Geschichte

Ein Stück Kloster im Maisfeld

Die Anhäuser Mauer ragt mitten aus einem Feld heraus.

Die Anhäuser Mauer ist ein Relikt aus dem Mittelalter. Foto: DRS/Guzy

Die Standbilder an der Mauer zeigen die Herren von Bebenburg.

Die Standbilder zeigen die Herren von Bebenburg. Foto: DRS/Guzy

Mitten im Feld steht ein Stück einer Chorwand.

Mitten im Feld steht ein Stück einer Chorwand. Doto: DRS/Guzy

Am Sonntag, 14. September, findet wieder der bundesweite Tag des offenen Denkmals statt. Ein „offenes“ Denkmal besonderer Art ist die Anhäuser Mauer.

Mitten in der hohenlohischen Landschaft aus Hügeln und Feldern erhebt sich zwischen Bölgental und Wallhausen (Landkreis Schwäbisch Hall) plötzlich eine Wand. Als letzter Rest eines mittelalterlichen Bauwerks verweist sie auf die Geschichte und Bedeutung dieses Landstrichs.

Die etwa 20 Meter hohe und zehn Meter breite, sogenannte Anhäuser Mauer gehörte einst zur nördlichen Chorwand einer Klosterkirche. Das Kloster Anhausen soll 1403 an der Stelle einer zuvor bestehenden Kapelle mit Einsiedelei gegründet worden sein. Laut Eintragung in die Kulturdenkmal-Karte handelte es sich um eine im Mittelalter wichtige Klosteranlage, die als eines der ältesten Pauliner-Eremitenklöster in Baden-Württemberg gilt.

Standbilder zeigen lokales Herrschergeschlecht

Rippen- und Bogenansätze formen sich an der Mauer aus und verweisen auf den gotischen Baustil. Sie und vor allem die von Weitem sichtbaren Epitaphien an der Wandfläche, die früher die Innenseite bildete, verleihen der Ruine eine mysteriöse Anmutung. Diese kann, abhängig von den Licht- und Wetterverhältnissen, auch ins Schaurig-Schöne wechseln. Die Standbilder der fünf Grabdenkmäler, von denen eines stark verwittert ist, erinnern an die Herren von Bebenburg – einer von diesen wurde im 14. Jahrhundert Bischof von Bamberg. Die lokale Herrschaft des Adelsgeschlechts ragt als steinerner Mauerrest aus der Vergangenheit in die heutige Zeit.

Wie die Klosterkirche genau ausgesehen hat, kann heute nur noch gemutmaßt werden. Es gibt zwar eine Zeichnung, aber die stammt aus der Zeit nach dem Kloster, wie Lothar Schwandt erklärt. Der pensionierte Realschullehrer engagiert sich in der Gegend als Heimatforscher. Er betreut das Dorfschulmuseum in Hengstfeld mit und begleitet gelegentlich Gruppen zur Anhäuser Mauer.

Luftbilder zeigen Spuren der Bauwerke

Auf archäologischen Luftbildern lassen sich allerdings noch Veränderungen und Strukturen im Boden erkennen, die auf damalige Bauten hinweisen, weiß Schwandt zu berichten. Außerdem seien die früheren Dämme der Fischteiche im Gelände auszumachen.

Die Höhe der Mauer sei, so mitten in einem landwirtschaftlichen Gebiet, schon bemerkenswert, sagt Schwandt und er ergänzt: „Außerdem kann man über die Festigkeit des Mauerwerks staunen.“

Mauerrest steht unter Denkmalschutz

Im Bauernkrieg vor 500 Jahren wurde das Kloster geplündert und die Anlage teils zerstört. Es bestand nicht mehr lange: Im Jahr 1557 wurde es aufgehoben, wie auf einer Tafel an der Anhäuser Mauer zu lesen ist. Die Reformation spielte dabei eine Rolle. Die Anlage habe danach noch als Bauerngut gedient, erklärt Schwandt. Ab etwa 1700 wurden die Gebäude abgebrochen. Die Steine fanden am Schloss in Kirchberg an der Jagst eine neue Verwendung, wie der Tafel zu entnehmen ist.

Der letzte Rest, der die Jahrhunderte überdauerte, wurde laut Internetseite der Gemeinde Satteldorf im Jahr 1925 unter Denkmalschutz gestellt. In den Jahren 1996 und 1997 fand eine Sicherung und Sanierung der Mauer statt. Mit dieser kann ein Stück Geschichte in freier Landschaft entdeckt werden.

Tag des offenen Denkmals

Der Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 14. September, steht dieses Jahr unter dem Motto „Wert-voll: unbezahlbar oder unersetzlich?“. Auch Kirchen und religiöse Stätten zählen zu den Gebäuden, Bauwerken und Anlagen, die besichtigt werden können. Über das Programm für den Tag informiert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

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