Anlässlich der Feier zum Tag der Deutschen Einheit wurde bei der Gartenschau Freudenstadt und Baiersbronn im „X-Tal“ ein ökumenischer Gottesdienst mit Max Himmel von der katholischen Kirche und dem evangelischen Pfarrer Dr. Daniel Zimmermann gefeiert. Für den zweiten Teil der Veranstaltung konnte der ehemalige Außenminister von Luxemburg, Jean Asselborn, und der Stuttgarter Stadtdekan, Dr. Christian Hermes, gewonnen werden, die unter der Überschrift „Europa in der Welt des Jahres 2025" nacheinander das Wort ergriffen.
"Gleichgültigkeit wird uns nie verziehen werden"
Nach der Begrüßung durch Freudenstadts Oberbürgermeister Adrian Sonder zeigte sich Asselborn, wie er sagte, fest davon überzeugt, dass die Botschaft der deutschen Geschichte generationenübergreifend stärker sei als das Gedankengut der extremen Rechten. „Demokratie verträgt keine menschenverachtenden Parteien oder Politiker. Gleichgültigkeit wird uns nie verziehen werden, denn auch unsere Enkelkinder haben das Recht, acht Jahrzehnte in Frieden zu leben“, sagte Asselborn.
In der Verantwortung der Stimmberechtigten
Der Wahlzettel sei das vielleicht höchste Gut in einer Demokratie, fuhr der langjährige Außenminister fort und sagte: „Wir alle sind aufgerufen, ihn verantwortungsvoll zu nutzen.“ Dass die Demokratie gegenwärtig von außen angegriffen wird, sei schlimm. Aber etwas dagegen zu tun, dass sie auch von innen unterwandert wird – das liege in der Verantwortung der stimmberechtigten Bürgerinnen und Bürger eines Landes.
"Für diese Werte eintreten"
Nach einer musikalischen Pause ergriff Stadtdekan Dr. Hermes das Wort. Der Kern der europäischen Idee sei Integration, sagte er. „Europa bedeutet, nicht abzugrenzen, sondern zu verbinden. Es ist das klare Gegenbekenntnis zu Spaltung und Feindschaft. Aber wir alle müssen Haltung zeigen und für diese Werte eintreten. Es wird nicht von selbst so weitergehen.“ Europa stehe vor einer existenziellen Bewährungsprobe: „Entweder wir wählen den richtigen Weg – oder Europa wird es in dieser Form nicht mehr geben“, sagte Dr. Hermes.
Er fuhr fort, dass es im Namen Gottes keine Kriege geben dürfe und hielt fest: „Wir können miteinander auskommen – solange nicht wieder Volksverhetzer mit ihren Schuldzuweisungen an einzelne Gruppen auftreten." In einer Welt, in der so viel Aggressivität herrscht, liegt die Chance in der Kraft zur friedlichen Integration, die Europa verkörpere, betonte der Stadtdekan und forderte dazu auf, daran zu glauben, dafür einzutreten und dies auch weiterzuerzählen.



