uns den Weg zum Leben in der Wirklichkeit Gottes weist“, sagte Krämer und hob die Bedeutung der Musik im Dienste dieser Orientierung hervor: „In den Psalmen verbindet sich Gebet und Gesang. Es ist nicht zuletzt die Musik, die unsere Sinne zu sensibilisieren vermag für das große Mysterium, das uns dort begegnet, wo wir uns unserem Leben in seiner ganzen Abgründigkeit, in seiner Widersprüchlichkeit und Rätselhaftigkeit stellen und uns zugleich öffnen für den wunderbar geordneten Kosmos, der unser Erkennen und Begreifen übersteigt.“ So könne auch die Musik „diese Nacht zum Klingen bringen und uns eine Ahnung geben von jenem Licht, das von dem Tag kündet, der keinen Abend kennt“, so der Bischof.

Abwechslungs- und farbenreich

Die Psalmverse liegen auch dem „Psalm-Quintett“ von Michael-Christfried Winkler zugrunde, das beim Eröffnungsgottesdienst uraufgeführt wurde. Der Komponist aus Radeberg ist Preisträger des 17. Kompositionswettbewerbs „Zeitgenössische Geistliche Musik“. Einfühlsam und authentisch brachte das Dandelion Quintett aus München die farbenreiche Komposition des krankheitsbedingt nicht anwesenden Künstlers mit ihren spannungsreichen und teils hochvirtuosen Elementen zu Gehör. Abwechslungs- und farbenreich geriet die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes insgesamt, für die neben dem Bläserquintett auch Bezirkskantor Thomas Brückmann an der Orgel verantwortlich zeichnete. Im Anschluss eröffnete der Oberbürgermeister das Festival auf dem Münsterplatz, ehe das Teatro Due Mondi aus Gmünds Partnerstadt Faenza open air bei bestem Wetter „Rossini flambé“, eine komische Küchenoper, aufführte.

Große Stars und junge Talente

Mit einem international hochkarätigen und facettenreichen Programm dauert das 37. Festival Europäische Kirchenmusik bis 10. August. Unter dem Motto „Licht und Schatten“ führt es große Stars und junge Talente aus ganz Europa nach Schwäbisch Gmünd:

Glanzlichter barocker Motettenkunst bietet das Vokalensemble Voces Suaves aus Basel am Donnerstag, 24. Juli, um 20 Uhr in der Augustinuskirche. Auf dem Programm stehen unter anderem Motetten aus der Sammlung „Israelsbrünnlein“ von Johann Hermann Schein (1586-1630). Die Musik Scheins, der ein Zeitgenosse und Freund Heinrich Schütz' war, zeichnet sich oftmals durch couragierten Ausdruck und besondere Raffinesse aus. Vor dem Konzert, von 18.30 bis 19.15 Uhr, gibt es Kulturzentrum Prediger ein von Sonntraud Engels-Benz moderiertes Künstlergespräch mit Tobias Wicky, Bariton im Ensemble Voces Suaves.

Preis der Europäischen Kirchenmusik

Die Sopranistin Gerlinde Sämann, bedeutende Interpretin geistlicher Musik und der Werke Johann Sebastian Bachs, erhält den Preis der Europäischen Kirchenmusik 2025. Die Stadt Schwäbisch Gmünd ehrt die Sängerin für ihren herausragenden Einsatz für die Pflege des geistlichen Repertoires sowie brillanten Interpretationen. Oberbürgermeister Richard Arnold überreicht Sämann den mit 5000 Euro dotierten Preis am Donnerstag, 31. Juli, im Anschluss an das Konzert „Into the Light“, das um 20 Uhr in der Augustinuskirche beginnt. Auf dem Programm stehen Werke von Claudio Monteverdi, Dietrich Buxtehude, Sidney Corbett, Wolfgang Amadeus Mozart und andere. Die Laudatio hält Dagmar Munck.

Mit „Leuchtende Ikonen“ ist das Konzert von Lionel Martin & Streichorchester am Samstag, 2. August, um 20 Uhr in der Augustinuskirche überschrieben. Zu hören ist unter anderem „The protecting veil“ von John Tavener (1944-2013). „Das Meisterwerk über den Wunder wirkenden Schutzschleier der Mutter Gottes ist ein Versuch des Komponisten, eine leuchtende Ikone nicht aus Holz, sondern aus Streichermusik zu malen. Geradezu kosmische Kräfte strömen im Gesang des Solo-Cellos über einem warmen Klangteppich der Streicher“, heißt es dazu im Programmheft.

Sinnlich-spirituell und jugendlich-beschwingt

Im Rahmen des „Forums Junge Talente“ gestalten Friederike Sieber & friends am Mittwoch, 6. August, um 20 Uhr einen sinnlichen wie spirituellen Liederabend in der Johanniskirche. Auf dem Programm stehen Lieder und Gesänge von Gustav Mahler, Alexander von Zemlinsky (1871-1942) sowie Alma Mahler (1879-1964) und Hans Pfitzner (1869-1949). Die in Schwäbisch Gmünd aufgewachsene Liedpianistin Friederike Sieber hat 2023 ihre Debüt-CD „Seelenübervoll“ veröffentlicht. Darüber und anderes mehr spricht sie mit Julia Berkenhoff vor dem Konzert - von 18.30 bis 19.15 Uhr im Prediger (Refektorium).

Einen beschwingten Festival-Ausklang bietet der ökumenische Schlussgottesdienst am Sonntag, 10. August, um 10.30 Uhr an der Remspark-Bühne im Stadtgarten. Die musikalische Gestaltung übernimmt die Band „Lichtblicke“, junge Erwachsene aus Gmünd und Umgebung, die sich musikalisch in ihren Kirchengemeinden, in Minibands oder anderen Musikgruppen engagieren. „Lichtblicke“ widmet sich vor allem neuem geistlichen Liedgut und interpretiert es mit jugendlichem Elan und Schwung in eigenen Arrangements. Die Liturgie leiten Dekan Robert Kloker und Pfarrer Reiner Kaupp.
 

37. Festival Europäische Kirchenmusik

Info und Tickets zu allen Veranstaltungen gibt es online und beim i-Punkt, Marktplatz 37/1 in Schwäbisch Gmünd, Telefon (07171) 603-4250.