Führungspersonal

Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung

Karin Schieszl-Rathgeb und Rainer Steib, Foto: Nelly Swiebocki-Kisling

Die Hauptabteilungen XI „Kirche und Gesellschaft“ und XII „Medien“ werden zusammengelegt unter der Leitung von Karin Schieszl-Rathgeb.

Vor knapp einem Jahr trat Ordinariatsrätin Karin Schieszl-Rathgeb die Leitung der Hauptabteilung HA XI „Kirche und Gesellschaft“ an. Jetzt übernimmt sie mit der HA XII zusätzlich die Leitung des Fachbereichs „Medien“.

Ihren Sitz hat die neue Doppelabteilung im Bischof-Leiprecht-Zentrum in Stuttgart-Degerloch. Schieszl-Rathgeb möchte mit ihren Aufgabenbereichen auch den Standort stärken. Was bleibt, was ändert sich? Ein Gespräch mit Karin Schieszl-Rathgeb und Rainer Steib, der die Hauptabteilung Medien seit 2022 kommissarisch leitete.

Weshalb macht es Sinn, die Abteilungen HA XI und HA XII zusammenzulegen?

Karin Schieszl-Rathgeb: Mit den Hauptabteilungen „Kirche und Gesellschaft“ und „Medien“ wachsen zwei Bereiche zusammen, die inhaltlich nicht voneinander zu trennen sind. Beide Hauptabteilungen beschäftigen sich mit Fragestellungen, die die Gesellschaft bewegen: Sei es im Bereich der Ethik, in politischen Fragen und der Erwachsenenbildung. Nehmen wir das Beispiel der Digitalisierung oder die Künstliche Intelligenz. Mit deren Chancen, Risiken und Auswirkungen setzen sich bereits einige Bereiche der beiden Hauptabteilungen auseinander. Die Katholische Rundfunkarbeit und die Diözesanbibliothek ebenso, wie die Katholische Erwachsenenbildung, die Akademie der Diözese, die Betriebsseelsorge und auch einzelne Verbände, wie den Frauenbund (KDFB) oder die Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB).

Sie geben den Bereich HA XII ab. Was war Ihnen bei Ihrer Arbeit besonders wichtig?  

Rainer Steib: Ich habe den Bereich kommissarisch fast zwei Jahre geführt, weil von Anfang an klar war, dass er nicht als eigenständige Hauptabteilung bestehen bleiben wird. In dieser Zeit war es wichtig die Qualität und Kontinuität der Arbeit zu erhalten und den Mitarbeitenden die Gewissheit einer guten Zukunft zu vermitteln.

Macht eine Zusammenlegung der Bereiche auch für Sie Sinn?

Rainer Steib: Eine Zusammenlegung macht inhaltlich Sinn, beispielsweise profitiert die Rundfunkverkündigung auch von den Erfahrungen der verschiedenen Einrichtungen und Verbände und umgekehrt können deren Anliegen auch in der Verkündigung aufgegriffen werden. Auch strategisch und wirtschaftlich machen in schwierigen Zeiten größere Einheiten Sinn, weil mehr Manövriermasse besteht.

Welche Bereiche beinhaltete bisher HA XI?

Karin Schieszl-Rathgeb: Am besten lässt sich unser Engagement mit drei Stichworten zusammenfassen: Nachhaltigkeit fördern, zum gesellschaftlichen Miteinander beitragen und soziale Teilhabe ermöglichen. Wir arbeiten beharrlich an der Umsetzung der Katholischen Soziallehre. Ihre Prinzipien - Personalität, Solidarität, Subsidiarität, eben Nachhaltigkeit, und natürlich das Evangelium - sind die Basis für das, was wir tun. Auf dieser Basis beteiligen wir uns am gesellschaftlichen und politischen Diskurs.

Wir entwickeln Konzepte für die Männer-, Frauen- und Familienarbeit ebenso, wie in der Pastoral mit Senioren, beschäftigen uns mit theologischen Grundsatzfragen und engagieren uns im ländlichen Raum, in der Arbeitswelt mit unseren Betriebsseelsorger:innen, in der Arbeitslosen- und in der Flüchtlingshilfe und im ländlichen Raum. Wir haben auch ein enges Netzwerk mit Führungskräften aller Bereiche in Wirtschaft und Verwaltung. Hinzu kommen die Katholische Erwachsenenbildung sowie die Akademie der Diözese mit zwei Tagungshäusern in Stuttgart-Hohenheim und Weingarten sowie unsere 17 katholischen Verbände mit ihren Geschäftsstellen.

Haben Sie neue Schwerpunkte?

Karin Schieszl-Rathgeb: Ganz wichtig - gerade angesichts der heutigen Herausforderungen - ist der Bereich: Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung, den ich gerne zu einem ganzheitlichen Bereich „Nachhaltigkeit“ entwickeln möchte. Gleichzeitig bereitet mir Sorge, dass ich eine große Zahl der Menschen von politisch extremistischen Strömungen angesprochen fühlt. Das ist brandgefährlich. Ich bin froh darüber, dass die Diözese dem neu gegründeten Bündnis für Demokratie und Menschenrechte beigetreten ist. Wir werden als unser Engagement in diesem Bereich weiter verstärken.

