Ein sonniger Nachmittag in Stuttgart-Mitte. Im und vor dem Begegnungsraum der evangelischen Gesellschaft in der Breitscheidstraße 2f herrscht Hochbetrieb. Die Kampagne „Politik auf 13 Quadratmetern“ ist zu Gast und lädt zum Dialog: Migranten, Anwohner, Passanten und Studenten kommen bei Getränken und Kuchen um kleine Tische herum zusammen. Es wird angeregt diskutiert, sich leise miteinander unterhalten und zugehört. Kampagnenleiterin Dr. Sarah Köhler, Referentin für Gesellschaftspolitik und Demokratieförderung in der Hauptabteilung „Kirche und Gesellschaft“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart, ist hochzufrieden: „Es läuft“, sagt sie und lächelt.
Hoher Gesprächsbedarf
Sie und ihre Unterstützerinnen aus dem Stuttgarter Regionalbündnis und dem Landesbündnis für Demokratie und Menschenrechte Baden-Württemberg, in dem die Diözese Gründungsmitglied ist, wechseln von Tisch zu Tisch, schalten sich ein, fragen nach, helfen dort, wo Bedarf ist, knüpfen an und sammeln, welche Anliegen und Fragen die Besucherinnen und Besuchern beschäftigen. Zu Besuch an diesem Tag ist auch Ordinariatsrätin Karin Schieszl-Ratgeb. Sie leitet die Hauptabteilung „Kirche und Gesellschaft“ im Bischöflichen Ordinariat der Diözese, in deren Verantwortung „Politik auf 13 Quadratmetern“ läuft. „Unsere Kampagne zeigt, dass es einen hohen Gesprächsbedarf an gesellschaftlich relevanten Themen gibt, und dieses Projekt bietet uns die Chance, zu hören was die Menschen bewegt“, sagt sie und berichtet von einem Landtagsabgeordneten, der sie jüngst auf die Kampagne ansprach. Das Engagement der Diözese für die Gesellschaft werde positiv wahrgenommen.
In der Gesellschaft wirksam
An diesem frühen Nachmittag kreisen die Gespräche an den Tischen des Begegnungsraums um Themen wie Wohnungsnot und Einsamkeit, um Foodsharing, Inklusion oder um die Sorge vor dem Abstieg des Mittelstands. Die Äußerungen spiegelten das ganze politische Spektrum wider, und das sei auch gut so, sagt Köhler. „Denn wir sind zum Zuhören da und nicht zum Bewerten“, beschreibt sie ihre Aufgabe. Tim Hülquist, Bezirkssekretär des Deutschen Gewerkschaftsbunds für Baden-Württemberg, der mit im Lenkungskreis des Landesbündnisses für Demokratie und Menschenrechte ist, lobt den „aufsuchenden Charakter“ der Kampagne. Das vermittle den Menschen, dass ihre Meinung gefragt ist und ihnen zugehört wird. „Wenn wir als katholische Kirche in Württemberg einen Beitrag zur Förderung von Solidarität und Teilhabe leisten können, ist schon viel erreicht“, betont indes Schieszl-Rathgeb und sagt: „Die Kampagne ‚Politik auf 13 Quadratmetern‘ macht greifbar, wie Kirche außerhalb ihrer sakralen Gebäude in der Gesellschaft wirksam sein kann.“
Pilotphase endet
Mit der Landtagswahl am 8. März 2026 endet die Pilotphase des Projekts. Dann geht es darum, aus den gewonnenen Erkenntnissen Ergebnisse abzuleiten und neue Formate zu entwickeln, um von Gesellschaft und Politik distanzierte Bevölkerungsgruppen gemeinsam mit unterschiedlichen nichtkirchlichen Partnern im Gespräch zu halten, sie einzubinden. „Ich würde mir wünschen, dass unsere Initiative von der Politik als ein Mittel zum Zuhören genutzt wird“, sagt Schieszl-Rathgeb mit Blick auf die Zukunft. Dabei steht schon jetzt fest, dass der mobile Demokratieraum der Kampagne ein bleibendes Element in der katholischen Erwachsenenbildung sein wird, und es gibt Anschlusstermine, bei denen Dr. Sarah Köhler und die Kampagne Präsenz zeigen und zum Dialog einladen: Im Mai beim 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg, den Juni über in der Tübinger Innenstadt und ab Ende September für vier Wochen in Nürtingen.




