Wenn kirchliche Bildungshäuser sich als „anders“ beschreiben, dann ist das Cursillo-Haus St. Jakobus das anderste unter ihnen. Für manche, die hierher kommen, ist es Insel, Oase oder Tankstelle; andere heben auf die Markenzeichen des Hauses ab: Offenheit, Einfachheit, Spiritualität und Gastfreundschaft. Auf jeden Fall ist das Haus in der Verknüpfung von Pilgerherberge und geistlicher Bildungsstätte einzigartig und will „Ort der Einkehr sein, um auf Augenhöhe einander zu begegnen, Achtsamkeit und Beziehung einzuüben, Stille zu erfahren, Spiritualität zu vertiefen, innezuhalten und neu aufzubrechen“, wie Hausleiter und Bildungsreferent David Langer erklärt. Mit einer Art Triduum feiern das Haus und die Menschen, die es tragen und zu einer „Anlaufstelle der Hoffnung“ machen, 50-jähriges Bestehen. Genauer gesagt ist es ein Doppeljubiläum, denn die „Stiftung Haus St. Jakobus - Schwäbische Jakobusgesellschaft“ als gemeinnützige Betreiberin des Hauses besteht seit 25 Jahren.
Ein Jubiläum mit be-Weg-enden Angeboten
„Kommt und ruht ein wenig aus“ - unter diesem Wort Jesu steht seit 50 Jahren das Cursillo-Haus St. Jakobus in Oberdischingen. Diakon Ulrich Körner (Aufsichtsrat der Stiftung, links) und David Langer (Hausleiter und Bildungsreferent) freuen sich auf viele Besucherinnen und Besucher in der Pilgerherberge und geistlichen Bildungsstätte. Foto: drs/Jerabek
Zur Geschichte
Im Jahre 1794 neben der Wallfahrtskapelle „Zur Heiligsten Dreifaltigkeit“ errichtet, war das Haus Franziskanerhospiz, Mietshaus, Karmel. Das Wort „Hospiz“ vom lateinischen „hospitium“ bedeutet Herberge/Gastfreundschaft. Schon im Mittelalter fanden Pilger, Bedürftige, Fremde oder Kranke in Hospizen Schutz und Stärkung.
Seit 1961 im Eigentum der Diözese Rottenburg-Stuttgart, wurde das Haus 1975 der Cursillo-Bewegung anvertraut als Ort, an dem mehrmals jährlich Cursillo-Glaubenskurse für Frauen und Männer und Begegnungsfeste und -treffen stattfinden. Im Jahre 1986 wurde dem Haus das Patronat St. Jakobus verliehen, um sowohl die Beherbergung von Pilgernden wie auch die Durchführung von Pilgerreisen und Pilgerveranstaltungen unter den Schutz des heiligen Jakobus zu stellen. Seit 2000 betreibt die „Stiftung Haus St. Jakobus - Schwäbische Jakobusgesellschaft“ das Haus mit mehreren Teams von Ehrenamtlichen und einigen hauptamtlichen Kräften.
Sowohl als auch
Das „große Sowohl-als-auch“, wie David Langer es ausdrückt, also die „über fünfzig Jahre gewachsene Kombination von Glauben und Pilgern, von Bildungsstätte und Herberge“, steht (auch) im Mittelpunkt des Festwochenendes: Als Kleiner Pilgertag ist der Freitag, 25. Juli, der auch Gedenktag des Apostels Jakobus ist, Schutzpatron der Pilger und des Cursillo-Hauses, überschrieben. Fünf neue Pilgerrundwege wurden anlässlich des Jubiläums ausgearbeitet, die Interessierte begehen und entdecken können. Alle Wege, die die schönen Namen „Oberdischinger Jesusweg“, Marienweg, Martinusweg, Jakobusweg und Franziskusweg bekommen haben, sind mit Themenkarten und Impulsmöglichkeiten ausgestattet, die an bestimmten Punkten auf der Wanderkarte als geistliche Stationen passen. Für alle fünf Rundwege, die am Cursillo-Haus starten und enden und zwischen sechseinhalb und 16 Kilometer lang sind, gibt es zur Orientierung im Gelände Tourendaten, Landkartenausschnitte, Wegbeschreibungen in Worten, GPS-Daten und Wegdateien in der App „Komoot“.
