Sanierung

Energetisch und behindertengerecht

V.l.: Dominik Weiss und Bernhard Bayer. Foto: Stadtdekanat Stuttgart

Grundlegende Sanierungsarbeiten: Am Pfingstsonntag wird in der Kirche Mariä Himmelfahrt in Degerloch der vorerst letzte Gottesdienst gefeiert.

Die Kirche wird in den nächsten anderthalb Jahren innen grundlegend saniert. Da der Altar in das Kirchenschiff gerückt und neu gestaltet wird, gehört zum vorerst letzten Gottesdienst auch die Profanierung des Altars. Die denkmalgeschützte Kirche wird nicht nur energetisch saniert, sondern auch umgestaltet. Zudem bekommt die Kirche einen direkten Zugang zum Friedhof. Bernhard Bayer, der Vorsitzende der Gesamtkirchengemeinde Johannes XXIII. freut sich: „Wir bekommen eine hellere, freundlichere, behindertengerecht ausgestattete Kirche für die Gemeinde und für das benachbarte TrauerZentrum.“ Der Gottesdienst am Pfingstsonntag, 19. Mai, beginnt um 14.30 Uhr. Bereits um 11 Uhr lädt die Gemeinde zum Gemeindefest, bei dem die Umbaumaßnahmen vorgestellt werden.

Die Profanierung eines Altars ist auch für den leitenden Pfarrer Dominik Weiß ein besonderes Ereignis: „Wir werden im Gottesdienst den Altar abdecken und die Reliquie feierlich herausholen“, erklärt der leitende Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde Johannes XXIII. Am Ende des Gottesdienstes am Pfingstsonntag wird die Gemeinde in einer Prozession aus der Kirche ausziehen. Auch wenn der vorerst letzte Gottesdienst mit Abschied verbunden ist, freut sich Pfarrer Dominik Weiß über den Umbau. „Die sanierte Kirche gibt uns mehr Möglichkeiten für liturgische Feiern, weil wir räumlich sehr viel flexibler sein werden.“ Dazu zählt auch, dass es keine festen Kirchenbänke mehr geben wird, sondern Stühle, die je nach Bedarf umgestellt werden können.

Bei der Sanierung ist Nachhaltigkeit wichtig

Umgebaut wird nach den Plänen des Architekturbüros Schneider Hoffmann aus Karlsruhe, die im Oktober 2021 den ersten Preis im Architektenwettbewerb gewonnen haben. In die Planungen eingeflossen sind sowohl die Wünsche und Bedürfnisse der Gemeinde als auch die des TrauerZentrums, das die Kirche Mariä Himmelfahrt verstärkt auch für spirituelle Angebote nutzen wird. Zu den Umbauten gehört die Neugestaltung des Chorraumes sowie die Neugestaltung und Versetzung des Altares in das Kirchenschiff. „Damit bin ich als Pfarrer jetzt auch räumlich sehr viel näher an der Gemeinde, das ist ein wichtiges Zeichen“, sagt Dominik Weiß. Zudem werden die Decken und Wände neu gestrichen, der Bodenbelag erneuert, die Beleuchtung wird auf LED umgestellt und ist damit deutlich energiesparender. Auch die Heizung wird energetisch saniert: Die Beheizung erfolgt zukünftig mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe, die Wärmeverteilung erfolgt mit einer wassergeführten Fußbodenheizung, womit der Energiebedarf um zirka 71 Prozent gesenkt werden kann. Für mehr Nachhaltigkeit wird auch die Photovoltaikanlage sorgen, die auf dem Kirchendach mit idealer Ausrichtung nach Süden installiert wird. Veränderungen stehen auch im Eingangsbereich an: Dieser wird behindertengerecht umgebaut, hierfür wird im Kircheninnenraum ein kleiner Aufzug eingebaut. Die Natursteinfassade muss ausgebessert werden genauso wie der Glockenstuhl.

Chorbogen wird verlängert und zum Omega geformt

Zu den größeren Veränderungen in der Kirche gehört die Neugestaltung des Chorraumes, der vorhandene Bogen wird zu einem Omega weitergeführt. Der Blick auf das Mosaik des Künstlers Wilhelm Geyer, das die Himmelfahrt Mariens zeigt, bleibt erhalten. Der Bogen aber bekommt eine weitere symbolische Ebene. Auch das Alpha, der erste Buchstabe des griechischen Alphabets, wird im Eingangsbereich in die Raumgestaltung aufgenommen. „Der Kirchenraum nimmt mit dem Alpha und Omega eine tiefe religiöse Symbolik auf, die an den Lebensanfang und das Lebensende erinnern“, sagt der Vorsitzende Bernhard Bayer. Der Chorraum wird durch die Verlängerung des Bogens stärker zu einem eigenen Raum, der für Meditationen, Andachten und andere Angebote des TrauerZentrums genutzt werden kann.

