Bischof

„Du warst kein Leisetreter“

75. Geburtstag und Verabschiedung am 2. Dezember 2023: Im Dom St. Martin feierte Bischof Dr. Gebhard Fürst ein Pontifikalamt. Am Altar v.l.: Generalvikar Dr. Clemens Stroppel, Bischof Dr. Georg Bätzing (Limburg), Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Nikola Eterović, Apostoischer Nuntius in Deutschland, Diakon Erik Thouet, Bischof Dr. Gebhard Fürst, Diakon Ulrich Lieb, Erzbischof Stephan Burger (Freiburg), Erzbischof Bashar Warda (Erbil/Irak) und Pfarrer Martin Stöffelmaier, Sprecher Siözesanpriesterrat. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Jochen Wiedemann

Abschied und Geburtstag: Bischof Dr. Gebhard Fürst hat am Samstag im Rottenburger Dom sein letztes Pontifikalamt als amtierender Bischof gefeiert.

In St. Martin gehen alle Lichter an und die feierliche große Einzugsprozession mit Weihrauch, Leuchtern und Vortragekreuz bewegt sich durch den Mittelgang. Der kleine Rottenburger Dom hat sich besonders groß gemacht, um für die vielen Ehrengäste, aber auch für die Rottenburger Gemeinde Platz zu machen.  

Viele Ehrengäste und Konzelebranten im Dom St. Martin

Zum großen Einzug gehören heute über 20 Ministrantinnen und Ministranten, gefolgt von den Leitern- und Leiterinnen der Hauptabteilungen des Bischöflichen Ordinariats. Im Anschluss zahlreiche Weihbischöfe und Bischöfe, unter ihnen Thomas Maria Renz, Matthäus Karrer und Gerhard Schneider sowie die Konzelebranten: Der Apostolische Nuntius Erzbischof Nikola Eterovic, Erzbischof Stephan Burger, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Bischof Georg Bätzing, Erzbischof Bashar Matti Warda, Domdekan und Generalvikar Clemens Stroppel und Pfarrer Martin Stöffelmaier als Sprecher des Diözesanpriesterrats sowie die Diakone Ulrich Lieb mit Evangelienbuch und Erik Thoret.  Den Abschluss macht Hauptzelebrant Bischof Gebhard Fürst mit Bischofsstab und Mitra – es ist sein letzter Auftritt als Bischof der Diözese. Eine Ära von fast einem Vierteljahrhundert geht in der Diözese Rottenburg-Stuttgart feierlich zu Ende.

Bewegende Musik unterstreicht das Wort

Mehr als einmal sorgt die musikalische Gestaltung der Kantor:innen Nina-Marie Schneider, Lilith Schneider und Lukas Scheiger für Gänsehautmomente. Beeindruckend, wie die Akustik in St. Martin die Klänge des Chores der Dommusik Rottenburg mit Sängerinnen und Sängern des Domchores, der Mädchenkantorei und der Männerstimmen der Domsingknaben und die Rottenburger Dombläser feierlich transportiert. Die Fürbitten nehmen Bezug auf die Kirche, wie sie Bischof Fürst am Herzen liegt: die missionarische, die Gottes Schöpfung erhaltende, die diakonische und Frieden stiftende Kirche, aber auch die mutige Kirche, die Ihre Mitglieder vor Manipulation, Missbrauch und Gewalt schützt. Die letzte Fürbitte gilt dem Bischof selbst,  mit den besten Wünschen für seinen neuen Lebensabschnitt.

„Für Euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ“

Bischof Fürst resümiert in seiner Predigt sein Selbstverständnis als Bischof. „Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ.“ Das Wort des heiligen Augustinus habe ihn schon immer elektrisiert. „Mit den Gläubigen Christsein leben und für sie und mit ihnen mein Bischofsamt ausüben – das wollte ich in den letzten 23 Jahren verwirklichen; mitten im Leben der Christinnen und Christen in dieser unserer so turbulent gewordenen Zeit.“ Er zählt die Herausforderungen auf, die ihm in seiner Amtszeit begegneten, allen voran die Klimakatastrophe, die Pandemien, die barbarischen Kriege, aber auch die digitalen Innovationen, und bietet mit seinem Wahlspruch „Um unseres Heiles willen“ einen Lösungsweg aus einer zerrissenen, heillosen Zeit. Es soll „das Heil von Gott, Heilung für uns Menschen zu verkünden und miteinander zu leben erlebbar werden zu lassen.“

