Der Martinsumzug in Heilbronn ist für Philipp Dylewski immer ein fester Termin. Seit Jahren spielt er den Bettler, mit dem Martin seinen Mantel teilt. Der 30-Jährige erzählt, wieso es ihm wichtig ist, in dieser Rolle regelmäßig mitzumachen.
Herr Dylewski, beim Martinsumzug kauern Sie mit offenen Schuhen, einer zerschlissenen Hose und einem löchrigen Hemd auf dem Heilbronner Kiliansplatz. Wie sehr frieren Sie an dem Herbstabend?
Es geht. Ich habe vorher eine dicke Jacke an, die ich im letzten Moment ausziehe. Ich trage außerdem immer ein Thermoshirt unten drunter.
Der Darsteller oder die Darstellerin des heiligen Martin erscheint beim Umzug in römischer Soldaten-Montur hoch zu Ross. Sind Sie gar nicht neidisch auf die Martinsrolle?
Nein, überhaupt nicht. Die Geste des Teilens ist dabei das Wichtigste. Mir geht es darum, den Kindern zu zeigen, was Teilen bedeutet.
Wie sind Sie zu der Rolle des Bettlers gekommen?
Ich weiß, dass ich in der Zeit meiner Ausbildung angefangen habe. Ich wurde angefragt, als mein Vorgänger aufgehört hat. Das ist mittlerweile mehr als zehn Jahre her.
Welche Bedeutung hat der Martinsumzug für Sie?
Mir ist es wichtig, gerade den Kindern die Geschichte darzustellen. In unserer heutigen Gesellschaft lernen sie das Teilen oft nicht mehr. Dabei tut es gut, etwas zurückgeben zu können. Wir sind nach wie vor ein reiches Land, uns geht es besser als vielen anderen.
Hätten Sie nicht trotzdem Lust, einmal den Martin zu spielen?
Ich bleibe lieber der Bettler.
Sie machen also auch diesmal wieder mit?
Ich bin wieder mit dabei. Das Wetter sieht bisher auch ganz gut aus. Letztes Jahr gab es Regen. Es war richtig eklig.




