Ehrenamt

Ein Tag der Wertschätzung

Viele Menschen im Atrium der Messe Stuttgart

Zum Ehrenamtstag auf der Urlaubsmesse CMT 2026 haben sich mehr als 10.000 Menschen angemeldet. Der Tag begann mit einem Gottesdienst. Bild: Annika Werner / DRS

Mit einem Tag für ehrenamtlich Engagierte endete am vergangenen Sonntag der Auftritt der vier großen Kirchen auf der Urlaubsmesse CMT.

Die Ränge im Atrium der Messe Stuttgart sind dicht gefüllt. Der Chor „Gospel im Osten“ macht auf der Bühne Stimmung – viele weitere Chormitglieder befinden sich unter den Zuschauenden, alle singen mit, bewegen sich rhythmisch zur Musik und klatschen begeistert in die Hände. Mit diesem Gottesdienst beginnt um neun Uhr der Ehrenamtstag auf der Urlaubsmesse CMT in Stuttgart.

Zum Ehrenamtstag hat die Messe allen katholischen und evangelischen Ehrenamtlichen in Baden-Württemberg freien Eintritt geschenkt. Rund 10.500 von ihnen nehmen die Einladung wahr – etwa viertausend mehr als im Vorjahr. „Die Leute freuen sich über die Wertschätzung, die ihnen entgegengebracht wird“, stellt Anne Lepper von der Fachstelle Ehrenamt der Evangelischen Landeskirche Baden fest. „Denn dadurch wird deutlich, dass es auch andere Akteure in der Gesellschaft gibt, die ihre Arbeit würdigen.“

Die gemeinsame Arbeit christlicher Kirchen auf der CMT zeigt zudem die gelebte Ökumene in Baden-Württemberg. Sie spiegelt sich auch im Gottesdienst wider: Ordinariatsrätin der Diözese Rottenburg-Stuttgart Karin Schieszl-Rathgeb und Kirchenrätin Dr. Evelina Volkmann von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg halten die Predigt im Dialog. Die beiden sprechen über die Bewahrung der Schöpfung, Naturspiritualität und nachhaltigen Tourismus. Denn auch was Reisen angeht, seien Überlegungen zur Nachhaltigkeit wichtig, so Volkmann. Schieszl-Rathgeb betont, dass mit der Würde, die jeder Mensch besitzt, auch eine Verantwortung verknüpft ist: „Wir sind Teil der Schöpfung, aber nicht ihre Besitzerinnen und Besitzer.“

Berührend für Ehrenamtliche

Nach dem Gottesdienst bleiben viele der Zuschauenden noch eine Weile im Atrium, unterhalten sich, sehen bekannte Gesichter. Robert Schmidt aus Waiblingen und Christina Gössel beispielsweise, sie engagieren sich bei „Gospel im Osten“. Für Gössel ist es ein einzigartiger Chor: „Er hat so viel Spirit und Energie, eine hervorragende Gemeinschaft.“

In Baden-Württemberg engagiert sich ein Drittel bis die Hälfte aller Menschen ehrenamtlich in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen. Kirchenmitglieder sind dabei sogar überdurchschnittlich vertreten. Eine davon ist Claudia Häberle, die ehrenamtlich bei der Bahnhofsmission in Aalen arbeitet und sich über die Wertschätzung auf der Messe freut: „Das ist ein tolles Angebot und eine wunderbare Aktion, die hier auf die Beine gestellt wurde.“ Die Rentnerin engagiert sich inzwischen seit 14 Jahren, weil sie etwas zurückgeben möchte: „Mir geht es gut – vielen anderen nicht.“ Manche Menschen kämen bei der Bahnhofsmission nur zu ihr, weil sie jemanden zum Reden bräuchten, berichtet sie: „Ich spüre die Einsamkeit immer mehr in allen Altersgruppen.“

Ein Ort zum Innehalten

Im Laufe des Vormittags kommen immer mehr Menschen auf die Stuttgarter Messe, der Trubel zwischen ausladenden Wohnmobilen, aufgestellten Campingstühlen und Plakaten mit Traumreisen wird größer. Manche Ehrenamtlichen lassen sich treiben, andere steuern gezielt den Stand der Kirchen in Halle 6 an.

Die Evangelische Landeskirche in Baden, die Evangelische Landeskirche in Württemberg, die Erzdiözese Freiburg und die Diözese Rottenburg-Stuttgart haben für ihren Auftritt das Schwerpunktthema „Innehalten in Baden-Württemberg“ gewählt. Viele Besuchende nehmen die gemütlichen Sitzgelegenheiten und ein Glas Wasser dankbar an. „Wir hören oft: Euer Stand ist eine Wohltat“, freut sich Achim Wicker, der dort gerne mit Menschen ins Gespräch kommt. Zusammen mit seiner Kollegin Verena Ernst ist er für den Auftritt der Diözese Rottenburg-Stuttgart auf der CMT verantwortlich.

Bereits ein Blick auf die Broschüren wirkt entspannend: Pilgerwege, Aufenthalte in christlichen Klöstern, Waldbaden und vieles mehr. „Wir zeigen: Kirche hat tolle Angebote für Bereiche, die den Menschen wichtig sind und wie zum Beispiel der Urlaub das Jahr prägen,“ beschreibt Verena Ernst die Bedeutung des Standes auf der CMT. Außerdem werde die kompetente Beratung und kleine Aufmerksamkeiten am Stand wie die Segensbändchen sehr geschätzt: „Wir werden hier als eine Kirche wahrgenommen, die offen und gastfreundlich ist und die Bedürfnisse der Menschen im Blick hat.“

Ehrenamt als Herzensangelegenheit

Am Stand sind heute auch die Mitwirkenden des Gottesdienstes und die Referent:innen der Ehrenamtsfachstellen der vier Kirchen präsent. Martin Fischer von der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist davon überzeugt, dass Gesellschaft und Kirche vom Ehrenamt leben. Diese Art, sich einzubringen hat für ihn eine besondere Qualität: „Es ist freiwillig, kommt von Herzen und entsteht, weil Menschen etwas wichtig ist.“

Das – und wie vielfältig das Engagement ist – bestätigen die Ehrenamtlichen, die sich am Stand einfinden. Annett Siegel pflegt gemeinsam mit ihrer Tochter die Webseite und den Instagram-Kanal ihrer Gemeinde in Göppingen. „Wir müssen etwas tun, damit unsere Arbeit in der Gemeinde gesehen wird – wir brauchen mehr Farbe“, sagt sie.

Maria Johanna Huwe hat es sich auf einem Sitzkissen gemütlich gemacht. Sie erzählt, dass sie sich in Münsingen als Kommunionhelferin und im Kirchenchor engagiert. Ihr gefällt am Chor das Singen an sich, aber auch die großartige Gemeinschaft aus 35 Frauen: „Wir sind in den Jahren zusammengewachsen“, berichtet sie. „Ich mag die Nähe, das Angenommensein, das Dasein-Dürfen, wie man ist. Mein Ehrenamt ist eine Herzenssache.“