Pater Philipp Jeningen

Auf dem Weg zur Seligsprechung Pater Philipps

Pater Philipp Jeningen. Holzschnitt von Hans Scheble (1904-1994). Foto: Wolfgang Steffel

Die vier Wochen bis zur Seligsprechung von Pater Philipp am 16. Juli laden dazu ein, die Person Philipp Jeningen besser kennenzulernen.

Warum wird Pater Philipp Jeningen seliggesprochen und was bedeutet das für die Diözese Rottenburg-Stuttgart und für gläubige Menschen ganz persönlich? Die „Exerzitien im Alltag“, die am 19. Juni beginnen, laden dazu ein, den Spuren Philipp Jeningens zu folgen, mit ihm auf Jesu Wegen zu gehen und sich mit einer großen geistigen Gemeinschaft auf die Seligsprechung vorzubereiten.

Exerzitien sind geistliche Übungen; sie wollen dazu anregen und anleiten, Christsein im „wirklichen“ Leben einzuüben. Die „action spurensuche“, eine geistliche Bewegung auf den Spuren des „guten Pater Philipp“, hat dazu ein umfangreiches Begleitbuch erstellt und bietet Gruppentreffen in Präsenz sowie als Video- oder Telefonkonferenz an, um auf dem Exerzitienweg persönliche Erfahrungen auszutauschen, sich gegenseitig zu fördern und zu ermutigen.

„Vier Wochen wollen wir uns auf diesen Weg des Übens und Einübens, der Stille und des Gebetes, der Meditation, der Glaubensvergewisserung, Glaubensstärkung und -vertiefung einlassen“, schreibt Markus Krämer vom Leitungsteam der „action spurensuche“. „Wir werden in dieser Zeit unseren gewohnten Alltag umgestalten, um tägliche Zeiten für diese Exerzitien im Alltag zu schaffen. Unser Alltag geht in dieser Zeit weiter und doch wird er sich durch die Exerzitien im Alltag verändern, er wird uns ein großer Zugewinn werden können, wenn wir uns bewusst und mit voller Kraft darauf einlassen.“

Der gute Pater Philipp – Ein Seliger für heute

Als Volksmissionar war Pater Philipp Jeningen im 17. Jahrhundert in Ellwangen und der weiten Umgebung tätig. Der aus Eichstätt stammende Jesuit wirkte zunächst als Lehrer in Mindelheim und Dillingen, ehe er 1680 nach Ellwangen gesandt wurde. Als Beichtvater vor allem im Marien-Wallfahrtsort auf dem Schönenberg sowie in der Stiftskirche, der heutigen Basilika St. Vitus, sah er seine Aufgabe darin, „dem Nächsten Gott, Jesus und die Gottesmutter ins Herz einzuprägen“, ihn aus der Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit herauszuführen und ihm zu einem herzlichen, von Herzen kommenden Verhältnis zu Gott, Jesus Christus und der Gottesmutter zu verhelfen.

Aus dem Wallfahrtsseelsorger wurde immer mehr ein Volksmissionar, der zu den Menschen ging. In einer Zeit, die ähnliche Krisensymptome zeigte wie die heutige – Priestermangel und „Wüstenerfahrungen“ im Glauben – besuchte er zwischen 1680 und 1704 um die 1000 Orte, um die Gegenwart Gottes den Menschen ganz sichtbar vor Augen zu stellen. Den Nöten der Zeit – auch als Folge von Pest und Krieg – setzte er Anteilnahme, Gottvertrauen und Aufbauarbeit entgegen. Sein Motto „Alles zur größeren Ehre Gottes“ leitete er vom Wahlspruch des Ordensgründers Ignatius ab.

Mit der Seligsprechung von Pater Philipp Jeningen (1642-1704) am 16. Juli in Ellwangen geht ein lang gehegter Wunsch vieler Menschen in Ellwangen und Umgebung, aber auch in anderen Teilen der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Erfüllung. Seit seinem Tod 1704 ist die Verehrung des „guten Pater Philipp“ nie erloschen; bis heute ist sein Grab in der Liebfrauenkapelle der Basilika St. Vitus in Ellwangen eine vielbesuchte Stätte des Gebets und der Fürbitte.