 

Unsere Demokratie zu stärken, ist in einem Wahljahr wie diesem enorm wichtig
(Karin Schieszl-Rathgeb)

 

Welche neuen Bereiche übernehmen Sie nun aus der ehemaligen Hauptabteilung Medien?

Karin Schieszl-Rathgeb: Die katholische Rundfunkarbeit beim SWR, die mit ihrem Programm im Verbund von sechs Diözesen ein Sendegebiet vom Rheinland bis zum Bodensee abdeckt, KiP unser Angebot im privaten Hörfunk und Fernsehen mit seinem Flagschiff „Alpha & Omega“, die Fachstelle Medien als Medienbildungseinrichtung mit der katholischen Büchereiarbeit und dem Ökumenischen Medienladen mit einem breit gefächerten Angebot an Medien zum Downloaden. Eine Traditionseinrichtung ist und bleibt die Diözesanbibliothek in Rottenburg, die gerade sehr erfolgreich dabei ist, den Sprung hin zur Digitalisierung zu schaffen. Vor allem im Bereich e-Learning kooperieren beide Hauptabteilungen schon länger.

Was kommt nach der Zusammenlegungen der Fachbereiche neu hinzu?

Karin Schieszl-Rathgeb: In den nächsten Wochen kommt ein neuer Bereich für Gesellschaftspolitik und Demokratieförderung hinzu. Mit ist es wichtig, dass wir uns als Kirche stark machen gegen Extremismus und für unsere Demokratie. Die Projektstelle ist gerade ausgeschrieben und ich hoffe auf möglichst viele gute Bewerbungen. Ebenso bin ich zuversichtlich, das seit längerem zugesagte Projekt der Pastoral mit Menschen der LSBTIQ-Community einrichten zu können.

Was geben Sie Frau Schieszl-Rathgeb mit auf den Weg?

Rainer Steib: Wir werden beide ja weiterhin eng zusammenarbeiten. Wichtig ist mir:  Medienbildung ist Demokratiebildung. Medienbildung ist heute so bedeutsam ist wie nie zuvor. Die Zukunftsthemen, die uns im Medienbereich gerade beschäftigen, heißen:  Künstliche Intelligenz, kirchliche Verkündigung im digitalen Wandel von Rundfunk und Fernsehen und Fortbildung im Zeitalter der Digitalität.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Karin Schieszl-Rathgeb: Wichtig ist, dass ein gutes Miteinander entsteht. Denn wir arbeiten letztlich nicht für uns, sondern für die Menschen mit ihren verschiedenen Bedürfnissen, Fragen und Anliegen. Dabei haben wir als Kirche in den meisten Bereichen kein Monopol mehr, wie früher. Ganz persönlich freue ich mich, dass Rainer Steib bleibt! Er wird auch weiterhin für den Medienbereich mitzuständig bleiben und wir werden auch künftig ein gutes Team sein – da bin ich mir sicher.

Was ändert sich für die Mitarbeiter:innen in den Fachbereichen?

Karin Schieszl-Rathgeb: In einer so vielfältigen Hauptabteilung wie der neuen fusionierten, möchte ich die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen und stärker mit einem Leitungsteam arbeiten. Ob dies realisierbar sein wird, wird der Organisationsentwicklungsprozess zeigen, den wir im Herbst begonnen haben.

Welchen Mehr-Wert der christlichen Botschaft bieten Sie an?

Karin Schieszl-Rathgeb: Trotz aller Krisen sehe ich sehe optimistisch in die Zukunft. Die Kirche wird sich sicherlich strukturell hier und da verändern und das ist gut so. Aber das, was wir den Menschen anbieten können, bleibt. Wir wollen die Menschen in ihren jeweiligen Lebensentwürfen und Lebensentscheidungen begleiten. Ihnen zeigen: Egal, wo du herkommst, was du glaubst und wer du bist. Du bist geachtet, gewollt und geliebt. Für mich ist das: Kirche in der Gesellschaft.

Wohin geht die Reise?

Rainer Steib: Die Hauptabteilung "Kirche und Gesellschaft" ist eigentlich eine Hauptabteilung "Kirche in der Gesellschaft" und damit auch  "Kirche in der Mediengesellschaft". Das sollte uns bei unserem Nachdenken über und unserem Wirken in der Gesellschaft bewusst sein. Bei einer quantitativ sinkenden Relevanz der Kirchen in der Gesellschaft, wie wir sie gerade erleben, müssen wir unser qualitative Relevanz verstärken. Das heißt wir müssen das Richtige am richtigen Ort tun und dabei die Gesetzmäßigkeiten einer Mediengesellschaft bedenken.

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