Weltkirche

Engagement der Weltkirche für das gemeinsame Haus

Ehemalige Kindersoldaten in Goma/ Kongo. Foto: Alexander Bühler / Caritas international

Dr. Oliver Müller, Leiter von Caritas International, mit dem Projektleiter von Caritas Goma, aufgenommen bei seinem Besuch 2024, einem gemeinsamen Projekt der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit Caritas International. Foto: Dr. Oliver Müller, Caritas International

In über 80 Ländern weltweit fördert die Abteilung Weltkirche in der Diözese soziale und pastorale Projekte und bekämpft dadurch auch Fluchtursachen.

Am liebsten leben Menschen in ihrer eigenen Heimat. Vorausgesetzt, ihre Existenz ist nicht bedroht und sie haben ein menschenwürdiges Leben. Flucht ist der letzte, oft lebensgefährliche Ausweg aus Krieg, Terror, Verfolgung, Naturkatastrophen und extremer existenzbedrohender Not, wenn kein Schutz mehr in der Heimat existiert. Es ist immer eine radikale Entscheidung. 

Nah an der Lebenswirklichkeit der bedürftigen Menschen 

Um Menschen auf der Flucht in Form von Nothilfe zu unterstützen oder aber direkt in der Heimat soziale und pastorale Projekte zu fördern hat die Hauptabteilung Weltkirche in der Diözese Rottenburg-Stuttgart ein weltweites Netzwerk mit weltkirchlichen Partnern gebildet, die mit den Bedürfnissen der Notleidenden vor Ort vertraut sind. Besonders effektiv ist weltkirchliche Hilfe deshalb, weil die Kirche vor Ort, mit ihren caritativen Einrichtungen nah an der konkreten Lebenswirklichkeit der bedürftigen Menschen ist und auch bleibt, nachdem die Berichterstattung über die humanitäre Katastrophe in den Medien verklungen ist. 

Investitionen in das gemeinsame Haus 

„Es ist wichtig, Menschen auf der Flucht in Form von Nothilfe zu helfen. Letztendlich kommt es aber darauf an, dass wir mit den Projekten, die wir unterstützen, dazu beitragen, benachteiligten und bedrohten Menschen an allen Orten ein lebenswürdiges Leben zu ermöglichen. Man kann dies als „Investitionen in das gemeinsame Haus“ verstehen, wie Papst Franziskus in „Laudato Si“ die Erde als gemeinsamen Lebensraum der Menschen nennt“, erklärt Dr. Wolf-Gero Reichert, Geschäftsführer der Hauptabteilung Weltkirche in der Diözese. 

Bekämpfung von Fluchtursachen – aber nicht nur 

Um konkrete Projekte zu ermöglichen arbeitet die Weltkirche mit verschiedenen Budgets. Sie bietet konkrete Hilfe für Menschen auf der Flucht an, engagiert sich gegen Klimawandel und für Klimagerechtigkeit, unterstützt die Bildung und die Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen und begleitet pastorale Entwicklungsprozesse und kleine christliche Gemeinschaften weltweit. Somit werden Projekte vor Ort unterstützt und Ursachen bekämpft, die Menschen zwingen, ihre Heimat zu verlassen. Für Dr. Reichert ist Fairness das oberste Gebot: „In einem gemeinsamen Haus geht es nicht darum, den Kindern im ersten Obergeschoss eine Küche einzubauen, damit sie oben bleiben. Es geht um ein gutes Miteinander im gemeinsamen Haus“. 

Anpacken und Lösungen anbieten, wo Hilfe benötigt wird

Ein Beispiel für konkrete Hilfe der Weltkirche vor Ort 


Der Internationale Gedenktag gegen den Einsatz von Kindersoldat:innen findet weltweit jedes Jahr im Februar statt. An diesem Tag wird an das Schicksal der hunderttausenden Kinder weltweit erinnert, die als Soldat:innen zu Kampfeinsätzen, in Kriegen und bewaffneten Konflikten gezwungen werden. Kinder, die ihre Unschuld verlieren, ihre Kindheit und ihre Stimme. 

Menschenrechtsverletzungen gegenüber Kindern 

Eins der zahlreichen Projekte, die von der Diözese Rottenburg-Stuttgart unterstützt werden, führt uns in die Demokratische Republik Kongo, wo grausame Konflikte bewaffneter Gruppen um Territorien, Ressourcen und politischen Einfluss seit Jahrzehnten zu schweren Menschenrechtsverletzungen führen – vor allem gegenüber Kindern. Diese werden als Soldat:innen und Kämpfer:innen rekrutiert, in gefährliche Minen geschickt, und als Spion: innen, Köch: innen oder sexuelle Sklav:innen eingesetzt. Die Rekrutierung erfolgt meist unter Zwang oder Täuschung. Die Kinder erleiden schwere Traumata. Selbst Kinder, die nicht selbst kämpfen müssen, leiden stark unter Vertreibung, Verlust von Angehörigen, sexuelle und körperliche Gewalterfahrungen und Schulabbruch. Hinzu kommen Naturkatastrophen, Epidemien und massive Bevölkerungsbewegungen, der Schutzvorfälle gegenüber Kindern erhöht. Pro Jahr sind es laut UNO allein in der Demokratischen Republik Kongo fast 6000 schwere Kinderrechtsverletzungen – Tendenz steigend. Ein wirksamer Kinderschutz muss sowohl präventiv als auch nachhaltig sein. 

Umfangreiche Aufgaben sind nur mit Partnern vor Ort realisierbar 

Der Ansatz des Partners der Hauptabteilung Weltkirche, die Caritas der Diözese Goma, beinhaltet die Prävention von Rekrutierung, psychosoziale und medizinische Betreuung, Familienzusammenführung sowie die soziale und wirtschaftliche Reintegration der betroffenen Kinder. Hinzu kommt die Verpflegung der Kinder mit Lebensmitteln, Kleidung, Hygieneartikeln und Schulmaterialien. Zusätzlich ermöglicht das Projekt berufliche Ausbildungsmaßnahmen sowie Bildungsunterstützung für ehemalige Kindersoldaten und andere gefährdete Kinder. Alle Maßnahmen erfolgen in enger Abstimmung mit nationalen und lokalen Behörden sowie bestehenden Gemeindeschutzmechanismen. 

Jährlich nimmt die Kirche in Goma über 300 Kinder auf, denen die Flucht gelungen ist. Dr. Reichert versichert, auch angesichts knapper Kassen: „Die Kirche weltweit wird mit diesen Projekten weitermachen. Diese Hilfsprojekte gehören zur DNA der Kirche. Die eigentlichen Helden sind aber die Partner vor Ort, die mit ganz wenig ganz viel ermöglichen.“

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