Festival

Engagierte junge Leute „drehen durch“

Die Band Brassbrutal bringt die jungen Leute zum Tanzen - Foto: DRS/Waggershauser

Bands und DJ heizen beim Propellerfestival im Allgäu den Ehrenamtlichen in der Jugendarbeit ordentlich ein.

Samstagabend, 18 Uhr. Die Kühe grasen gemütlich auf der Weide vor dem Hofgut Durrenberg bei Wangen. Irgendwie passen die Blechblasinstrumente, die von der Bühne zwischen dem schmucken Bauernhaus und der Scheune herübertönen, ins Allgäuidyll. Doch der Sound lässt aufhorchen. Zusammen mit E-Gitarre und Bass spielt „Brassbrutal“ Partyhits wie „Blue“ von Eiffel 65 oder „Narcotic“ von Liquido. „Wir wollen nicht irgendein Musikfest machen“, sagt Georg Wößner. „Wir wollen gezielt für die, die das ganze Jahr ehrenamtlich aktiv sind, ein Dankeschön anbieten“, erklärt der Jugendseelsorger im Dekanat Allgäu-Oberschwaben.

Als die Gruppe aus dem Raum Memmingen loslegt, geht es auf dem Zeltplatz hinter dem Stall noch entspannt zu. Junge Leute chillen, quatschen miteinander. Es fällt ihnen sichtlich schwer, sich aus den Liegestühlen aufzuraffen, bis Kumpels zum Aufbruch auffordern. Vor der Bühne packt der Rhythmus die Teilnehmenden dann aber ohne Aufwärmphase. Sie reißen die Hände nach oben und hüpfen im Takt. Neun Ministrant:innen aus Mariazell bei Rottweil stechen dabei mit ihren roten T-Shirts besonders ins Auge. Sie hatten eine Mitorganisatorin des Propellerfestivals auf dem Stuttgarter Katholikentag getroffen und waren bereits bei der Premiere im letzten Jahr dabei.

Nicht nur kirchlich Engagierte

„Gute Stimmung, gute Musik, gutes Essen,“ bringt Magdalena das Propellerfestival auf den Punkt. Die kirchlich engagierte Freiburgerin kam über ihre Schwester hierher. Im Gegensatz zu der 22-Jährigen reisten die meisten Mitfeiernden wie die Wangener Jakob und Bernhard aus der Region Bodensee-Oberschwaben zu dem etwas abgelegenen Hofgut an. Es seien auch die Jugendabteilungen von Feuerwehr, Rotem Kreuz und DLRG da, verrät Amelie Widenhorn und verweist auf die bewusste Kooperation mit dem Kreisjugendring Ravensburg. „Ich finde es einfach cool, was wir hier mit einem Team von Ehrenamtlichen geschafft haben“, freut sich die Jugendreferentin, bei der in der Vorbereitung die Fäden zusammenliefen.

Georg Mehr, Hausherr von Durrenberg, ist gerade mit dem Bühnenaufbau für den zweiten Act „Good Weather Forecast“ beschäftigt. Filia Maier lebt mit ihm auf dem Hof. „Es ist echt cool, hier mal was anderes zu haben als bloß Landwirtschaft“, freut sie sich. Und sie erzählt von Max Ott, der vor zehn Jahren im Jugendreferat des Dekanats Allgäu-Oberschwaben ein freiwilliges soziales Jahr gemacht hatte. Heute gehört Max zum Team von „Soundtec - Licht. Ton. Medien.“, das Landwirt Georg Mehr betreibt. Als dieser von der Idee des Propellerfestivals hörte, bot er seinen Hof an. Vier Tage lang hätten die Familie und Ehrenamtliche bis spät in den Abend die Location hergerichtet, verrät Filia Maier.

Platz für noch mehr

Bevor die Musiker von „Raum27“, im Line-up Nummer drei, starten, bringen ein kurzer Regenschauer und ein Stromausfall etwas Hektik ins Geschehen. Die Teilnehmenden haben sich größtenteils in ihre Zelte verzogen, um Regenjacken zu holen. Mit etwas Verspätung kann die Band aus dem hohen Norden der Republik dann doch starten. Nach kürzester Zeit ist die Stimmung wieder auf dem Höhepunkt. Der Hofraum hätte noch viel mehr Menschen Raum geboten. Trotz intensiver Werbung sei es heutzutage schwierig, die jungen Leute direkt zu erreichen und verbindliche Zusagen zu bekommen, weiß Amelie Widenhorn. Ohne die Projektstelle Junge Erwachsene der Diözese und die Jugendstiftung „just“ als Sponsoren wäre das Festival nicht zu stemmen.

Während DJ NBEE den nächtlichen Durrenberg zum Beben bringt, sind die Anstrengungen längst vergessen, mit denen sich verschiedene Teams bereits am Nachmittag bei Geschicklichkeitsspielen gemessen haben. Konrad Krämer denkt dagegen schon an den Sonntagmorgen. Der Friedrichshafener Jugendseelsorger und die Band „bergbandkollektiv“ werden dann mit einem Gottesdienst in der Maschinenhalle des Hofguts das Festival beschließen. Und was hat es mit dem Propeller auf sich? „Wir sind zusammengesessen und haben gebrainstormt“, erinnert sich Georg Wößner an die Anfänge. Dann habe einer gemeint: „Lass uns einfach durchdrehen.“ Und womit? „Mit einem Propeller“, war die Antwort. „Propellermütze drauf und zack: So war das geboren.“

Propellerfestival 2023: Kurz reinhören?

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