Film & Fernsehen

Film thematisiert Missbrauch in der Kirche

Nach der Filmaufführung kommt es zu einer Diskussion. Bild: Nicole Uhde

Nachdem dem gemeinsamen Anschauen des Film diskutieren Regisseur Gerd Schneider (Mitte) und Dekan Anton Bock über ihre Eindrücke und stehen bereit für Fragen aus dem Publikum. Die Moderation des Abends liegt bei Iris Müller-Nowack (links), Leiterin der Katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis Freudenstadt. Bild: Nicole Uhde

Vorführung von „Verfehlung“ und anschließende Diskussion mit Regisseur Gerd Schneider und Dekan Anton Bock.

Mehr als 50 Personen sind am Dienstagabend der Einladung des Katholischen Dekanats Freudenstadt, der Katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis Freudenstadt sowie der Psychologischen Beratungsstelle Horb gefolgt und sahen sich im Subiaco-Kino Freudenstadt den Film „Verfehlung“ an.

Der aus dem Jahr 2015 stammende Film thematisiert den Umgang der Kirche mit sexuellem Missbrauch. Der Inhalt ist wie folgt: Drei miteinander befreundete Pfarrer würden alles füreinander tun. Doch als Dominik in den Verdacht gerät, einen Jungen „berührt“ zu haben, gerät die Kameradschaft aus den Fugen. Während Oliver darauf beharrt, Dominik sei das „Opfer einer Falschbeschuldigung“, gibt sich Jakob damit nicht zufrieden. Der Gefängnisseelsorger beginnt, Nachforschungen anzustellen und findet mehr heraus als ihm lieb ist. 

Der Film zeigt eindrücklich die verschiedenen Blickwinkel und Facetten dieser Problematik, teilt Dekanatsreferentin Nicole Uhde mit. Die Sprachlosigkeit des Hauptdarstellers, der nach und nach die Taten aufdeckt, damit aber seinen Mitbruder belastet. Es wird deutlich, dass er selbst ein „Rad im Getriebe“ und somit handlungsunfähig ist, weil sich der Fall in seinem nächsten Umkreis abspielt. Diese moralisch-ethische Zwickmühle führt dazu, dass auch er sich am Ende die Frage nach der Mitschuld stellen muss.

Sehr ergreifend werden die Zuschauer nicht nur in die Gefühlswelt des Täters und dessen Freunde, sondern auch in die Gefühlswelt der Betroffenen und ihrer Familien mitgenommen. Ihr Leben steht nach dem Trauma auf dem Kopf, ihre Welt bricht zusammen, nichts ist mehr so wie es war. Ihre Betroffenheit und das Unvermögen darüber zu sprechen, werden durch eine herausragende und aussagekräftige Mimik und Gestik unterstrichen, die nur ansatzweise darauf schließen lässt, wie sehr sie dieses Trauma belastet, heißt es in der Mitteilung.

Im Anschluss an den Film konnten die Besucher ihre Fragen und Eindrücke mit dem Regisseur Gerd Schneider und Dekan Anton Bock austauschen. Gerd Schneider, selbst ehemaliger Priesteramtskandidat in der Erzdiözese Köln, betonte die Fehler, die bei der Aufarbeitung in vielen Diözesen gemacht wurden und führte als möglichen Erklärungsversuch die fehlende Sprachfähigkeit über die Sexualität in der katholischen Kirche an, gepaart mit der „menschlichen Neigung, manches nicht sehen zu wollen“.

Auch wenn diese Fehler unbestritten nicht hätten passieren dürfen, so sieht Dekan Bock die Diözese Rottenburg-Stuttgart auf dem richtigen Weg zu einer transparenten und lückenlosen Aufarbeitung. Durch flächendeckende Präventionsfortbildungen der hauptamtlichen und ehrenamtlich Mitarbeitenden sowie durch die Einrichtung der Kommission sexueller Missbrauch und der Aufarbeitungskommission seien wichtige Strukturen für eine klare Intervention im Verdachtsfall, eine transparente Aufarbeitung in Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden sowie eine flächendeckende Prävention und Sensibilisierung eingerichtet.

Der Film ruft dazu auf, sich den eigenen Grenzen bewusst zu werden und für diese mit Mut einzustehen, insbesondere dann, wenn die Konsequenzen nicht abzuschätzen sind. Das Fazit des Abends lautet demnach: Hinter das Trauma kommt man nicht mehr zurück. Sobald der erste Schritt unternommen wird, gibt es kein Zurück mehr, von keinem der Beteiligten und dennoch wird die Wahrnehmung von Signalen potenzieller Opfer umso wichtiger, wenn man sich deren Sprachlosigkeit bewusst macht.

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