Diözesanrat

Dr. Johannes Warmbrunn blickt zurück

Fast ein Vierteljahrhundert engagierte sich Dr. Johannes Warmbrunn im Diözesanrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Dem neuen Diözesanrat wünscht Dr. Johannes Warmbrunn viel Erfolg und Gottes reichen Segen. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Ines Szuck

24 Jahre im Diözesanrat und davon 19 Jahr als dessen Sprecher: Ein Gespräch über die Arbeit in dem "eigenständigen kirchlichen Parlament" der Diözese.

Fast ein Vierteljahrhundert engagierte sich Dr. Johannes Warmbrunn im Diözesanrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart. 19 Jahre davon vertrat er das Gremium als Sprecher auch nach außen. Eine Zeit mit vielen Herausforderungen. Was ihn motivierte, welche Themen und Ereignisse ihm in besonderer Erinnerung bleiben werden, worauf er stolz ist und ob der Diözesanrat ein Modell für die Zukunft ist. Darüber spricht er im Interview.

Johannes, Du warst seit 2002 Mitglied im Diözesanrat. Wie kam es dazu? Gab es ein bestimmtes Thema, das dich motiviert hat oder hat dich jemand ermuntert und herausgefordert, in den Diözesanrat zu gehen?

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich von der bevorstehenden Wahl erfahren habe. Ich dachte spontan ‘Das ist was für mich’. Da ich hauptberuflich auf Landesebene in der Ministerialverwaltung tätig war, schien mir der Vergleich mit der diözesanen Ebene reizvoll. Und ich dachte an meinen Bruder Franz, der zeitweise in meiner Gemeinde als Diakon tätig war und der seitens der Diözese bei seinem beruflichen Neustart sehr gut unterstützt wurde.

Ab 2007 warst Du auch Diözesanratssprecher. Was hat Dich an der Aufgabe gereizt?

Aufgaben mit Gestaltungspotenzial sind für mich immer attraktiv. Nachdem ich die ersten fünf Jahre im Diözesanrat bereits an einigen interessanten Aufgaben beteiligt wurde, schien es mir sinnvoll, im Amt des Sprechers dort anzuknüpfen.

Was hat Dich in dieser Zeit besonders beeindruckt oder ist Dir aus dieser Zeit in besonders lebendiger Erinnerung?

Ich werde die durchgehend geisterfüllte und stimmige Atmosphäre in den Gremien des Diözesanrats niemals vergessen. Davon Abschied zu nehmen, ist schmerzlich. Sehr bewegend war für mich, mit welcher Kompetenz und Ernsthaftigkeit die Mitglieder des Diözesanrats mit den hauptberuflich Engagierten im Ordinariat zusammengearbeitet haben.

Gab es markante Persönlichkeiten, besonders starke Frauen, prägende Männer, herausragende Priester, willensstarke Jugendliche und wenn ja welche?

Ich möchte einzelne nicht namentlich benennen, denn es könnten die nicht benannten entgegen meinem Willen enttäuscht sein. Nach unserem Glauben ist jeder Mensch wie ein Bruder oder eine Schwester zu behandeln, am Umgang mit ihnen werden wir gemessen. Das schließt nicht aus, dass es gelegentlich hoch hergehen kann. Von besonderer Bedeutung waren für mich selbstverständlich die jeweiligen Mitglieder des Präsidiums, mit denen durchgehend ein konstruktives Arbeiten möglich war. Und nicht zuletzt gilt mein Dank den Mitgliedern unserer Geschäftsstelle für ihren herausragend wertvollen Einsatz.

Welche besonders interessanten, wichtigen, strittigen, kuriosen Themen, Anfragen oder Anträge gab es?

Ich habe jeden Antrag und jede Anfrage sehr ernst genommen und stets darauf geachtet, dass alle dementsprechend behandelt und bearbeitet werden. Besonders interessant sind naturgemäß diejenigen, die sich unmittelbar mit dem kirchlichen Auftrag der Glaubensfeier und  -verkündigung, der caritativ-diakonischen Arbeit und der Gemeinschaftsbildung befassen. Zuletzt wurde hinterfragt, ob wir angesichts der Situation unserer Kirche die maßgeblich von Abbildungen in unseren Kirchen geprägten Vorstellungen von Gott korrigieren müssen. Ich stimme dem zu und sehe darin eine besonders herausfordernde Aufgabe.

