Umwelt

"Eindeutig in Richtung Wärmepumpe"

Gebäudeenergieberater Dieter Zelmer

Gebäudeenergieberater Dieter Zelmer spricht im Interview über die Optimierung von Heizungen bei den Kirchengemeinden der Diözese.

Die Bedeutung eines Niedertemperatur-Konzepts und die oft falsch eingestellten Heizzeiten sind zwei der Themen, die der Energieberater im Interview anspricht. Im Rahmen der mehrmals jährlich stattfindenden "Begehungswochen" besucht Zelmer Kirchengemeinden, analysiert und begleitet.

Herr Zelmer, erläutern Sie uns doch bitte kurz das Prinzip der Begehungswochen.

Die Begehungswochen werden von Daniela Kübler aus der Hauptabteilung VIII b - Kirchliches Bauen im Bischöflichen Ordinariat terminiert. Zu den Terminen werden immer die Verantwortlichen der Kirchengemeinde benötigt, die Zugang zu allen Räumen haben und Fragen beantworten können. Im Vorfeld wird ein Fragebogen an die Kirchengemeinde gesendet, in dem Angaben zum Gebäude und der Heizungsanlage gemacht werden können. Mit diesen Angaben und den Personen vor Ort begehen wir dann das Gebäude und sehen uns die Heizungsanlage an.

Und was konkret geschieht dabei?

Die für uns wichtigen Einstellungen werden geprüft und wenn möglich werden Heizkessel, Pumpen und Mischer schon gleich so eingestellt, dass die Heizungsanlage effizienter betrieben werden kann, ohne dass es zu einem Komfortverlust im Gebäude kommt. Am Ende der Begehung wird noch ein Anlagensteckbrief mit den momentanen Einstellungen der Regelung an die Heizung befestigt. Zusätzlich wird das Gebäude bereits auf die Möglichkeit einer Niedertemperatur-Nutzung mit einer Wärmepumpe geprüft. Zur sicheren Beurteilung muss im Anschluss dafür ein Heizungskonzept auf Basis des Gebäude-Ist-Zustands von uns erstellt werden. Dabei analysieren wir die Möglichkeiten der Umstellung der Heiztechnik auf erneuerbare Energie, in erster Linie mittels einer Wärmepumpe und den dafür notwendigen Veränderungen am Gebäude und an der Technik. Im Anschluss einer Begehungswoche wird dann eine Video-Konferenz mit den Zuständigen aus den Verwaltungszentren, den Kirchengemeinden und dem Bauamt vereinbart. Hier werden alle Berichte der Gebäude nochmals durchgesprochen und die gemachten Empfehlungen erläutert und eventuell bereits abgesegnet.

Was sind die Schwachstellen, die Sie am häufigsten bei den Erstbegehungen feststellen?

Die häufigsten Schwachstellen sind zu hoch eingestellte Raumtemperaturen, Heizkurven und falsch regulierte Pumpen. Die Heizzeiten entsprechen oft nicht den Nutzungszeiten und sind viel zu lange eingestellt. Werksseitig sind die Heizzeiten so zumeist von 6 bis 22 Uhr an sieben Tagen in der Woche eingestellt. Nicht selten widerspricht das aber den wirklichen Nutzungszeiten der Gebäude - beispielsweise wenn es sich um einen Kindergarten handelt. Die Vorlauftemperatur während der Nachtabsenkung ist sehr oft auch zu hoch eingestellt. Das ist auch bei neu installierten Heizungsanlagen oftmals der Fall.

Lassen sich fühlbare Energieeinsparungen schon bei einer Erstbegehungen erreichen? 

Bei jeder Erstbegehung stellen wir die bereits genannten Parameter ein, so dass die Heizungsanlage sofort weniger Energie verbraucht. Zudem geben wir in unserem Bericht eine prognostizierte Energieeinsparung aus. Diese Einsparung kann bis zu 30 Prozent betragen.

Welche Maßnahmen haben aus Ihrer Sicht das größte Potenzial?

Das sind die richtigen Einstellungen, der Abgleich mit den Nutzungszeiten, die Anpassung der Raum-Solltemperaturen sowie die Beratung der Personen vor Ort.

Wie geht die Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden für Sie dann im Anschluss weiter?

