Umwelt

Energiesparen ist möglich

Energiedaten veröffentlicht

Klimaschutzmanagerin Rebecca Liedtke spricht über die Entwicklung der Energiedaten von Gebäuden in der Diözese. Bild: Luisa Weinig / Diözese Rottenburg-Stuttgart

Weniger Strom- und Heizenergieverbrauch: Dieses Ziel verfolgt die katholische Kirche in Württemberg nicht erst seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs.

Bereits mit dem im Jahr 2017 verabschiedeten Klimaschutzkonzept wurden beispielsweise Gelder für energetische Sanierungen zur Verfügung gestellt. Von den rund 5.500 Gebäuden im kirchlichen Besitz werden für rund die Hälfte gezielt Energiedaten erfasst. Deren Entwicklung beobachtet die diözesane Klimaschutzmanagerin Rebecca Liedtke. Im Interview spricht sie über die Auswertung und Trends und gibt Tipps, wie Kirchengemeinden vor Ort Energie einsparen können.

Frau Liedtke, die Diözese Rottenburg-Stuttgart wertet seit dem Jahr 2015 die Energiedaten ihrer Gebäude aus – also von Kirchen, Gemeindehäusern, Kindergärten, Pfarrhäusern & Co. Sie können so auf die Energiedaten von rund 2.000 Gebäuden zugreifen – sowohl im Hinblick auf den Strom- als auch den Energieverbrauch für die Heizung via Gas, Strom, Öl, Fernwärme oder Pellets. Wie hat sich der Energieverbrauch in den sieben Jahren von 2015 bis 2021 verändert?

Der Energieverbrauch der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist zwischen den Jahren 2015 und 202 relativ konstant geblieben. Das Jahr mit den höchsten Verbräuchen ist 2017, danach ist ein leichter Rückgang erkennbar. Wesentlich weniger Energie wird erst im Jahr 2021 verbraucht. In dieser Zeit ist die Anzahl der Gebäude im Besitz der Kirchengemeinden nahezu konstant. Während im Bereich der Kindergärten Einrichtungen erweitert wurden und eine Zunahme der Flächen stattfindet, setzt bei den Gemeindehäusern eine Reduktion der Flächen ein.

Bei den für die Beheizung verwendeten Energiearten ist Gas nach wie vor der wichtigste Energieträger; auch Strom spielt insbesondere im Bereich der Kirchen eine wichtige Rolle. Während der Anteil an Ölheizungen seit dem Jahr 2016 stetig zurückgeht, steht der Umstieg von Gasheizungen auf erneuerbare Energieträger noch weitestgehend aus. Trotz des gleichbleibenden Energieverbrauchs in der Diözese reduzierten sich die CO2- Emissionen bereits 2017 bis 2020, da der Anteil an erneuerbaren Energien am Strommix in Deutschland zugenommen hat und weniger Ölheizungen betrieben werden.

Am höchsten ist der Rückgang des Energieverbrauchs im Jahr 2021. Welche Rolle spielt hier die Corona-Pandemie – auch im Vergleich zum Jahr 2020? Damals gab es bereits erste Lockdowns mit geschlossenen Kirchen und Kindergärten. Gleichwohl sind die Verbrauchzahlen nur geringfügig kleiner als im letzten Vorkrisenjahr 2019.

Im Jahr 2020 ist zwar der Stromverbrauch in den Gebäuden zurückgegangen, jedoch ist der Heizenergieverbrauch nahezu gleich geblieben. Daraus haben wir den Schluss gezogen, dass die Beheizung der Gebäude nicht an die reduzierte Nutzung angepasst wurde und gleichzeitig bei Benutzung von Räumen bei laufender Heizung intensiv gelüftet wurde. Der Rückgang der Energieverbräuche im Jahr 2021 ist vermutlich auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. Dazu zählt unter anderem das die Beheizung der Gebäude der reduzierten Nutzungsintensität unter Corona angepasst wurde. Dazu beigetragen hat eine Handreichung zur Temperierung von Kirchen unter Corona-Bedingungen, die im Sommer 2020 veröffentlicht wurde. Diese empfiehlt, die Heizungen in Kirchen während des Gottesdienstes selbst nicht zu betreiben. Zudem gehen wir davon aus,  dass der Rückgang der Energieverbräuche auch mit den intensiven Bemühungen für den Klimaschutz zusammenhängt. Seit 2019 gibt es zwei Klimaschutzmanagementstellen in der Diözese, die unter anderem Förderprogramme für Heizungsoptimierung, Beleuchtungserneuerung, Photovoltaik und E-Mobilität auf den Weg gebracht haben. Dadurch hat der Klimaschutz in der Diözese noch einmal an Stellenwert gewonnen. Der Rückgang der Energieverbräuche ist daher  auch auf ein gesteigertes Bewusstsein für Klimawandel und der vielfältigen Förderung über den Nachhaltigkeitsfonds und die kleineren Förderprogramme zurückzuführen. Aufschluss dazu werden zudem die Energiedaten der kommenden Jahre geben.

Was können Kirchengemeinden tun, um ihren Energieverbrauch zu reduzieren?

Ein wichtiger Startpunkt für die Reduktion der Energieverbräuche ist, diese kontinuierlich zu erfassen. Dadurch tun sich in den meisten Fällen bereits erste Einsparpotential auf. Für die Erfassung steht den Kirchengemeinden das grüne Datenkonto zur Verfügung. Auf der Website des Bauamts ist eine Energiesparcheckliste zu finden. Damit können Energiesparpotentiale gefunden werden, die keiner Investition benötigen. Beispiele dafür sind verstellte Heizkörper oder laufende Kühlschränke, die nicht benötigt werden. Als nächster Schritt können Maßnahmen umgesetzt werden, die mit geringen Investitionen verbunden sind, dazu zählt etwa die Umstellung der Beleuchtung auf LED und die Optimierung der Heizungsanlage. Langfristig sollte sich die Gemeinden Gedanken über ihren Gebäudebestand machen. Welche Gebäude benötigt die Kirchengemeinde, wo können Kooperationen eingegangen werden, um die Auslastung der Gebäude zu erhöhen, und können die Gebäude energetisch saniert und die Heizung auf erneuerbare Energie umgestellt werden.

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