In der Rottenburger Post vom 21. Januar 2026 wurde ein Nachruf von Karlheinz Geppert auf den Rottenburger Geschichtsschreiber Dieter Manz veröffentlicht, der am 18. Januar im Alter von 84 Jahren gestorben ist. "Mit ihm verliert seine Heimatstadt einen herausragenden Stadtchronisten", heißt es dort. Im folgenden Lesen Sie den Nachruf, den wir mit freundlicher Genehmigung der Rottenburger Post veröffentlichen, in voller Länge:
"Dieter Manz fehlt. Es war immer sehr anregend und spannend, sich mit ihm über die vielfältige Geschichte der Römer- und Bischofsstadt Rottenburg auszutauschen. Er war in allen Epochen sattelfest, sein Wissen und seine Kenntnisse waren phänomenal, sein Privatarchiv war umfassend. Seine Expertise war bei der Restaurierung von Kirchen und Kapellen oft gefragt, nicht nur in der Kernstadt, sondern auch in den Ortschaften und in der Region.
Aus alter Rottenburger Familie
Dieter Manz stammte aus einer bis ins 14. Jahrhundert nachgewiesenen Rottenburger Familie. Die Beschäftigung mit der Stadtgeschichte wurde ihm gleichsam in die Wiege gelegt. Er wurde am 27. Juli im Kriegsjahr 1941 geboren. Bereits sein Vater Franz Manz (1904 bis 1979) beschäftigte sich intensiv mit der Lokalgeschichte, veröffentlichte etliche Artikel hierzu und baute eine umfangreiche Archiv- und Büchersammlung auf, die der Sohn enorm erweitern konnte.
Dieter Manz ging bei seinem Vater in die Buchhändlerlehre. Beim Diözesanbildungswerk lernte er den Beruf des Verlagskaufmanns. Er wohnte zeitlebens im Elternhaus an der Steige am Kalkweiler Tor, gemeinsam mit seiner aus Oberndorf stammenden Frau Marianne, die als Lehrerin viele Jahre Englisch und Französisch an der Schule St. Klara unterrichtete.
Von 1972 bis 2000 leitete Manz die Diözesanstelle Buch. Bekannt ist er aber vor allem als Rottenburger Stadthistoriker. Bereits in jungen Jahren engagierte er sich im Sülchgauer Altertumsverein (SAV). Nach seinem Beitritt 1965 war er viele Jahre geschätztes Mitglied des Ausschusses, Bibliothekar und Chronist des Vereins. Seine intensiven, kenntnisreichen Studien präsentierte er ausschließlich in schriftlicher Form, verfasst als Manuskripte, stets von eigener Hand. Die Spannweite seiner Publikationen zur Kirchen-, Stadt- und Regionalgeschichte ist riesig: Bau- und Kunstgeschichte, Vereins- und Wirtschaftsgeschichte, Volksfrömmigkeit, Brauch-tum und vieles andere mehr.
Nachzulesen sind seine Beiträge in der sechsbändigen Reihe „Rottenburger Miniaturen“ (1991 bis 2015) und in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Der Sülchgau“. Seine Miniaturen, Monat für Monat gern gelesen, erschienen zunächst als Artikel in den städtischen Veranstaltungskalendern zwischen 1983 und 2008. Die Reihe seiner Beiträge im „Sülchgau“ beginnt 1969 mit dem Beitrag „Heller und Pfennige“ über einen neuen Münzfund und endet 2011 mit einem kurzen Artikel über „Das Haus Amannhof ll“, das vor drei Jahren als Museum des SAV eröffnet werden konnte.
Allein das Stadtarchiv zählt rund 300 Einzelnachweise unter seinem Namen. In der Landesbibliographie Baden-Württemberg finden sich rund 160 Einträge des Autors. Viele seiner Veröffentlichungen waren echte „Pionierarbeiten“.
Von seinen zahlreichen Monographien seien hier lediglich genannt: als heimatliebender Rottenburger die „Kleine Rottenburger Stadtgeschichte“ (1988), als stolzer Urbansbruder sein Buch über den Rottenburger Wein und die Urbansbruderschaft (2001), als gläubiger Katholik sein Werk über „die fromme Stadt Rottenburg“ („Urbs Pia“, 2009), im Zusammenhang mit den Krippenausstellungen des SAV sein Krippenbuch (2011) und nicht zuletzt sein umfangreiches Geschichtsbuch über die Bürgerwache (2014).
Als Urbansbruder dabei
Dieter Manz liebte und schätzte die (Kirchen-)Feste und die Traditionen seiner Heimatstadt. Er fühlte sich wohl und angenommen in seinen Vereinen: im Altertumsverein von 1852 und in der Urbansbruderschaft, deren Tradition bis ins Jahr 1401 zurückreicht. Solange er konnte, nahm er mit seinen „Urbesbrüdern“ an den Jahrtagen und Fronleichnamsprozessionen teil.
Für seine Verdienste wurde Manz mehrfach ausgezeichnet: 2006 von seiner Heimatstadt mit der selten verliehenen Medaille in Gold, vom Land mit der Heimatmedaille Baden-Württemberg und vom Sülchgauer Altertumsverein mit der Ehrenmitgliedschaft. 2020 erhielt er von Bischof Gebhard Fürst die Würde eines Ritters des Ordens des Heiligen Papstes Silvester.
Leider wurde Dieter Manz vor über zehn Jahren durch einen schweren gesundheitlichen Schicksalsschlag aus seiner geliebten forschenden und schreibenden Tätigkeit gerissen. Er wurde zu Hause liebevoll gepflegt von seiner Frau Marianne. Die letzten Wochen verbrachte er im Pflegeheim am Hospitalgarten mit direktem Blick über den Neckar auf „seine“ Moriz-Kirche. Er hörte ihren Glockenschlag. Am 18. Januar ist er friedlich gestorben. Um ihn trauern seine Witwe Marianne, die Verwandten und Freunde - und viele Rottenburgerinnen und Rottenburger, denen er die Geschichte ihrer Stadt nahegebracht hat. Er wird am Montag, 26. Januar, nach einem Requiem auf dem Klausenfriedhof beigesetzt.