Höhepunkt dieses Kleinen Pilgertages ist der Festgottesdienst zum Jakobustag in der Pfarrkirche „Zum Heiligsten Namen Jesu“ mit Weihbischof Thomas Maria Renz um 16.30 Uhr, der vom Musikverein Oberdischingen mitgestaltet wird. Renz ist Schirmherr der „Stiftung Haus St. Jakobus - Schwäbische Jakobusgesellschaft“, selbst Cursillista und begeisterter Pilger. Das Thema des Tages - „Gekommen, um zu dienen“ - stelle nicht nur einen Bezug zum Tagesevangelium her, sondern drücke auch „einen Teil des Selbstverständnisses des Hauses“ aus, erklärt Diakon Ulrich Körner, der Vorsitzender des Aufsichtsrats der Stiftung ist. Ohne eine hohe Bereitschaft der Ehrenamtlichen - meist Menschen, die selbst schon als Pilger oder Kursteilnehmer die Gastfreundschaft des Hauses erlebt haben „und etwas zurückgeben wollen“ - könnte das Cursillo-Haus kaum auskommen. Außer als sogenannte Hospitaleros (ehrenamtliche „Gastgeber“) sind Helfer und Helferinnen auch in Haus und Garten und weiteren Bereichen, nicht zuletzt auch in der Stiftung und im Förderverein engagiert.
Cursillo
Cursillo ist ein Glaubenskurs (spanisch für „kleiner Kurs“), der von einem spanischen Bischof auf Mallorca in den 1960er-Jahren entwickelt wurde, um einer Pilgergruppe eine Glaubensbasis mitzugeben, damit sie den Weg auch religiös reflektieren können. Der Kurs, in dem Teilnehmende „das Wesentliche im Christsein“ erleben, geht über drei Tage und hat einen konkreten Aufbau: Erster Tag: Wer bin ich? Erkenne dich selbst! Zweiter Tag: Wer ist Christus? Erkenne Christus in deinem Leben! Dritter Tag: Wie wächst Gemeinschaft? Du bist wertvoll als Teil des Ganzen! Ein Team aus Priestern und Laien gibt Glaubensimpulse zu verschieden Themen, es gibt immer Austausch und Besinnung. Dabei geht es um die Vertiefung in der je aktuellen Glaubensphase - nicht nach dem Motto: „wie viel weiß man“, sondern: „wie viel lebt man schon“.
Das Cursillo-Haus in Oberdischingen ist das einzige im deutschen Sprachraum und beherbergt u.a. das Cursillo-Sekretariat der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Neben verschiedenen Cursillos bietet das Cursillo-Haus eine große Bandbreite an Kursen, Tages- und Abendveranstaltungen.
Europaweit vernetzt
„Wir versuchen uns als eine europaweit vernetzte Glaubensbewegung auch als Friedenskraft einzusetzen“, sagt Ulrich Körner mit Blick auf das Thema des Großen Pilgertages am Samstag, 26. Juli: „Friede sei mit euch!“ Brücken zu bauen und das Anderssein anderer Menschen als Bereicherung zu sehen - „das sehen wir als Friedensdienst“, so Körner, der für seinen Hinweis, dass die christliche Pilgerbewegung mit unzähligen Pilgerwegen die Infrastruktur und das Selbstverständnis Europas maßgeblich geprägt hat, einen prominenten Gewährsmann nennt: „Europa ist auf der Pilgerschaft geboren, und das Christentum ist seine Muttersprache“, soll Johann Wolfgang von Goethe einmal gesagt haben. Sieben geführte Touren verschiedener Länger stehen zur Auswahl, auf denen interessierte Pilgerinnen und Pilger in Gruppen aufbrechen. Um 17 Uhr findet eine Pilgermesse mit Pfarrer Stefan Schacher statt.
Im Rahmen des Großen Pilgertages wird auch eine Festschrift vorgestellt und ausgegeben. Sie versteht sich als „spirituelles Lesebuch“ und enthält neben einem historischen Überblick vor allem Geschichten, „die Menschen in und mit diesem Haus erlebt haben“, erläutert David Langer.
Der Sonntag, 27. Juli, steht im Zeichen eines Festvortrags um 10 Uhr: „Vom Codex Calixtinus zum Compostela-Run. Warum das Jakobsbuch des Mittelalters auch für heutige Pilger aktuell ist“ mit Prof. Dr. Klaus Herbers, mitgestaltet vom Liederkranz Oberdischingen. Ein wertvolles Faksimile dieses ersten Pilgerführers für den Weg nach Santiago de Compostela aus dem 12. Jahrhundert verleiht Wolfgang Schneller, Pilgerführer und früherer Bildungsreferent und Hausleiter, dem Cursillo-Haus anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums als Dauerleihgabe. Führungen durchs Haus sowie Getränke und Essen runden das Festprogramm ab.
Mehr Info unter www.haus-st-jakobus.de