Was waren für Dich persönliche Höhepunkte? Was hat Dich beispielsweise besonders gefreut, ermutigt aber auch geärgert oder frustriert?

Der Diözesanrat muss stets darauf bestehen, dass er eine eigenständige Rolle als kirchliches Parlament wahrt. Das ist zu meiner Freude in den zurückliegenden 19 Jahren fast immer gelungen. Denn es darf der Diözesanrat nicht zu einem Anhängsel der bischöflichen Verwaltung werden und fertige Vorlagen ohne jegliche Mitwirkung nur durchwinken. Umso ärgerlicher waren die wenigen Ausnahmen. Sehr frustrierend war auch der Umgang mit dem Thema Missbrauch, wenngleich in unserer Diözese schon lange zuvor dank der weitsichtig bereits 2002 eingerichteten Kommission sexueller Missbrauch viel Gutes geleistet werden konnte. Es war zwar für mich nicht überraschend, dass es schreckliches persönliches und institutionelles Versagen auch in der Kirche gibt; dennoch war die konkrete Konfrontation schmerzlich. Generell werden Versuche scheitern, dieses Versagen mit Geld zuzuschütten und die Situation strukturell zu beseitigen. Es geht um ganz tiefgründige Glaubensinhalte und um Haltungen, mit denen sie gelebt werden. Auch hier wirkt die bereits erwähnte, dringend reformbedürftige Vorstellung von Gott, auch mit Blick auf die in globaler Dimension extrem bedeutsame Gleichheit der Würde und des Werts aller Menschen vor Gott.

Worauf bist Du so richtig stolz?

In den zurückliegenden 24 Jahren konnten die unterschiedlichen Positionen der Mitglieder so ernsthaft gewürdigt und eingebunden werden, dass es zu keiner Spaltung im Gremium gekommen ist. Ich habe immer darauf geachtet, dass die Stimme eines jeden Mitglieds die gleiche Wertigkeit erhält. Aus den Einzelthemen sehe ich besonders die Stärkung des ehrenamtlichen Engagements als einen Erfolg des Diözesanrats, nicht zuletzt in Form des von uns initiierten INkonzepts. Ich freue mich sehr über das Engagement der Jugend. Mit unserem Projekt für junge Erwachsene konnten wir deutlich machen, dass wir weiter sehr an Kontakten und einem für alle hilfreichen Gedankenaustausch mit ihnen interessiert sind. Dankbar bin ich nicht zuletzt dafür, dass wir uns angesichts der sich wandelnden Situation unserer Ortskirche unserer Verantwortung für die sich daraus ergebenden Notwendigkeiten hinsichtlich Finanzen und Strukturen konsequent gestellt haben.

Was würdest Du als deinen persönlichen Gewinn aus dieser Zeit bezeichnen?

Ich danke Gott für seinen Beistand, mit dem er Gemeinschaften in dieser schönen Form in unserer Kirche möglich macht und mir für diese Aufgabe hinreichend Kraft geschenkt hat. Ich danke meiner lieben Frau Ulrike, die mich über diese lange Zeit immer wohlwollend begleitet hat. Bleiben werden mir aus meiner Zeit im Diözesanrat Erinnerungen an eine Vielzahl freundschaftlicher Begegnungen, viel Zuneigung, Wertschätzung und Unterstützung.

Gibt es etwas, das Du heute anders machen würdest? Wenn ja: was?

Ich würde unsere Arbeit mehr in einen Zusammenhang mit meinem Glauben an den unfassbar großen Gott stellen. Mit größtmöglicher Weite im Denken wären gewiss viele interessante Aspekte entstanden, die leider untergegangen sind. Wie jeder Mensch habe auch ich Fehler und Schwächen, die andere Menschen belastet haben. Ich bedaure dies, hoffe auf Nachsicht und bitte um Vergebung.

Ist der Diözesanrat ein Modell für die Zukunft? Wenn ja: Warum?

Ja, unbedingt. Die Vorteile überwiegen bei weitem, weil wir im Diözesanrat ohne kleinliches Machtgerangel gemeinsam mit Bischof und Diözesanleitung zu Entscheidungen auf breiter synodaler Grundlage finden. Das stärkt uns insgesamt und vermittelt ein positives Bild unserer Glaubensgemeinschaft. Ich hoffe, dass ich mich für diesen synodalen Geist auch nach meiner aktiven Zeit im Diözesanrat einsetzen kann. Dem neuen Diözesanrat wünsche ich viel Erfolg und Gottes reichen Segen!

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