Kirche bekommt direkten Zugang zu Pfarrgarten und Friedhof

Die Kirche Mariä Himmelfahrt bekommt zudem einen direkten Zugang zum Friedhof, der über den Pfarrgarten führen wird. Im Pfarrgarten wird eine atriumförmige Sitzgelegenheit geschaffen, so dass auch der Garten für spirituelle Angebote genutzt werden kann. „Die umgebaute Kirche schenkt der Gemeinde und dem TrauerZentrum räumlich viele neue Möglichkeiten, die bis in den Pfarrgarten hinein reichen“, so Pfarrer Weiß. Der gewählte Vorsitzende Bernhard Bayer blickt bereits weiter in die Zukunft: „Wir feiern im 2027 das 100-jährige Jubiläum der Kirche. Bis dahin haben wir die sanierte Kirche dann schon mit all ihren Facetten erlebt und erkundet.“ Die Kosten für die Sanierung der Kirche sind mit 2,75 Millionen Euro angesetzt, von denen die Gemeinde Mariä Himmelfahrt etwa 120 000 Euro über Spenden aufbringen muss. In den Kosten enthalten ist auch die Neugestaltung von Altar, Ambo, Taufbecken und Tabernakel. Teile des jetzigen Altars werden in den neuen eingearbeitet, dasselbe passiert auch mit dem Ambo. Die Reliquie, die aus dem bestehenden Altar herausgenommen wird, geht in der Zeit des Umbaus in das Rottenburger Diözesanarchiv. Die Kirchenbänke, den Tabernakel und den Osterleuchter übernimmt eine katholische Gemeinde in Kroatien.

Mit dem Umbau wird auch die Orgel erneuert. Die jetzige Weigle-Orgel erklingt am Pfingstsonntag zum letzten Mal. Ein Teil der Orgelregister wird in die neue Orgel eingebaut. Mit dem Neubau der Orgel sind die Leonberger Firma Mühleisen sowie der Orgelbauer Tilman Trefz aus Kernen beauftragt. Die mit 450 000 Euro veranschlagten Kosten für die neue Orgel trägt die Gemeinde Mariä Himmelfahrt komplett selbst.

Zur Geschichte der Kirche

Die Kirche wurde von Hugo Schlösser entworfen und gebaut und am 30. Oktober 1927 von Bischof Keppler geweiht. Die ursprüngliche Kirche hatte ein Spitztonnengewölbe aus Holz, expressionistische Schmuckelemente und eine entsprechende Farbgestaltung der Decke, die dem Stil der Zeit entsprachen. Bei einem Luftangriff in der Nacht vom 25. auf den 26. Juli 1944 werden der Dachstuhl und die Kirchendecke ebenso wie die Turmspitze zerstört. Beim Wiederaufbau nach dem Krieg, der im Dezember 1948 abgeschlossen ist, werden Flachdecken im Altarraum und im Kirchenschiff eingebaut, der Altarraum höhergelegt und zusätzliche Stufen angebracht sowie ein Chorbogen zwischen Altarraum und Kirchenschiff eingezogen. 1960 wurde der Altarraum neugestaltet und das Mosaik von Wilhelm Geyer entstand. Im Seitenschiff wurden bunte Glasfenster eingebaut, die ebenfalls von Geyer entworfen wurden und die bis heute erhalten sind und bleiben. 1972 wurde der Altarraum ausgehend von der Liturgiereform des zweiten Vatikanischen Konzils erneut umgebaut.

Gemeindefest und Gottesdienst am Pfingstsonntag

Das Gemeindefest beginnt am 19. Mai bereits um 11 Uhr im Alten Pfarrhaus in der Karl-Pfaff-Straße 44, in dem auch das TrauerZentrum beheimatet ist. Lisa Schneider und Peter Hoffmann vom Karlsruher Architekturbüro Schneider Hoffmann werden den Umbau vorstellen und Fragen dazu beantworten. Im Anschluss gibt es einen Mittagsimbiss und Kaffee und Kuchen.

Der Gottesdienst mit dem leitenden Pfarrer Dominik Weiß beginnt dann um 14.30 Uhr und wird begleitet von Regionalkantor Tobias Wittmann an der Orgel und dem Projektchor der Kirchengemeinde und dem Bläserquartett. Die musikalische Leitung hat Maximilian Hutzler.

In dem Gottesdienst wird der Altar profaniert, da dieser neu gestaltet und versetzt wird. Nach dem Gottesdienst bleibt Zeit für weitere Begegnungen.

Weitere Nachrichten

Diakon
Weibischof Matthäus Karrer weiht in der Konkathedrale St. Eberhard in Stuttgart neun Männer zu Ständigen Diakonen.
Weiterlesen
Kultur
Um Herz und Horizont zu weiten und mit Begegnungen und Erfahrungen zu füllen, sind ehemalige Mitarbeitende der Diözese nach Ellwangen gereist.
Weiterlesen