Es gibt eine Nachbesprechung der Berichte per Video-Konferenz und es erfolgt eine Auswahl der Maßnahmen, die zusätzlich umgesetzt werden sollen, wie zum Beispiel der hydraulische Abgleich, das Erstellen eines Heizungskonzepts oder der Austausch von Thermostatköpfen. Für den hydraulischen Abgleich und das Heizungskonzept erfolgen weitere Termine in der Kirchengemeinde, die von uns direkt mit der Kirchengemeinde abgesprochen werden. Die Kirchengemeinde bekommt dann einen Bericht und eine Stückliste zur Angebotseinholung beim Heizungsbauer. Diese Angebote werden dann von uns geprüft und freigegeben. Die Umsetzung des hydraulischen Abgleichs wird von uns im Anschluss durch eine Qualitätskontrolle überprüft. Die Kosten für die genannten Maßnahmen werden vom bischöflichen Bauamt übernommen.

Fallen durch Ihre Beratung Kosten für die Kirchengemeinden an?

Für die Kirchengemeinden fallen keine Kosten an, da die Erstbegehungen und die genehmigten Maßnahmen vom bischöflichen Bauamt getragen werden.

Wohin entwickelt sich die Heiztechnik aus Ihrer Sicht und kann es für die Kirchengemeinden auch sinnvoll sein, die bestehende Technik zu optimieren anstelle auf eine neue Heiztechnik umzusatteln?

Die Entwicklung geht ganz eindeutig in Richtung Wärmepumpe und wo diese nicht eingesetzt werden kann zu einer Pellet-Heizung. Es gibt allerdings noch recht neue Anlagen, die nicht gleich ersetzt werden, da zu neu. Hier empfehlen wir aber oft gleich eine zusätzliche Wärmepumpe zu installieren, die dann 80 Prozent der Heizzeiten übernimmt und der bestehende Kessel als Spitzenlastkessel weiterverwendet wird.

Und weshalb geht die Entwicklung – wie Sie sagen – klar in Richtung Wärmepumpe?

Weil das momentan die effizienteste und umweltfreundlichste Art ist, ein Gebäude mit Wärme zu versorgen. Voraussetzung ist der hydraulische Abgleich, bei dem der Wärmebedarf jedes einzelnen Raumes ermittelt wird. Dadurch wissen wir dann, wie groß die Wärmepumpe sein muss. Im Idealfall gibt es dann eine Wärmepumpe in Verbindung mit einer Photovoltaikanlage, um so die CO2-Emission möglichst gegen Null zu bringen.

Welche Bedeutung hat das Heizungsoptimierungsprogramm der Diözese aus Ihrer Sicht für das ausgerufene Ziel der Klimaneutralität bis 2040?

Mit unserer Begehung erreichen wir im Durchschnitt eine Einsparung von 10 Prozent. Werden weitere Empfehlungen aus den Begehungen umgesetzt erhöht sich der Wert entsprechend. Somit ist das Heizungsoptimierungsprogramm in der Masse an Gebäuden ein wichtiger Beitrag das ausgerufene Ziel der Klimaneutralität bis 2040 zu schaffen.

Und inwiefern spielt die energetische Gebäudeoptimierung aus Ihrer Sicht eine Rolle beim laufenden diözesanen Gebäudereduzierungsprozess ‚Räume für eine Kirche der Zukunft‘?

Für die Verwaltungsstellen und Kirchengemeinden sind die durch die Begehung erzeugten Berichte und dann natürlich angeforderte Niedertemperatur-Konzepte ein wichtiges Entscheidungskriterium geworden, um Gebäude noch besser einstufen zu können. Für die Entscheider in den entsprechenden Gremien sind die von uns gemachten Empfehlungen sehr hilfreich, da wir Anlagentechnik und Gebäudesubstanz, also den energetischen Zustand, betrachten.

Zur Person

Dieter Zelmer ist Gebäudeenergieberater und seit 2011selbstständig in VS-Tannheim tätig. Zuvor arbeitete er zehn Jahre als Kundendiensttechniker bei einem Heizungs- und Sanitärunternehmen. Neben der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist Zelmer seit 2015 auch für die evangelische Landeskirche in Baden sowie für andere katholische Diözesen tätig sowie bundesweit auch für die DHL.

Zum Hintergrund

Pro Jahr bietet die Diözese Rottenburg-Stuttgart ihren Kirchengemeinden fünf Begehungswochen an. Jährlich können auf diesem Weg rund 350 Gebäude optimiert werden. 2025 ist für die 39. Kalenderwoche die nächste Begehungswoche vorgesehen und für 2026 sind bereits Begehungen in den Kalenderwochen sechs, 16, 27 sowie 40 geplant. Interessierte werden zur Kontaktaufnahme via E-Mail gebeten an: Bauamt-Klimaschutz@bo.drs.de