Kirche der Zukunft

Kirche für morgen, gestaltet im Heute

In der Junisitzung des Diözesanrats wurde in Kleingruppen am Entwicklungsprozess gearbeitet. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Ines Szuck

Am letzten Juniwochenende 2025 sind Diözesan- und Priesterrat im Kloster Untermarchtal zur turnusmäßigen Diözesanratssitzung zusammengekommen.

Der Prozess „Kirche der Zukunft“ umfasst derzeit die Projekte „Räume für eine Kirche der Zukunft“, „Mittelfristige Finanzplanung“, „Digitalisierung Phase 1“ sowie das Projekt „Seelsorge in neuen Strukturen“. Über dieses Projekt und die damit verbundenen Möglichkeiten zur Gestaltung von Raumschaften, neuen pastoralen Räumen sowie Leitungsmodellen tauschten sich die Räte in intensiven Gesprächen aus. Am Ende der Sitzung sprachen sich die Mitglieder des Diözesanrats einstimmig dafür aus, den vorgeschlagenen Weg weiterzugehen.

Bischof Dr. Klaus Krämer hob in seiner Begrüßung die spirituelle Dimension des Prozesses hervor: „Getragen von einem tiefen Vertrauen in Gottes Gegenwart und geleitet von der Überzeugung, dass Kirche auch unter veränderten gesellschaftlichen, finanziellen und demografischen Bedingungen nah bei den Menschen bleiben kann, machen wir uns mit dem Entwicklungsprozess "Kirche der Zukunft“ auf den Weg und stellen im synodalen Miteinander heute die Weichen für morgen.“
 

„Unsere Visionsbausteine sind kein rein strategisches Papier, sondern ein geistlicher Kompass“
Bischof Dr. Klaus Krämer


Zentral sei während des gesamten Entwicklungsprozesses die synodal erarbeitete Vision der Diözese, die den ganzen Prozess durchdringen soll. Sie gelte es nicht nur im Blick, sondern auch im Herzen zu behalten. „Unsere Visionsbausteine sind keine rein strategischen Überlegungen, sondern geistlicher Kompass, der all unsere Schritte – gerade auch für und in die Zukunft begleitet“, so Bischof Krämer.

Die Grundlage bilden wichtige Sätze aus dem Evangelium

Grundlage der Visionsbausteine sind das Auferstehungsevangelium. Unter den Fragestellungen: Was ist uns wichtig? Woraus leben wir eigentlich – und was braucht die Kirche heute? generierten im Januar verschiede Gruppen – darunter Priesterrat, Pastoralausschuss, Finanzausausschuss und Dekanatsleitungen im Zuge einer Bibelarbeit wichtige Sätze aus dem Evangelium. Die Ergebnisse wurden verdichtet auf 15 Sätze. Diese Sätze wurden anschließend in die Diözesanratssitzung im März 2025 eingebracht – und dort in synodaler Gruppenarbeit weiter konzentriert. In einem weiteren Schritt entwickelte ein kleines Redaktionsteam rund um Bischof Krämer sieben Begriffspaare und ein Begriffstrio.

Offen, lebendig und verwurzelt im Glauben

Gemeindereferentin Ursula Renner, selbst Teil des Redaktionsteams, beschreibt die Entstehung so: „Unsere Visionsbausteine sind aus dem Wort Gottes gewachsen – im Hören auf das Auferstehungsevangelium, im gemeinsamen Ringen darum, was dieses Wort heute für uns bedeutet. Besonders die Jugend hat uns das Wort ‚jesusmäßig‘ eingebracht, das herausfordert, das anstößt – und genau das wollten wir: eine Motivation, die nicht einfach nur sagt, was ist, sondern die zum Aufbruch ruft. Keine fertige Antwort, sondern eine Einladung, im Licht des Evangeliums unsere Kirche mitzugestalten. Offen, lebendig, verwurzelt im Glauben – und getragen von der Hoffnung, die uns Christus zugesagt hat. Es hat uns Glücklich gemacht, diese Visionsbausteine gemeinsam zu entwickeln. Und ich bin überzeugt, dass sie in die Zukunft tragen.“ Die gesamte Entwicklung fand in theologischer Begleitung statt.

Das Ergebnis dieses intensiven Weges fand im Juni 2025 vom Diözesanrat breite Zustimmung: Visionsbausteine, die keine engen Vorgaben macht, sondern Raum lassen – zum Nachdenken, zum Weiterdenken, zum Mitgestalten. Im Zentrum stehen sieben Begriffspaare, die die Haltungen und Handlungsweisen der „Kirche der Zukunft“ umreißen:

nächstenlieb – hoffnungsvoll
glaubwürdig – heilsam
nachhaltig – erfinderisch
hilfreich – erreichbar
sinnstiftend – segensreich
schützend – stützend
vielseitig – vernetzt

Diese Worte sind nicht dogmatisch, sondern inspirierend gemeint. Sie laden Gemeinden, Gruppen und Einzelne ein, ihr eigenes Wirken im Licht dieser Impulse weiterzuentwickeln – frei, kreativ und im Vertrauen auf Gottes Geist.

Rückgang von Mitgliedern und sinkende Kirchensteuereinahmen fordern Änderungen

Am Anfang und Ende steht dabei ein kraftvolles Begriffstrio, das die innere Mitte der Vision benennt: jesusmäßig – geistesgegenwärtig – gottvertrauend.

Basierend auf den Visionsbausteinen stellt sich die Diözese den kommenden Herausforderungen. „Die Rahmenbedingungen fordern eine klare Reaktion: Der Rückgang von Mitgliedern, die sinkenden Kirchensteuereinnahmen und die bis 2039 erwartete Halbierung des pastoralen Personals verlangen entschlossene Schritte“, betont Bischof Klaus Krämer. Es geht jedoch nicht um ein bloßes „Weniger“ – sondern um ein verantwortetes und hoffnungsvolles „Anders“.

