Rückgang von Mitgliedern und sinkende Kirchensteuereinahmen fordern Änderungen
Am Anfang und Ende steht dabei ein kraftvolles Begriffstrio, das die innere Mitte der Vision benennt: jesusmäßig – geistesgegenwärtig – gottvertrauend.
Basierend auf den Visionsbausteinen stellt sich die Diözese den kommenden Herausforderungen. „Die Rahmenbedingungen fordern eine klare Reaktion: Der Rückgang von Mitgliedern, die sinkenden Kirchensteuereinnahmen und die bis 2039 erwartete Halbierung des pastoralen Personals verlangen entschlossene Schritte“, betont Bischof Klaus Krämer. Es geht jedoch nicht um ein bloßes „Weniger“ – sondern um ein verantwortetes und hoffnungsvolles „Anders“.
Pastoraltheologe Prof. Dr. Bernhard Spielberg, der den Prozess theologisch begleitet, formulierte es in seinem Vortrag so: „Das Kleinerwerden darf nicht nur ertragen, sondern muss gestaltet werden.“
Steuerungskreis koordiniert Projekte
Damit diese Gestaltung erfolgreich gelingen kann, hat Bischof Krämer im April einen Steuerungskreis eingerichtet, in welchem Mitglieder der Diözesanleitung und des Diözesanrats vertreten sind. Der Steuerungskreis koordiniert alle Projekte, die der Prozess umfasst und achtet darauf, dass sie ineinandergreifen.
So auch bei den Projekten „Räume für eine Kirche der Zukunft“, das bereits 2024 gestartet ist und „Seelsorge in neuen Strukturen“, das beim Diözesanrat ausführlich vorgestellt wurde und mit dessen Modellen sich die Räte intensiv beschäftigten. Diese Modelle wurden unter Berücksichtigung des Kirchenrechts und unterschiedlicher Kriterien vom Kernteam „Raumschaft, Struktur, Leitung“ erarbeitet und den Räten vorgestellt. Die Größe künftiger Raumschaften wurde beispielhaft in drei Vergleichsgrößen anschaulich gemacht, für die Gestaltung der Strukturen vor Ort wurden die Modelle „Union“ und „Fusion“ vorgestellt und für die Ausgestaltung künftiger Leitungsmodelle vier Optionen aufgezeigt.
Leitung mit Pfarrbeauftragtem-Team denkbar
Künftig möchte die Diözese Leitungsmodelle in geteilter Verantwortung verwirklichen und dabei den kirchenrechtlichen Möglichkeiten, im Blick auf Pfarrbeauftragte nach Can 517 § 2 CIC ausschöpfen. Das heißt, es wäre beispielsweise Leitung mit einer/einem Pfarrbeauftragten möglich, bei dem diese/r alle Aufgaben eines leitenden Pfarrers übertragen bekäme, die nicht an die Weihe gebunden sind. Die Letztverantwortung würde einem moderierenden Priester übertragen. Auch wäre die Leitung mit Pfarrbeauftragtem-Team denkbar. Innerhalb des Teams könnten bestimmte Bereiche einer Person übertragen werden.
Kirche bleibt weiterhin nahe bei den Menschen
Und im Hinblick auf die Modelle „Union“ und „Fusion“ stellte der Stuttgarter Stadtdekan Dr. Christian Hermes, klar: „Eins muss hier immer wieder und nachhaltig betont werden, wir sprechen nicht über die Auflösung von kirchlichem Leben vor Ort, sondern über die Neustrukturierung öffentlich-rechtliche Körperschaften. Es wird nach wie vor Orte der Seelsorge vor Ort geben, wo Kirche präsent und nahe bei den Menschen bleibt. Wie diese Orte genau aussehen sollen, können die Menschen vor Ort gestalten.“
Um die Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Seelsorge an vielen Orten gelingen kann, wurde das Kernteam „Pastorale Felder und Schwerpunkte“ eingerichtet. Auch diese Gruppe stellte beim Diözesanrat erste Zwischenergebnisse vor, wie Seelsorge der Zukunft auf Basis der neuen Vision künftig ausgestaltet werden kann.
Breit angelegtes Informations- und Beteiligungsverfahren
In einer Kleingruppenarbeit der Räte, die von Expert:innen begleitet war, wurden vielerlei Anmerkungen und wichtige Hinweise gesammelt, die nun in die Weiterarbeit der Kernteams einfließen werden. Ziel ist es bis zur nächsten Sitzung des Diözesanrats, die Ende November 2025 stattfinden wird, ein breites Stimmungsbild möglichst vieler Haupt- und Ehrenamtlicher aus den Gemeinden, Einrichtungen, und Verbände und auch von interessierten Einzelpersonen zu erhalten. Hierzu findet ein breit angelegtes Informations- und Beteiligungsverfahren statt.
Online-Veranstaltungen und Erklärvideo
Dafür werden bestehende Präsenztermine genutzt und zahlreiche Online-Veranstaltungen angeboten. Im Anschluss an die Präsenz- und Onlineveranstaltungen erhalten die Teilnehmer:innen einen QR-Code, mit dem sie zur Umfrage gelangen, in welcher sie ihre Meinung zu den angedachten Modellen abgeben und weitere Anmerkungen in den Prozess einfließen lassen können.
Die ersten Termine finden bereits im Juli statt. Interessierte können sich hier ab dem 1. Juli 2025 für die Informationsveranstaltung anmelden.
Ab 7. August 2025 steht ein Erklärvideo zu den Modellen zur Verfügung, das auch bei Veranstaltungen vor Ort gezeigt werden kann.
Kirche entwickelt sich mit den Menschen weiter
Die Diözese Rottenburg-Stuttgart stellt sich mit Mut, Entschlossenheit und einem offenen Herzen den tiefgreifenden Veränderungen der Gegenwart und denkt dabei die Zukunft mit. Mit dem Entwicklungsprozess „Kirche der Zukunft“ wurde ein umfassender und geistlich fundierter Entwicklungsprozess angestoßen, der zeigt: Kirche, ist lebendig, lernfähig – und bereit, sich gemeinsam mit den Menschen und für sie weiterzuentwickeln.
Kirche entsteht dort, wo Menschen sich engagieren, ihre Fähigkeiten einbringen und darauf vertrauen, dass Gottes Geist sie auf neuen Wegen begleitet.