Kirchenmusik

Eine unglaubliche Liebe zur Musik

Nach mehr als einem halben Jahrhundert Kirchenmusik in der Wiblinger Basilika unter seiner Leitung gibt Wolfgang Treß das Amt des Chorleiters ab. Seinen Dienst an der Orgel setzt er fort. Foto: Sarah Scharpf

„Die Musik hört niemals auf.“ Nach 51 Jahren übergibt Wolfgang Treß den Wiblinger Basilikachor in jüngere Hände – und bleibt als Organist erhalten.

Wie bei vielen Komponisten, die „S.D.G.“ unter ihre Werke schrieben, ist das „Soli Deo Gloria“ (Allein Gott die Ehre) Motiv und Antrieb für das unermüdliche Schaffen von Wolfgang Treß. So bot das Fest Kreuzerhöhung, an dem das Mysterium Jesu Christi – sein Gottsein, seine Hingabe in der Menschwerdung, sodann seine Erniedrigung am Kreuz, die Erhöhung zu Gott und das universale Lob seines Namens – in komprimierter Form erinnert und gefeiert wird, einen passenden Rahmen, um den „Chordirektor DCV“ zu ehren und aus dem Dienst als Chorleiter zu verabschieden. Teile einer Messe von Charles Gounod, „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ von Joseph Haydn, ein Stück aus Wiblinger Handschriften sowie ein selbst komponiertes Kreuz-Lied hatte Treß für diesen besonderen Gottesdienst, bei dem traditionell die Gläubigen mit dem in der Basilika verehrten Kreuzpartikel gesegnet werden, ausgewählt.

„Wiblinger Kirchenkonzerte“ ins Leben gerufen

In Wiblingen ist Treß eine Institution. Viele Familien hat der pensionierte Grundschullehrer quasi über Generationen in Freud und Leid auch musikalisch begleitet – bei Hochzeiten, Taufen der Kinder und Beerdigungen der Eltern. „Viele Chormitglieder hatten ihn auch schon als Lehrer. Bei vielen Paaren, die im Chor singen, kamen später auch die Kinder und singen immer noch“, erzählt Sarah Scharpf, Orgel-Kollegin und in organisatorischen Dingen „rechte Hand“ von Treß. Einzelne erinnern sich sogar noch an den Vater Gebhard Treß, von dem er 1971 den Chor übernahm. „Von Ulm bis zum Bodensee gibt es wohl keinen Chorleiter in meinem Alter“, sagt er nachdenklich und dankbar.

Die beliebte Reihe der „Wiblinger Kirchenkonzerte“ mit dem Basilikachor, Solisten und Orchestermusikern hat Treß ins Leben gerufen. In 57 Konzerten erklang eine Vielzahl an großen Oratorien, Kantaten und Messen. Mindestens einmal im Monat war der Basilikachor im Gottesdienst zu hören. 43-mal fand das „Wiblinger Adventssingen“ statt, das weit in die Region ausstrahlt.

„Komm einfach und hab ‘ne gute Zeit im Chor“

Sein Erfolgsrezept als Chorleiter? „Die Leute spüren, dass er eine unglaubliche Liebe zur Musik hat und dass das von Herzen kommt“, sagt Sarah Scharpf. In den Proben könnten die Sängerinnen und Sänger den Stress des Arbeitstages leicht vergessen, weil es gelte: „Komm einfach und hab ‘ne gute Zeit im Chor“. Jeder und jede solle und dürfe singen, was er und sie kann – „auf die Freude kommt es an“. Viele Menschen habe er mit seiner Liebe zur Musik angesteckt. Dabei seien die Chormitglieder für ihn nicht nur einfach Stimmen gewesen. „Es war ihm immer auch wichtig, Menschen in besonderen Situationen zu helfen.“

Auch mit 81 Jahren bildet die Musik den Rahmen jedes Tages von Wolfgang Treß. „Er steht auf und denkt: ‚Meine Musik‘. Und er geht am Abend zu Bett und denkt: ‚Das war heute alles musikalisch.‘ Ganz viele Alltagssituationen stehen für ihn unter einem musikalischen Aspekt“, weiß Sarah Scharpf zu berichten. Sie verrät auch, dass Wolfgang Treß seinen Vornamen dem Umstand verdankt, einen Tag nach Mozart Geburtstag feiern zu können. Nicht von ungefähr sei Mozart auch sein Lieblingskomponist.

Abschiedsabend mit dem Basilikachor

In dieser Woche ist noch ein Abschiedsabend mit dem Basilikachor geplant. Ob Treß künftig mehr Zeit für seinen Garten und für Lektüre haben wird – der scheidende Chordirektor interessiert sich unter anderem auch für Theologie –, ist allerdings fraglich. Denn als Organist wird Wolfgang Treß auch weiterhin zu hören sein. Bis heute gestaltet er jeden Monat etwa 20 Gottesdienste an der Orgel und ist von Mai bis Oktober immer mittwochs am Mittag im (evangelischen) Ulmer Münster zu hören.

Beim Orgeldienst bringt es Wolfgang Treß übrigens auf sage und schreibe 64 Jahre. Die Musik hört eben niemals auf.

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