Vor 31 Jahren war Bischof Klaus Krämer letztmals beim Sankt-Georgs-Ritt dabei - damals als Sekretär von Bischof Walter Kasper. Es gebe ein Foto davon, verriet Ochsenhausens Pfarrer Michael Schönball beim feierlichen Pontifikalamt in der Basilika. "Damals war das noch eine junge Tradition", bemerkte Bischof Krämer. 1977 ließen Bürgermeister Max Herold und Dekan Erwin Sontag den Brauch der Reiterprozession aus Zeiten der Benediktinerabtei wieder aufleben. Und so zogen am Sonntag unter dem Leitwort "Selig, die Frieden stiften" zum 50. Mal Reitergruppen durch die Stadt, durch umliegende Dörfer und durch die Fluren.
Frieden beginnt in den Herzen der Menschen
Noch aus der Klosterzeit stammt die Heilig-Kreuz-Reliquie. Sie wurde 1979 neu gefasst und 2010 um eine Georgsreliquie ergänzt. Sich mit dem Reliquienkreuz auf den Weg zu machen sei ein Zeichen dafür, Jesus zu folgen, betonte Bischof Krämer in seiner Predigt. Bereits die Propheten hätten im Alten Testament denen, die den Messias als Kriegsherrn erwarteten, das Bild vom Friedenskönig entgegengesetzt. Jesus, der "sanftmütige" Messias, mache klar, dass Frieden nicht dadurch entstehe, dass die Gewalt des Feindes mit noch größerer Gewalt übertrumpft werde. "Dieser Wandel geschieht in den Herzen der Menschen", unterstrich er Jesu Appell zu Frieden durch Gewaltlosigkeit.
Georg - Drachentöter und Blutzeuge
Wie passt das zu Georg, der gerade während der Kreuzzüge das Vorbild eines christlichen Ritters war? Der Kampf des Heiligen mit dem Drachen, so der Bischof, symbolisiere den inneren Kampf gegen das Böse, gegen Eigensinn, Machthunger und Vergeltungsdurst. Der Überlieferung nach gehört Georg zu den Blutzeugen während der Christenverfolgung. "Wer Jesus nachfolgt, wird in dieser Welt immer auch auf Widerstand treffen und Verfolgung ertragen müssen" räumte Krämer ein. Dennoch rief der Bischof dazu auf, wie Papst Leo sich mutig für den Frieden einzusetzen und um Frieden zu beten.
Diesem Aufruf folgten die Reiterinnen und Reiter der 18 Gruppen aus Ochsenhausen, Erlenmoos und der Umgebung, die durch die Stadt von den Ministrant:innen und acht Musikvereinen begleitet wurden. Außerhalb vertrauten sie im Rosenkranzgebet ihre Sorgen und Anliegen der Gottesmutter an, der Königin des Friedens. Bischof Krämer segnete die Teilnehmenden zu Beginn von einem Podest beim Zentralen Omnibusbahnhof und nach der Rückkehr im Klosterhof. Den Gläubigen, die bei unerwartet sonnigem Wetter zahlreich die Straßen säumten, erteilte er vom Landauer aus den Segen mit der Reliquie. Auf dass auch sie Friedensstifter sein mögen.