Glaube, Hoffnung, Liebe, Demut

In vier thematischen Wochen geht es um Glaube, Hoffnung, Liebe und Demut - zentrale christliche Tugenden, die sich im Leben Pater Philipps beispielhaft widerspiegeln. Mit dem Begleitbuch können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer drei Eigenzeiten am Tag gestalten: ein Morgengebet, einen frei zu wählenden Zeitraum mit Wahrnehmungsübungen, einem Tagesimpuls aus der Bibel oder durch Worte Pater Philipps sowie einen Tagesrückblick. „Bei unseren Exerzitien im Alltag können wir den Spürsinn für Gottes Zeichen mitten im Leben schulen“, sagt Dr. Wolfgang Steffel vom Leitungsteam der „action spurensuche“. „Wir spüren in uns hinein. Das regelmäßige Innehalten erhöht unsere Hörbereitschaft.“

Der Volksmissionar Pater Philipp Jeningen erinnert auch an die Bedeutung einer gerade auch in der heutigen Zeit notwendig gewordenen Neuevangelisierung. Bischof Dr. Gebhard Fürst, der sich auch persönlich mit Pater Philipp in mehrfacher Weise verbunden fühlt, sagte in seiner Neujahrsansprache: „Seine Seligsprechung weist darauf hin, dass durch Menschen, die ihr ganzes Leben für das Evangelium einsetzen, wieder Hoffnung und Zuversicht in die Welt kommen können.“

Vespergottesdienst zum Start

Zum Beginn der Exerzitien findet am Sonntag, 19. Juni, um 18 Uhr ein Vespergottesdienst in der Basilika St. Vitus in Ellwangen mit Stadtpfarrer Prof. Dr. Sven van Meegen statt. Er führt auch in die erste Exerzitienwoche ein. Weitere Vespergottesdienste an den folgenden Sonntagen mit wechselnden Predigern, ebenfalls in St. Vitus, stimmen jeweils in die weiteren Wochenthemen ein.

Die Gruppentreffen werden in Ellwangen und in Ulm angeboten und finden am Donnerstag jeder Woche um 19.30 Uhr statt: im Jeningenheim in Ellwangen und parallel im Bischof-Sproll-Haus in Ulm, Olgastr. 137. Alternativ gibt es Gruppentreffen per Telefon- und Videokonferenz, und zwar im Wechsel zwischen Dienstag und Mittwoch um 20 Uhr.

Info und Download

Das Begleitbuch zu den Exerzitien im Alltag gibt es hier zum Download. Es kann auch über das Dekanat Ehingen-Ulm, Telefon (0731) 9206010, E-Mail: dekanat.eu@drs.de kostenfrei angefordert werden. 

In dem Buch wird der Ablauf und die Struktur der Exerzitien im Alltag erklärt und ein Einstieg in die jeweiligen thematischen Wochen geboten. Wahrnehmungsübungen können dabei helfen, still zu werden. Neben Gebeten und Liedern bietet der Band auch eine ausführliche Vita Jeningens und eine Spurensuche an wichtigen Orten in seinem Leben, die die Person, den Menschen und den Jesuiten Philipp Jeningen spürbar und greifbar machen wollen. Außerdem finden sich alle Informationen zu Terminen der Vorbereitung und zum Wochenende der Seligsprechung. Veranstalter der Exerzitien im Alltag ist die ignatianische Bewegung „action spurensuche“.

Programm der Seligsprechung

Am Samstag, am 16. Juli, zelebriert Marcello Kardinal Semeraro, Präfekt der Selig- und Heiligsprechungskongregation, zusammen mit mehreren Bischöfen das Pontifikalamt zur Seligsprechung auf dem Marktplatz vor der Basilika St. Vitus in Ellwangen. Beginn ist um 9.15 Uhr mit einem musikalischen Auftakt und Empfang durch Bischof Dr. Gebhard Fürst. Nach der Seligsprechung sind alle Mitfeiernden zum Mittagessen auf dem Marktplatz eingeladen. Abends um 19 Uhr findet eine Marienvesper auf dem Schönenberg statt.

Das Festwochenende beginnt bereits am Freitagabend, 15. Juli, um 21 Uhr mit einer Lichterprozession vom Schönenberg zur Basilika St. Vitus. Am Sonntag, 17. Juli, findet um 10 Uhr ein weiteres Pontifikalamt am Bergaltar am Schönenberg statt (parallel dazu Kinderkirche); im Anschluss gibt es Mittagessen auf dem Kirchplatz. Ein Vespergottesdienst um 18 Uhr in St. Vitus rundet das Festprogramm zur Seligsprechung ab.

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