Seelsorge

Ein offenes Ohr für trans Menschen

Foto: Stadtdekanat Stuttgart

Ursula Wollasch ist Seelsorgerin für Menschen, die ihr Geschlecht ändern wollen oder bereits geändert haben. Die Gespräche sind teils sehr intim.

„Es betrifft nur ganz wenige Menschen und gleichzeitig löst das Thema Trans maximalen Stress in der Gesellschaft aus“, sagt Ursula Wollasch. Seit einem halben Jahr steht sie mit jenen in Kontakt, die sich nicht mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren. „Es ist kein ‚Thema‘, es geht um Menschen und wie wir sie und ihr soziales Umfeld begleiten“, so die 60-Jährige.

Ursula Wollasch ist freiberufliche Theologin, Sozialethikerin und Autorin. Seit einem halben Jahr ist sie zudem Ansprechperson für Trans*Menschen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Ihren Sitz hat sie in der Landeshauptstadt. Hier trifft sie trans Menschen und ihre Familien und Freunde. „Wie passen Körper, Geist und Seele zusammen?“, ist eine Frage, die dabei immer wieder gestellt wird. Ihre erste persönliche Begegnung hatte sie im Sommer vor Projektbeginn. Im Freibad stand am Beckenrad eine Person mit dem gleichen Badeanzug wie sie. Diesen Badeanzug jedoch trug keine Frau, sondern ein Mann. Oder eben doch eine Frau im Körper eines Mannes? „Die Begegnung hat mich berührt und beschäftigt. Trans war unmittelbar in meinem Leben angekommen“, erinnert sie sich.

Frage „Was brauchen Trans*Menschen?“ steht im Mittelpunkt

Bei ihrer Arbeit stellt sie die Frage „Was brauchen trans Menschen?“ in den Mittelpunkt. „Es sind die persönlichsten, sensibelsten und intimsten Begegnungen, die ich in meinem beruflichen Leben bisher hatte. Es sind Themen, die man sonst nur mit dem Frauenarzt oder dem Partner bespricht“, erzählt Ursula Wollasch. Ihr ist es wichtig, das Thema Transgeschlechtlichkeit nicht isoliert zu betrachten, sondern die Person mit ihrem Umfeld wahrzunehmen. Wie geht eine Mutter mit einem Trans-Kind um? Wie ist es, als (erwachsenes) Kind mitzuerleben, dass der Vater zur Frau wird? Wie kommt ein Vater damit zurecht, dass aus der hübschen Tochter ein hübscher Sohn wird? Das sind Fragen, die Ursula Wollasch interessieren. Gleichzeitig geht es ihr darum, wie die katholische Kirche auf trans Menschen glaubwürdig zugehen kann. „Im Augenblick gibt es für sie nur medizinische und psychologische Hilfe. Mein Traum ist, dass sich Caritas und Pastoral zusammenschließen und wir bei Bedarf ein kirchliches Netz von Dienstleistungen ausspannen können. Dazu zählen auch spirituelle Begleitungen und Segensfeiern. Für mich ist das der richtige Zugang von Seiten der katholischen Kirche“, so die Theologin und Sozialethikerin. Und weiter: „Das Thema Trans stiftet maximale Verunsicherung.“ Noch gebe es viele Fragen, z. B. wie man mit dem Kinderwunsch von trans Menschen umgehe, die man weiterdenken und beantworten müsse. „Für uns als Kirche sind alle Menschen einzigartig. Es ist wichtig, dass Kirche sich für trans Menschen einsetzt und Unterstützung anbietet“, sagt die Theologin.

Publikation nach einem Jahr

Ihr Ziel ist, ein Buch über die Gespräche und Erfahrungen zu schreiben und dabei auch eine theologisch-ethische Reflexion zu verfassen. „Es soll in leicht lesbarer Form informieren, Angst nehmen und Naivität entgegenwirken“, so die Theologin. Bei diesem Thema werde erst auf den zweiten Blick die Intensität wahrgenommen. „Ich schreibe einen Weckruf, der sich an Theologen und an Verantwortliche bei Caritas und Pastoral richtet.“ Damit möchte sie für einen toleranten, respektvollen und achtsamen Umgang mit trans Menschen eintreten. „Die Menschen, die sich in einer Transition befinden, wollen nur eines: endlich Zufriedenheit mit ihrem Körper finden“, ist sich Ursula Wollasch sicher.

Hintergrund

Die promovierte Sozialethikerin Dr. Ursula Wollasch ist unabhängige Ansprechpartnerin für transsexuelle Menschen und für alle, die sich der Queer-Community zugehörig fühlen. Mit dem einjährigen Modellprojekt „Transsexuelle Menschen pastoral und ethisch begleiten" setzt die Diözese Rottenburg-Stuttgart ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Diskriminierung und für Wertschätzung, Respekt und Toleranz.

Ursula Wollasch ist erreichbar unter 01 51 / 23 54 24 76 und trans.projekt(at)drs.de

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