Mut machen, weil Gott Wegbegleiter ist
Diesem Leitgedanken und der Frage nach dem besonderen Auftrag eines Marchtaler Internats widmete sich Ordinariatsrätin Ute Augustyniak-Dürr, Leiterin der Hauptabteilung Schulen, in ihrem Grußwort. „Christliche Internatserziehung - das heißt, Kindern und Jugendlichen das tiefe Wissen um ihre Einmaligkeit und ihre besondere Würde zu geben, mit der sie ausgestattet sind, einfach nur weil sie Mensch sind, als Geschöpf Gottes, vor aller Leistung." Gerade vor dem Hintergrund multipler Krisen und Herausforderungen der heutigen Zeit gelte, was das Zweite Vatikanische Konzil zu Beginn der Pastoralkonstitution „Gaudium et spes" als „engste Verbundenheit der Kirche mit der ganzen Menschheitsfamilie formuliert hat, nämlich Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute zu teilen. Das bedeute, „Mut zu machen, weil Gott immer schon an der Seite jedes Menschen steht", als Wegbegleiter auch durch Wüsten in ein gelobtes Land, wie Gott im Exodus versprochen hat. Es gelte, dafür Erfahrungsräume zur Verfügung zu stellen.
Nach den Worten von Augustyniak-Dürr dürfe und müsse es in der Erziehung und Bildung darum gehen, „dass junge Menschen die eigene innere Stimme hören, die ihnen Selbstvertrauen gibt, die sie ihren eigenen unverwechselbaren Weg gehen lässt - und das bedeutet ja nicht ein Kreisen um sich selbst - es geht darum, kongruent mit sich und authentisch in der Welt zu stehen und genau damit einen Beitrag leisten zu können". Auch wenn es mitunter unübersichtlich erscheine, woran sich junge Menschen auf ihrem Lebensweg orientieren sollen, könne das Wesentliche auch ganz einfach ausgedrückt werden - etwa mit den Worten des Priesters, Reformpädagogen und Ordensgründers Johannes Bosco (1815-1888): „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen!“ Die Ordinariatsrätin, die auch die Glückwünsche der Diözesanleitung und des Bischofs überbrachte, dankte allen Verantwortlichen „für die wunderbare Arbeit, die in diesem Internat geleistet wird“.
„Fester Bestandteil des städtischen Lebens“
Ehingens Oberbürgermeister Alexander Baumann würdigte die gute Zusammenarbeit zwischen Stadt und Schule. Das Konvikt Ehingen sei mehr als eine Schule mit Wohnstätte, „es ist ein sozialer, kultureller und geistiger Anker im Herzen unserer Stadt", ein „fester Bestandteil des städtischen Lebens" und habe dazu beigetragen, „dass Ehingen ein Bildungsstandort mit Ausstrahlung geworden ist", sagte Baumann. Das Konvikt stärke „das zivilgesellschaftliche Engagement und den sozialen Zusammenhalt in unserer Stadt. Es ist ein Ort, an dem Werte nicht nur diskutiert, sondern gelebt werden."
Erinnerung, Dank und Anerkennung gelte, wie Weihbischof Renz in seiner Predigt sagte, nicht nur den gegenwärtigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Konvikts, sondern auch den früheren, bereits verstorbenen Menschen, die das Konvikt St. Josef geprägt haben und „so viel von ihrer eigenen Lebenszeit, Energie, Fantasie und Kreativität hier hineingelegt haben, um einen für junge Menschen ganz wichtigen Ort der ganzheitlichen menschlichen Bildung anzubieten" - auch sie seien „heute ganz präsent".
„...noch lange nicht zu Ende geschrieben“
Als einer, der von allen Anwesenden die vielleicht längste Zeit die Geschicke des Konvikts mitgeprägt und eine persönliche Bindung an das Haus hat, skizzierte Prälat Werner Redies, früherer Konviktsdirektor und später als Domkapitular für die Konvikte und Studienheime der Diözese zuständig, die Geschichte und Vorgeschichte des Konvikts, deren Verständnis eng mit den Folgen der Säkularisation verbunden ist. Bestand die Internatsarbeit in seinen Anfängen vor allem darin, Anwärtern für das Priesteramt, meist aus ländlichen Regionen, eine gymnasiale Ausbildung zu ermöglichen, die zu einem Theologiestudium befähigte, erfuhr die Einrichtung aufgrund des sich ändernden Bildungsverständnisses eine Öffnung auch für „Nicht-Theologen" und entwickelte sich immer mehr zu einem modernen und weltoffenen kirchlichen Internat.
Mit einem bunten Programm - Führungen, Darbietungen, Musik und vieles mehr - feierte die große Schulfamilie des Konvikts das Jubiläum „in Dankbarkeit, in Freude und im Bewusstsein, dass diese 200 Jahre nicht das Ende einer Geschichte sind, sondern ein lebendiges Kapitel in einem Buch, das noch lange nicht zu Ende geschrieben ist", so Konviktsdirektor Krickl.