Ukraine

Ein Brief aus Kyiv

Olena Voichyk, Leiterin der Projektabteilung von Caritas-Spes in Kiew. Foto: Caritas-Spes / Kindermissionswerk

Olena Voichyk lebt und arbeitet in Kyiv. In einem persönlichen Brief schreibt sie über das Leben im Krieg, zwischen Luftangriffen und Hoffnung.

Am 24. Februar jährt sich zum dritten Mal die völkerrechtswidrige russische Invasion in die Ukraine. Täglich leben die Menschen in der Ukraine im Ausnahmezustand. Alarme und Bombenangriffe prägen die Tage und Nächte.

Olena Voichyk ist Leiterin der Projektabteilung von Caritas-Spes Ukraine in Kyiv. Sie arbeitet seit über 23 Jahren für Caritas-Spes und hat zwei erwachsene Kinder. Sie lebt und arbeitet in Kyiv und berichtet uns über die Situation in der Ukraine und vor allem darüber, wie es den Menschen vor Ort geht, wie sie mit der ständigen Bedrohung und den Luftangriffen aller Art umgehen.

Liebe Freunde,

ich möchte ein bisschen darüber erzählen, wie es momentan in der Ukraine ist.

Wir sprechen oft von den drei Jahren des Krieges, aber in Wirklichkeit sind es schon 11 Jahre. Stellt euch vor, es gibt bereits eine Generation von Kindern, die 11 Jahre alt ist und nicht weiß, wie es ist, nicht im Krieg zu leben.

Es ist eine sehr schwierige Zeit, vor allem, wenn ständig Sirenen und Bombardierungen zu hören sind – besonders nachts. Manchmal schaffen wir es tagelang nicht, richtig zu schlafen, da es immer wieder Alarme gibt und man ständig in Sorge ist. Es ist körperlich und seelisch sehr anstrengend.

Was machen wir in dieser Situation? Wir versuchen, unseren Alltag so gut wie möglich zu organisieren, auch wenn es viele Einschränkungen gibt. Es ist nicht immer einfach, aber wir halten zusammen, unterstützen uns gegenseitig und sind aufeinander angewiesen. Die Gemeinschaft wird noch wichtiger.

Was die Stromversorgung angeht, gibt es oft Stromausfälle, vor allem in den Abendstunden. Es ist nicht selten, dass wir Stunden oder sogar Tage ohne Strom sind, was das Leben noch schwieriger macht. Wir müssen uns oft mit Kerzen und Notstromgeneratoren behelfen. Es ist ein ständiger Kampf, aber wir geben nicht auf.

Unsere Alltagsroutine hat sich stark verändert. Wir müssen sehr flexibel sein und auf vieles vorbereitet sein – sei es, um schnell in einen Schutzraum zu gehen oder uns an plötzliche Änderungen anzupassen. Aber wir sind immer noch hier und kämpfen weiter, auch wenn es schwer ist.

Aber trotz all dem versuchen wir, unser Leben voll zu leben, wie nie zuvor. Denn morgen könnte nicht kommen, und deshalb genießen wir jeden Moment, den wir haben.

Früher haben wir nie richtig verstanden, wie wichtig die Worte "Ich wünsche dir einen friedlichen Himmel über deinem Kopf" waren, die wir am Ende von Briefen (in meiner Kindheit) geschrieben haben. Heute weiß jeder von uns, wie viel diese Worte wirklich bedeuten.

Liebe Grüße aus der Ukraine,
Olena

Die Caritas Spes Kyiv wurde 1990 registriert und hat heute neben der Zentrale in Kyiv weitere 50 lokale Caritas Büros. 2022 wurden zwei Mitarbeiterinnen im Caritas-Büro in Mariupol getötet, 2023 wurde ein Hilfsgüterlager bei Lemberg von einer Rakete getroffen. Sie unterstützen die Menschen in der Ukraine, versorgen Binnenflüchtlinge mit Hilfsgütern, Lebensmitteln, Medikamenten, Unterkünften, Schutzräumen und vielem mehr.

Caritas Spes ist seit 16 Jahren Partner der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

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