Veranstaltung

Ein Blütenmeer der Impulse

Mit Herzblut auf der Landesgartenschau in Ellwangen engagiert: Johannes Kruger, Schwester Franziska Trögler und Pilgermuschel Pia. Foto: drs/Jerabek

Lebendig. Bewegend. Inspirierend. Farbenfroh. Nachdenklich. Das alles ist der Kirchengarten auf der Landesgartenschau. Momentaufnahmen. Für Dich.

Lebendig. Als Ort, „wo man sein darf, wo wir das ‚Sei willkommen‘ ausdrücken und leben“, beschreibt Schwester Franziska Trögler den Kirchengarten. Zum Beispiel, indem Besuchende Wasser zum Trinken gereicht bekommen – kein Wunder, dass das gerade „sehr, sehr gern angenommen wird“. Oder auch einen Keks in Form der Pilgermuschel, die auch als Logo dient. Rund 500 Kekse pro Woche werden von Ehrenamtlichen gebacken. Apropos, wenn Schwester Franziska auf das Engagement zu sprechen kommt, kommt sie ins Schwärmen: „So viele Menschen bringen sich ein und beteiligen sich in unterschiedlichster Form: im Präsenzdienst, bei der Gestaltung des Mittagsgebets, in der Musik, im Gartendienst. Das ist ein gutes, ein tolles Team, das den Garten gemeinsam geschaffen hat und mit Leben füllt.“

Einer von ihnen ist Johannes Kruger. Der 68-Jährige aus Pommertsweiler, einem Ortsteil der Gemeinde Abtsgmünd, hatte schon immer einen guten Bezug zu Ellwangen und ließ sich von Kirchengarten-Architekt Christoph Romer bereits für die Bauarbeiten begeistern. Er freut sich über den Teamgeist und „die vielen neuen netten Leute, die ich hier getroffen habe“.  Während der LGS ist er immer wieder im Präsenzdienst dabei und wird im Juli auch mit dem Schalom-Chor seiner Kirchengemeinde hier auftreten. Denn, wie der heilige Augustinus gesagt hat: „Wer singt, betet doppelt!“

Kirchengarten: Bewegend.

„Wenn Musik zweifaches Gebet ist, dann sage ich: Tanz ist dreifaches Gebet“, sagt Schwester Theresia Dauser von den Anna-Schwestern. Unter der Veranstaltungsrubrik „Abendquelle“ hat sie eingeladen, in einfachen und ruhigen, aber auch bewegten Tänzen zu schöner Musik Freude, Ruhe und Kraft für den Alltag zu schöpfen. Im Pilgerschritt umschreiten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Altar des Kirchengartens – drei Schritte vor und einen zurück, wie ja auch das Leben so spielt –, oder bewegen sich wie in einem Labyrinth, um den Raum wahrzunehmen, interpretieren in Schritten und Gesten die Texte der abgespielten Lieder.

Da ist etwa „Der Töpfer mit den großen, guten Händen“, ein Lied von Rudolf Osanger, dem österreichischen Salesianerpater und Liedermacher. In Anlehnung an Jesaja handelt der Text des Liedes davon, wie Gott die Menschen auch durch Leid und Dunkelheit führt und „formt“. Die Tanzenden schauen auf sich selbst, als Zeichen der Selbstannahme („Der hat zu dem gemacht mich, der ich bin“), formen mit den Fingern ein Dreieck für die Dreifaltigkeit, zeichnen dann einen Kreis („Was er beginnt, das kann er auch vollenden“), drehen sich („und so hat mein kleines Leben einen Sinn“). „Da kann man abschalten und zu sich kommen“ fasst Schwester Theresia das Feedback der Teilnehmenden zusammen. Die Franziskanerin und ausgebildete Tanzlehrerin ist für ihre Angebote auch auf Katholikentagen inzwischen überregional bekannt.

Kirchengarten. Inspirierend.

