Die Männerarbeit in der Diözese Rottenburg-Stuttgart feiert ein besonderes Jubiläum: Zum 80. Mal lädt die Diözese Männer aller Generationen zum traditionellen Männertag ein. Unter der Überschrift „Fest verankert!? Haltepunkte für Männer in bewegten Zeiten“ kommen von Samstag bis Sonntag, 18. bis 19. Oktober 2025, im Bildungsforum Kloster Untermarchtal über 100 Männer zusammen, um Impulse zu empfangen, sich auszutauschen und Perspektiven für ein christlich geprägtes Leben in herausfordernden Zeiten zu gewinnen.
Ordinariatsrätin Karin Schieszl-Rathgeb, Leiterin der Hauptabteilung „Kirche und Gesellschaft“ im Bischöflichen Ordinariat der Diözese Rottenburg-Stuttgart, unter deren Dach die Männerarbeit beheimatet ist, betont die Bedeutung der Männerarbeit. Die katholische Männerarbeit in der Diözese Rottenburg-Stuttgart habe tiefe Wurzeln: „Schon in den 1930er- und 40er-Jahren stellten sich Männer wie Alfred Delp und Rupert Mayer mutig gegen den Nationalsozialismus. Sie gelten bis heute als Vorbilder für die Männertage, die seit 1946 in der Diözese stattfinden.“ Damals habe Bischof Joannes Baptista Sproll nach Krieg und Zerstörung „seine katholischen Männer“ zum Wiederaufbau von Gesellschaft, Kirche und Familien aufgerufen. Heute, 80 Jahre später, stehe die Welt erneut im Umbruch: Gesellschaftliche Unsicherheiten, politische Spannungen sowie persönliche Krisenerfahrungen und Rollenkonflikte stellten Männer vor neue Herausforderungen.
Verantwortung für ein friedliches Miteinander
Christian Kindler, Fachreferent in der Hauptabteilung „Kirche und Gesellschaft“ und Verantwortlicher für die zweitägige Veranstaltung in Untermarchtal, betont: „Mit dem Männertag greifen wir als Kirche Themen auf, die Männer als Teil der Gesellschaft umtreiben. Es geht nicht nur um Befindlichkeiten, sondern darum, wie wir uns als christliche Männer heute den Herausforderungen stellen und Verantwortung für ein friedliches Miteinander übernehmen. Der Männertag ist im Grunde exemplarisch für nachhaltige kirchliche Männerarbeit: Beratung und Vernetzung der Akteure, gegenseitige Stärkung im offenen Austausch und vor allem ein Ort für spirituelle Erfahrungen.“ Gerade angesichts gesellschaftlicher Polarisierungen und sogenannter „toxischer Männlichkeiten“ sei diese Arbeit auch in Zukunft für den gesellschaftlichen Zusammenhalt unverzichtbar – und in Zusammenarbeit mit der katholischen Erwachsenenbildung, Dekanaten sowie ökumenischen Partnern gut möglich.
Zahlreiche Workshops
Höhepunkt des zweitägigen Programms werde ein Impuls von Bruder Josef van Scharrel, Benediktiner aus dem Kloster Nütschau bei Hamburg, sein, der mit dem Männerhaus St. Raphael einen Ort geschaffen hat, an dem Männer in Krisenzeiten Halt und Orientierung finden. „Er wird über ‚Haltepunkte im Leben von Männern‘ sprechen“, sagt Kindler. Darüber hinaus erwarte die Teilnehmer zahlreiche Workshops zu Themen wie: „Resilienz und Balance im Alltag“, „Gelassenheit und innere Stärke“, „Krisen als Chance begreifen“ sowie „Umgang mit Trauer und Verlust“. Neben inhaltlichen Impulsen biete der Männertag außerdem viel Raum für persönlichen Austausch und Vernetzung – ein wesentliches Element, das die Männerarbeit seit jeher prägt.
Festliches Abendprogramm zum Jubiläum
Und auch das Jubiläum „80 Jahre Männertage“ wird an dem Wochenende feierlich begangen werden: Mit Sekt, Torte, Musik und einem festlichen Abendprogramm blicken die Teilnehmenden zurück auf die Anfänge der Männertage – und nach vorn auf die Zukunft. Im Gespräch mit Gästen – unter anderem nehmen zwei ehemalige Diözesanmännerseelsorger teil – werden Perspektiven für die Männerarbeit beleuchtet und neue „geistliche Haltepunkte“ für die kommenden Jahre in den Blick genommen.
So knüpft der 80. Männertag an die Tradition an, die Bischof Sproll 1946 begründet hat: Männer zu ermutigen, ihren Platz in Kirche, Familie und Gesellschaft verantwortungsvoll einzunehmen. Für die Zukunft lautet die Botschaft – heute wie damals: Fest verankert sein – aus christlichem Glauben, in Gemeinschaft und in der Zuversicht, dass Männer dazu beitragen können, gesellschaftlichen Zusammenhalt und gerechte Teilhabe für alle zu ermöglichen.