Bischof Gebhard Fürst geht in Dankbarkeit, findet jedoch noch einmal deutliche Worte  für die Taten und Ereignisse des Missbrauchsskandals, die ihn in seiner Bischofszeit von Anfang an forderten: „Hier wurde diese frohe Botschaft vom Heil schenkenden Gott aufs Schlimmste verraten. Schwerstes Unheil haben Täter in unserer Kirche über die Opfer gebracht!“ Er zitiert Papst Benedikt XVI. mit seiner Forderung nach einer neuen Vision, um zukünftige Generationen zu inspirieren. „Diese Worte hören sich an als seien sie für uns heute geschrieben“. Bischof Fürst glaubt an die Vision einer lebendigen, einladenden, attraktiven Kirche, einer den Menschen in Liebe, heilende und zukünftige Kirche: „Kirchen wie Häfen im Meer“, die heimatlos gewordenen Menschen ein Zuhause anbieten, damit Menschen eine bewohnbare Kirche – eine rettende Kirche erleben.“

Dankbare und humorvolle Schlussworte von Bischof Dr. Georg Bätzing

Nach der Kommunionsspendung zieht sich Bischof Fürst auf die Kathedra zurück und Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, der auch Bischof Fürst 23 Jahre lang angehörte, übernimmt das Schlusswort. Er startet mit einem schwäbischen „Ade“, um diesen Abschied gleich wieder zu relativieren: „Schon jetzt kann ich sagen: Ich bin mir sicher, dass dieses Adieu temporär ist, denn wie wir Dich alle kennen, werden wir Dich wieder treffen und von Dir hören. Das ist gut so!“

Bischof Fürst, so Bätzing, habe seine mutigen Visionen von einer Kirche der Communio, der Synodalität, der gemeinsamen Mitbestimmung, wie sie in der Diözese Rottenburg-Stuttgart gelebt und weiterentwickelt wird vertreten und deutlich Position bezogen. „Du warst kein Leisetreter oder jemand, der lieber schweigt. Ganz im Gegenteil!“ So sei es ihm gelungen, Wegmarken zu setzen, die für Aufmerksamkeit nicht nur in der Diözese, sondern im ganzen Bundesgebiet und weit darüber hinaus sorgten. Nach dem Vorbild des Heiligen Martin habe er im Martinsbistum Communio, Glauben und Kirche mit anderen geteilt. „Du hast aber auch Geteiltes versucht zusammenzuführen. Die Zielmarke, die ihn angetrieben habe, sei sein bischöflicher Wahlspruch aus dem Großen Glaubensbekenntnis: „Propter nostram salutem“ – „Um unseres Heiles willen“.

Bätzing erinnert an wichtige Meilensteine Bischof Fürsts als Mitglied in der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz sowie als Vorsitzender der Unterkommission Bioethik und als Mitglied des Nationalen Ethikrats der Bundesregierung. „In dieser langen Zeit hast Du Dich nie gescheut, Dich zu schwierigen ethischen Debatten zu äußern und kontrovers zu diskutieren.“ Bischof Fürsts Einsatz als Vorsitzender der Publizistischen Kommission und in der Jury des Katholischen Medienpreises würdigt er in seiner Laudatio ebenso wie seine zweimalige Rolle als Gastgeber für Katholikentage in der Diözese Rottenburg-Stuttgart oder als Geistlicher Assistent und Mitglied des Präsidiums und des Hauptausschusses des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Er endet mit den Worten: „Du warst ein treuer Weggefährte und hast Deine synodale Erfahrung geteilt, wie der Heilige Martin geteilt hat. Nun gehst Du in den Ruhestand. Danke für Deinen Dienst, danke für Deine Weggemeinschaft, danke für Dein Engagement und danke für Deine prägende Kraft! Gott befohlen – und: Ade!“

Das letzte Pontifikalamt von Bischof Dr. Gebhard Fürst neigt sich dem Ende. Feierlich wird der Adventskranz abgelassen und vom Bischof für die beginnende Adventszeit gesegnet. Symbolisch erinnert der Kranz alle Mitfeiernden im Dom daran, dass das Leben weitergeht.

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