Pastoraltheologe Prof. Dr. Bernhard Spielberg, der den Prozess theologisch begleitet, formulierte es in seinem Vortrag so: „Das Kleinerwerden darf nicht nur ertragen, sondern muss gestaltet werden.“

Steuerungskreis koordiniert Projekte

Damit diese Gestaltung erfolgreich gelingen kann, hat Bischof Krämer im April einen Steuerungskreis eingerichtet, in welchem Mitglieder der Diözesanleitung und des Diözesanrats vertreten sind. Der Steuerungskreis koordiniert alle Projekte, die der Prozess umfasst und achtet darauf, dass sie ineinandergreifen. 

So auch bei den Projekten „Räume für eine Kirche der Zukunft“, das bereits 2024 gestartet ist und „Seelsorge in neuen Strukturen“, das beim Diözesanrat ausführlich vorgestellt wurde und mit dessen Modellen sich die Räte intensiv beschäftigten. Diese Modelle wurden unter Berücksichtigung des Kirchenrechts und unterschiedlicher Kriterien vom Kernteam „Raumschaft, Struktur, Leitung“ erarbeitet und den Räten vorgestellt. Die Größe künftiger Raumschaften wurde beispielhaft in drei Vergleichsgrößen anschaulich gemacht, für die Gestaltung der Strukturen vor Ort wurden die Modelle „Union“ und „Fusion“ vorgestellt und für die Ausgestaltung künftiger Leitungsmodelle vier Optionen aufgezeigt. 

Leitung mit Pfarrbeauftragtem-Team denkbar

Künftig möchte die Diözese Leitungsmodelle in geteilter Verantwortung verwirklichen und dabei den kirchenrechtlichen Möglichkeiten, im Blick auf Pfarrbeauftragte nach Can 517 § 2 CIC ausschöpfen. Das heißt, es wäre beispielsweise Leitung mit einer/einem Pfarrbeauftragten möglich, bei dem diese/r alle Aufgaben eines leitenden Pfarrers übertragen bekäme, die nicht an die Weihe gebunden sind. Die Letztverantwortung würde einem moderierenden Priester übertragen. Auch wäre die Leitung mit Pfarrbeauftragtem-Team denkbar. Innerhalb des Teams könnten bestimmte Bereiche einer Person übertragen werden.

Kirche bleibt weiterhin nahe bei den Menschen

Und im Hinblick auf die Modelle „Union“ und „Fusion“ stellte der Stuttgarter Stadtdekan Dr. Christian Hermes, klar: „Eins muss hier immer wieder und nachhaltig betont werden, wir sprechen nicht über die Auflösung von kirchlichem Leben vor Ort, sondern über die Neustrukturierung öffentlich-rechtliche Körperschaften. Es wird nach wie vor Orte der Seelsorge vor Ort geben, wo Kirche präsent und nahe bei den Menschen bleibt. Wie diese Orte genau aussehen sollen, können die Menschen vor Ort gestalten.“

Um die Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Seelsorge an vielen Orten gelingen kann, wurde das Kernteam „Pastorale Felder und Schwerpunkte“ eingerichtet. Auch diese Gruppe stellte beim Diözesanrat erste Zwischenergebnisse vor, wie Seelsorge der Zukunft auf Basis der neuen Vision künftig ausgestaltet werden kann.

Breit angelegtes Informations- und Beteiligungsverfahren

In einer Kleingruppenarbeit der Räte, die von Expert:innen begleitet war, wurden vielerlei Anmerkungen und wichtige Hinweise gesammelt, die nun in die Weiterarbeit der Kernteams einfließen werden. Ziel ist es bis zur nächsten Sitzung des Diözesanrats, die Ende November 2025 stattfinden wird, ein breites Stimmungsbild möglichst vieler Haupt- und Ehrenamtlicher aus den Gemeinden, Einrichtungen, und Verbände und auch von interessierten Einzelpersonen zu erhalten. Hierzu findet ein breit angelegtes Informations- und Beteiligungsverfahren statt.

Online-Veranstaltungen und Erklärvideo

Dafür werden bestehende Präsenztermine genutzt und zahlreiche Online-Veranstaltungen angeboten. Im Anschluss an die Präsenz- und Onlineveranstaltungen erhalten die Teilnehmer:innen einen QR-Code, mit dem sie zur Umfrage gelangen, in welcher sie ihre Meinung zu den angedachten Modellen abgeben und weitere Anmerkungen in den Prozess einfließen lassen können.

Die ersten Termine finden bereits im Juli statt. Interessierte können sich hier ab dem 1. Juli 2025 für die Informationsveranstaltung anmelden. 

Ab 7. August 2025 steht ein Erklärvideo zu den Modellen zur Verfügung, das auch bei Veranstaltungen vor Ort gezeigt werden kann.

Kirche entwickelt sich mit den Menschen weiter

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart stellt sich mit Mut, Entschlossenheit und einem offenen Herzen den tiefgreifenden Veränderungen der Gegenwart und denkt dabei die Zukunft mit. Mit dem Entwicklungsprozess „Kirche der Zukunft“ wurde ein umfassender und geistlich fundierter Entwicklungsprozess angestoßen, der zeigt: Kirche, ist lebendig, lernfähig – und bereit, sich gemeinsam mit den Menschen und für sie weiterzuentwickeln.

Kirche entsteht dort, wo Menschen sich engagieren, ihre Fähigkeiten einbringen und darauf vertrauen, dass Gottes Geist sie auf neuen Wegen begleitet.

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