Ein bisschen schrill klingt die Gartenschauglocke, aber das Mädchen, das ein wenig an Pippi Langstrumpf erinnert, hat sichtlich Freude am Läuten. Kurz vor zwölf ruft die Glocke zum Mittagsgebet im Kirchengarten. Schülerinnen und Schüler aus Klasse 4 der Klosterfeldschule gestalten sie an diesem Tag. „Wir haben nachgedacht über Dinge, die uns Freude machen; darüber, wofür wir dankbar sind; und wir haben überlegt, was uns Sorgen macht“, sagt Lehrerin Claudia Schreiner-Braun. Die Schüler tragen ihre Gedanken vor: „Ich freue mich über die neuen Spielplätze.“ – „Ich freue mich, dass der Frühling kommt und alles blüht.“ – „Ich bin dankbar für die Lebensmittel und das Trinken, das wir bekommen.“ – „Ich bin dankbar für meine Familie.“ – „Ich mache mir Sorgen um schlechte Noten.“ – „Ich mache mir Sorgen über den Streit zwischen Menschen.“

Bibeltexte, die diese Themen aufgreifen, laden die Gartenschaubesucher ein, der eigenen Freude und Dankbarkeit, den eigenen Sorgen nachzuspüren: aus dem ersten Brief an die Thessalonicher, aus Psalm 23. Auf kleinen Symbolkärtchen, die die Kinder verteilen, können sie diese aufschreiben und in kleinen Körben Jesus, der in Form einer Bronzefigur mit einladenden Armen inmitten der großen hölzernen Pilgermuschel unter den Menschen ist, zu Füßen legen. – Jeden Tag gibt es diese kleine stärkende Auszeit mit Musik, Gebet und Segen. „Bis zu 30, 40 Menschen nutzen bei schönem Wetter dieses Angebot“, freut sich Schwester Franziska vom ökumenischen Kirchengarten-Team. 

Landesgartenschau: Farbenfroh.

Viele kennen Ochsenaugen eher als Gebäck denn als Blume; mit ihren strahlend goldgelben Blüten und weidenähnlichen Blättern erinnern sie an die Margerite aus der gemeinsamen Familie der Korbblütler. Die Küchenschelle ist selten geworden, und selbst der Klatschmohn steht oft nur noch vereinzelt am Rande eines Getreidefelds. In der Basilika St. Vitus blüh(t)en sie alle. Pfarrer Nikolaus Stark hat den Anfang gemacht im Reigen der Ausstellungen, die die Kirchengemeinde zur Landesgartenschau anbietet. Mit geschärftem Blick und großer Liebe zur Schöpfung hat er sie gemalt und in den Seitengängen der Basilika „gepflanzt“: die bezaubernde Akelei und die freche Trollblume, den stolzen Türkenbund und die elegante Sumpfiris.

„Das kreisende Jahr lässt nach des Winters Kälte und Nacht die Erde für Ostern bereiten“, so hat Stark seine Ausstellung überschrieben – und damit nicht nur die Natur gemeint. Die Hälfte seiner Bilder beschreiben das Ostergeschehen: Christus in Gethsemani, der Auferstandene, die Jünger auf dem Weg nach Emmaus, Jesu Himmelfahrt. „Wie das geschehen ist, darüber wissen wir nichts. Aber, dass er auferstanden nicht mehr im Grabe liegt“ – also WAS an Ostern geschehen ist, wie er selbst sagt, daran möchte der Malerpfarrer erinnern. Und auch: „Er wird kommen zum Gericht“, wie das letzte Bild dieser kleinen Reihe heißt.

Landesgartenschau: Nachdenklich.

Abgelöst wurde die Ausstellung der Blumen- und Bibelbilder von Nikolaus Stark in der Basilika inzwischen von einer Präsentation des Ambulanten Hospizdienstes Ellwangen und der Landpastoral Schönenberg: Die Ausstellung „Und jetzt ist alles anders…“ lädt ein, die vielfältigen Perspektiven von Trauernden durch bewegende (Original-)Zitate zu entdecken. Schlichte, aber eindringlich gestaltete Plakate werfen einen Blick auf die unterschiedlichen Erfahrungen und Empfindungen, die Menschen in Trauer durchleben – sowohl in ihrem Inneren als auch in ihrem Umfeld.

Zurück im Kirchengarten: Ein kleines gelbes Kästchen an der großen hölzernen Pilgermuschel erntet immer wieder interessierte Blicke: der Bibeltextomat. Hier dürfen Besucherinnen und Besucher ihren persönlichen Bibelspruch ziehen – ein biblisches Give-away, das ankommt: „Wir haben 10.000 Kärtchen drucken lassen. Die werden nicht reichen“, weiß Schwester Franziska schon heute. „Du sollst ein Segen sein“ (1 Mose 12,2) steht auf einem dieser Kärtchen. Wenn das kein Auftrag ist!

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