Nachruf

Ein Mensch, der die Menschen am Rande begleitete

Gefängnis- und Aidsseelsorger Petrus Ceelen am 25. Februar 2011 in Bonn. Foto Credit: Harald Oppitz/KNA Copyright 2011, KNA GmbH, kna.de, All Rights Reserved

Petrus Ceelen war der erste Pastoralreferent der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Er ist am Sonntag im Alter von 81 Jahren gestorben.

Petrus Ceelen war als Seelsorger, geistlicher Schriftsteller und Aphoristiker weit über die Grenzen der Diözese Rottenburg-Stuttgart hinaus bekannt. Am Sonntag, 10. März, ist er im Alter von 81 Jahren seiner Krebserkrankung erlegen. Am Donnerstag, 14. März, wurde Ceelen in Asperg im Dekanat Ludwigsburg beigesetzt.

Petrus Ceelen wurde am 11. Februar 1943 im belgischen Lommel geboren. In Belgien studierte er zunächst Religionswissenschaften. In Maastricht und schließlich an der Universität Mainz, wohin er über das Europaseminar in Maastricht kam, ergänzte er sein Studium durch die Religionswissenschaften, Philosophie und Theologie. Mit seiner späteren Frau zog der ehemalige Priesteramtskandidat nach Berlin und schloss dort ein Studium der  Erziehungswissenschaften an, sowie  eine Zusatzausbildung in Gesprächstherapie. In Berlin arbeitete er zunächst zwei Jahre als Religionslehrer sowie im Flüchtlingslager Marienfelde.

Der erste Pastoralreferent in der Diözese

Pfarrer Walter Stöffelmaier in Schwieberdingen suchte einen Laientheologen zur Mitarbeit in der Gemeindeseelsorge, worauf Ceelen sich bei ihm bewarb und 1971 der erste Pastoralreferent in der Diözese Rottenburg-Stuttgart wurde. 1974 begann Petrus Ceelen seinen Dienst in der Pfarrei in Tamm. Von 1975 bis 1991 war er als Gefängnisseelsorger im Vollzugskrankenhaus der Haftanstalt Hohenasperg. Auf dem Hohenasperg kam er mit Auftreten des HI-Virus Mitte der 1980er Jahre mit den Themen in Berührung, unter denen AIDS-Erkrankte zu leiden und zu kämpfen hatten.
 

„Ich bin erst durch die Gefangenen, Obdachlosen, Drogenabhängigen und Aids-Kranken der Mensch geworden, der ich heute bin. Dafür bin ich dankbar.“
Petrus Ceelen


Von 1992 bis 2005 war Petrus Ceelen im Auftrag der Diözese als Seelsorger für HIV-Infizierte und AIDS-Kranke im Großraum Stuttgart aktiv – eine Stelle, die auf sein Betreiben hin in Stuttgart geschaffen wurde. 1994 gründete er den Verein „Die Brücke“ für alle Menschen, die aufgrund einer HIV-Diagnose oder Krankheit ausgegrenzt werden. 2003 wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft der AIDS-Hilfe Stuttgart verliehen.
 

„Seine Art, das Evangelium zu leben, haben mich sehr beeindruckt und in meiner Arbeit stark beeinflusst und geprägt.“ 
Ute Müller-Dieterle, Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gefängnisseelsorgerin im Heilbronner Gefängnis


Das allerletzte – und das aller-allerletzte Buch

Bis zum Eintritt in die Altersteilzeit 2005 wirkte er für die Menschen und seine Kirche. Er konzipierte Ausstellungen für Werke von an AIDS erkrankten Menschen und schrieb zahlreiche Bücher über seine Arbeit. Über seinen Ruhestand hinaus war er den Menschen und der Kirche verbunden. Das Thema der Ausgrenzung der Menschen, die von HIV betroffen sind, war Petrus Ceelen ein wichtiges Anliegen. Nachdem seine Frau  vor knapp drei Jahren an Krebs starb, erkrankte auch Petrus Ceelen selbst an dieser Krankheit. Trotzdem übernahm er weiterhin regelmäßig Beerdigungsdienste. Seit mehreren Jahrzehnten schrieb Petrus Ceelen sein „letztes Buch“. Das allerletzte Buch nannte er „Denkzettel“ – bis ein weiteres folgte – „Dankzettel – was ich Euch noch sagen wollte“.
 

„Er hat sich in einer Zeit, als die Kirche noch unsägliche Äußerungen über HIV-positive Menschen getätigt hat, öffentlich auf ihre Seite gestellt und viele Menschen auch im Sterben begleitet. Und auch den Menschen im Gefängnis ist er auf Augenhöhe begegnet.“
Ute Müller-Dieterle, Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gefängnisseelsorgerin im Heilbronner Gefängnis


Petrus Ceelen nahm kein Blatt vor dem Mund. Er war immer glaubwürdig und authentisch, liebte seinen Beruf und lebte seine Berufung. Er setzte sich auch in der Kirche dafür ein, dass Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung nicht ausgeschlossen werden. Er gab den Menschen Hoffnung und ließ ihnen in jeder Situation ihre Menschenwürde. Ceelen lebte in Tamm bei Ludwigsburg, war verheiratet und hatte zwei erwachsene Kinder. Bis zuletzt blieb er für die Menschen und seinen Glauben streitbar. Seine im tiefen Glauben formulierten letzten Worte dienen uns allen als Hoffnung. Sie lauten: „Ik ga naar huis – ich geh nach Hause“.

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