Zum Internationalen Weltflüchtlingstag am 20. Juni rufen Ordinariatsrätin Dr. Irme Stetter-Karp und der Bischöfliche Beauftragte für Flüchtlingsfragen, Ludwig Rudloff, dazu auf, die Situation in Flüchtlingsunterkünften zu verbessern. „In der Corona-Krise wurden die Probleme von Geflüchteten in der öffentlichen und politischen Debatte vernachlässigt. Dabei sind die Menschen in vollen Unterkünften nicht nur einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt, sondern Kinder und Jugendliche leiden auch besonders unter den Beschränkungen“, sagt Stetter-Karp. Rudloff und sie fordern das Landesinnenministerium auf, zu klären, wie der Schutz der Flüchtlinge vor der Infektion mit dem Corona-Virus gelingen und ihre Integration besser gestaltet werden kann.
„Wir dürfen nicht vergessen, dass hinter den Zahlen und Fakten, die wir tagtäglich den Medien entnehmen, das Schicksal von Millionen einzelner Menschen steht“, ergänzt Rudloff. Dabei gehe es oft um Gewalt- und Verlusterfahrungen, aber auch um Zeichen von Mut und Hoffnung. „Gerade die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie viele Zeichen der Hoffnung und der Nächstenliebe es in Krisenzeiten in unserer Gesellschaft gibt. Wir sind nun aufgefordert, diese auch den Flüchtlingen gegenüber zum Ausdruck zu bringen“, so Rudloff weiter.
Für bestimmte Teile der Bevölkerung seien die Einschränkungen zum Schutz vor der Infektion mit dem Corona-Virus schwierig. „Grundsätzlich treffen die Maßnahmen benachteiligte Gruppen stärker, doch für Geflüchtete sind sie zum Teil unerfüllbar“, erläutert Stetter-Karp. So seien gerade die Vorgaben zum Abstandhalten in Unterkünften mit gemeinschaftlich genutzten Sanitärräumen nicht einzuhalten.
Die Kleinsten sind am meisten betroffen
Dass besonders Kinder und Jugendliche leiden, betont Sabrine Gasmi-Thangaraja, Leiterin des Bereichs Migration und Integration beim Caritasverband für Stuttgart. „Homeschooling ist in Flüchtlingsunterkünften nur sehr schwer umsetzbar, da neben der technischen Ausstattung auch der Platz für ungestörtes, konzentriertes Lernen fehlt. Dadurch werden Kinder und Jugendliche mit Fluchthintergrund weiter abgehängt.“
Ordinariatsrätin Stetter-Karp, die die Hauptabteilung Caritas im Bischöflichen Ordinariat der Diözese Rottenburg-Stuttgart leitet, lobt und dankt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für den außerordentlichen Einsatz in der Flüchtlingsarbeit seit Beginn der Corona-Krise: „Schnell und flexibel wurde die Arbeit angepasst, um die Geflüchteten nicht im Stich zu lassen. Doch die Belastungsgrenze ist erreicht und die Bedingungen müssen jetzt verbessert werden.“
Diözese schüttet 13 Millionen Euro aus Fonds für Flüchtlingshilfe aus
Im Herbst 2013 hat der Diözesanrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart beschlossen, einen Zweckerfüllungsfonds Flüchtlingshilfe einzurichten. Der Fonds in Verantwortung der Hauptabteilung Caritas wird in vielen Bereichen der Flüchtlingsarbeit eingesetzt, um unmittelbar Hilfe zu leisten. Er richtet sich gezielt an Geflüchtete, die in der Diözese Rottenburg-Stuttgart leben. Seitdem wurden 18,5 Millionen Euro für die unterschiedlichsten, weitgehend mehrjährigen Maßnahmen bewilligt und bereits mehr als 13 Millionen Euro ausgezahlt. Darunter beispielweise Projekte zur psychologischen Hilfe für Traumatisierte oder zur Koordination des ehrenamtlichen Engagements. Außerdem wird Geflüchteten in außerordentlichen Notlagen individuell geholfen.
Weitere Informationen finden sich online unter https://ha-vi.drs.de/stiftungenfonds/zweckerfuellungsfonds-fluechtlingshilfen.html.