Tagung

Frauenfrage im Fokus

Himmelsleiter als Symbol für die Leitung von Ordinariat und Diözesanrat bei der Tagung "Wirksame Wegmarken". Weihbischof Matthäus Karrer, Angelika Rais-Wehrstein, Dr. Johannes Warmbrunn, Ordinariatsrätin Karin Schieszl-Rathgeb und Offizial Thomas Weißhaar. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Thomas Brandl

Kirchenreform, Priesterbild, Umgang mit Homosexualität und die Gleichberechtigung auch am Altar standen im Mittelpunkt der Tagung.

Stuttgart. „Eigentlich ist alles gesagt – und das schon seit Jahrzehnten!“ Die Aussage von Gabriele Denner, als Geschäftsführerin des Diözesanrates Mitausrichterin der Tagung „Wirksame Wegmarken“ am Mittwoch und Donnerstag dieser Woche in der Akademie Hohenheim, steht stellvertretend für die vielen Frauen, die sich an den beiden Tagen sehr engagiert in die Diskussion einbrachten. Die Ungeduld in Sachen ausbleibender Geschlechtergerechtigkeit ist längst an einem Punkt angekommen, wo der Kirchenaustritt mancher nicht bloß als theoretische Fiktion erscheint.

Zwar hatte Bischof Dr. Gebhard Fürst am ersten Tag darauf verwiesen, dass viele Reformanliegen des „Synodalen Weges“  in seiner Diözese dank dem „Rottenburger Modell“ längst verwirklicht seien. Doch beim Thema Macht und Gewaltenteilung, so eine ganze Reihe von Diskutanten in Hohenheim, blockierten das „Standesdenken der Kleriker“ und regelmäßige Querschüsse aus Rom noch immer eine echte Teilhabe der sogenannten Laien. Umgekehrt machten Priester wie der kommissarische Esslinger Dekan Volker Weber bei vielen Amtsbrüdern nicht nur „Scham und Wut, über das was beim Missbrauch passiert ist“ aus – sondern auch „Frustration über ihre eigene Situation heute“ als Angehörige einer Berufsgruppe, der Viele mit grundsätzlichem Argwohn begegnen. 

In einer Podiumsdiskussion berichteten drei schwule Männer, die seit vielen Jahren in Stuttgart Gottesdienste für homosexuelle und queere Menschen organisieren, wie sehr sie unter der Heimlichtuerei und Ausgrenzung gelitten haben. „Wir mussten immer um unsere Akzeptanz kämpfen – die Kirche ist da wenig auf uns zugekommen“, sagte einer von ihnen. Ein anderer machte deutlich, wie sehr die Ablehnung des Synodalforum-Grundtextes zum Thema „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“ aufgrund einer fehlenden Zweidrittelmehrheit der Bischöfe „mich und andere sehr getroffen und verletzt hat!“ Alle waren sich aber darüber einig, dass durch die Initiative OutInChurch und die Fernsehdokumentation dazu Anfang 2022 vieles ins Rollen gekommen sei. Wenige Monate später änderte die Deutsche Bischofskonferenz ihre Arbeits-Grundordnung. Die katholische Kirche hält sich seitdem weitestgehend aus dem Privatleben ihrer Beschäftigten heraus.

Die Frauenfrage

Den vielleicht breitesten Raum in den Diskussionen während der Tagung nahm nicht ganz unerwartet die Frauenfrage ein. „Wir fordern eine vielfältige geschlechtergerechte Liturgie und die Weihe von Frauen – das ist ein Menschenrecht!“, sagte die Gemeindereferentin Christine Göttler-Kienzle aus Stuttgart, sekundiert von Pfarrer Michael Heil. Dieser meinte, die Frauen dürften „nicht immer nur der Lückenbüßer für die verschiedenen Dienste“ sein und sollten im Sinne der Tübinger Theologie-Professorin Johanna Rahner ganz einfach „aufhören, brav zu sein“.

Rückenwind bekam er dabei vom „Stargast“ der Tagung, dem international bekannten tschechischen Soziologen, Religionsphilosophen und Priester Tomáš Halik. Für ihn waren viele der in verschiedenen Gesprächsgruppen in Hohenheim erarbeiteten Vorschläge aber „ zu wenig radikal“. Schon bei der Auswahl und Ausbildung der Priesterkandidaten seien tief greifende Reformen nötig. Außerdem: „Warum sollte es nicht verschiedene Formen von Priestertum geben, total engagierte, für die Mission brennende Männer ebenso wie verheiratete ‚Viri probati‘ statt Priestern die einsam und alleine im Pfarrhaus sitzen?“  Die Weihe als Sakrament sei sehr wichtig – die „Sakralisierung des Priesters aber ein Problem“.  Dieser sei „kein zweiter Christus als vollkommener Mensch“.
Den engagierten Frauen in der Kirche gab Halik den Ratschlag mit auf den Weg, weiter zu denken als an den Dienst am Altar oder das Tragen der Monstranz an Fronleichnam. „Gott wird zur Frauenordination Ja sagen, wenn die Frauen etwas wirklich Neues machen und mit ihnen ein neues Charisma und ein neuer Geist in der Kirche Einzug halten.“     

In den nächsten Wochen sollen nun die Forderungen und Vorschläge aus der Hohenheimer Tagung zusammengefasst und in Papierform gebracht werden. Weihbischof  Matthäus Karrer, dessen Hauptabteilung Pastorales Personal mit Dr. Christiane Bundschuh-Schramm die Veranstaltung mitkonzipiert hatte: „Dabei müssen wir schauen, was schnell umsetzbar ist und wo wir uns an die Schaffung eines komplett neuen Kirchenbildes machen müssen.“ Im Herbst wird sich dann der Diözesanrat intensiv unter Einbezug des Bischofes mit den „Wirksamen Wegmarken“ auseinandersetzen. Diözesanrats-Sprecher Dr. Johannes Warmbrunn zog am Ende der beiden Hohenheimer Tage ein vorsichtig optimistisches Fazit: „Wir haben wieder viel über Vorschriften und Gesetze diskutiert – aber es ist nicht alles so schlecht bei uns, wie es manchmal draußen rüberkommt.“

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