Nahost-Konflikt

„Frieden kann wahr werden, wo viele ihn tun"

Vielsprachiger Einsatz für das, was sie Welt so dringend braucht: Der einmütige und eindrückliche Appell der Vertreter der Religionen beim Friedenstreffen in Berlin soll ausstrahlen nach Ulm und überallhin. Foto: Sant'Egidio

Den Geist des Friedens, wie er ihn beim Friedenstreffen der Religionen in Berlin erlebt habe, möchte Dekan Ulrich Kloos auch nach Ulm tragen.

Bestürzt über die eskalierende Gewalt im Heiligen Land hat der Ulmer Dekan Ulrich Kloos, Sprecher des Rats der Religionen Ulm, die Notwendigkeit betont, über alle Religions-, Kultur- und Sprachgrenzen hinweg miteinander im Gespräch zu bleiben und gemeinsam für den Frieden zu beten. Der Rat der Religionen will deshalb am 5. November um 14.30 Uhr im Haus der Begegnung in Ulm ein Zeichen für Frieden setzen und einen Appell gegen Terror, Antisemitismus und Gewalt an die Menschen richten. „Nach dem beispiellosen Terroranschlag der Hamas auf Israel und der Eskalation im gesamten Nahen Osten, setzen sich Mitglieder der jüdischen, christlichen und muslimischen Gemeinden gemeinsam mit Oberbürgermeister Gunter Czisch für Frieden, Menschlichkeit und ein respektvolles Miteinander ein“, heißt es in einer am Wochenende veröffentlichten Stellungnahme des Rats.

„Solidarität zu zeigen und die Religionen in ihrem gegenseitigen Bemühen um Frieden nicht auseinanderdividieren zu lassen, sondern zusammenzustehen, das wurde schon bei vielen Gelegenheiten gezeigt: in Coronazeiten, beim Friedensgebet für die Ukraine, beim Gedenken an die Erdbebenopfer in die Türkei und beim Brandanschlag auf die Ulmer Synagoge“, schreibt der Rat der Religionen weiter. So gelte es auch jetzt füreinander einzutreten: „Wir wollen in diesem Konflikt unseren Hilferuf zu Gott dringen lassen, mit der dringenden Bitte um Frieden und Versöhnung, damit all das Leid, das Terror und Krieg verursachen, bald ein Ende haben möge“.

Ein Treffen, das Hoffnung macht

Als beispielhaft für das Miteinander der Religionen für den Frieden sieht Kloos das Internationale Friedenstreffen der Gemeinschaft Sant'Egidio, an dem er Mitte September in Berlin teilgenommen habe. Als tief beeindruckend erlebte der Dekan den Abschluss dieses Treffens: Nachdem Juden, Christen und Muslime zunächst in der je eigenen Gebetstradition in mehreren Sprachen an verschiedenen Orten rund um das Brandenburger Tor gebetet hatten, „gingen alle durch das Tor auf den Pariser Platz, wo sie einander die Hände reichten zum Friedensgruß“, erinnert sich Kloos. „Friedenskerzen wurden von den Religionsvertretern entzündet und Kinder überbrachten Friedensbotschaften. Auch ein Friedensappell des Papstes wurde verlesen. Schilder wurden hochgehalten, auf denen das Wort Frieden in vielen Sprachen dieser Welt stand.“ In der Hoffnung, „dass sich viele davon anstecken lassen, den Frieden zu wagen“, sei er von diesen wunderbaren Tagen der friedlichen und respektvollen Begegnung in Berlin nach Ulm zurückgekehrt.

Viel Gespräch und Verständigung nötig

Im Jahr 1986 hatte Papst Johannes Paul II. mit diesem Friedenstreffen der Religionen in Assisi begonnen. Dekan Kloos erinnert sich, wie er als Student wenige Jahre später eines dieser Treffen in Assisi erleben konnte: „Im Café sitzend faszinierte mich schon damals die Vielfalt der ganz unterschiedlich gewandeten Religionsvertreter.“ Die weltweit bestens vernetzte Laiengemeinschaft Sant'Egidio, die sich um die Belange der Armen kümmert, auch Gesetzesänderungen zu Gunsten der Armen und Rechtlosen bewirkt und Friedensmissionen in den Krisengebieten dieser Erde initiiert, richtet seither diese Friedenstreffen aus. In Foren und auf Podien kommen Vertreter der verschiedensten Religionen miteinander ins Gespräch.

„Es braucht viel Verständigung, viel Gespräch miteinander, um da erst einmal im gegenseitigen Verständnis, in Respekt und Frieden aufeinander zugehen zu können“, schildert Kloos seine Eindrücke in Berlin. Jeder Schritt zum Frieden sei ein Wagnis, der über das rein gedankliche Abwägen hinausgehe. „Aber da, wo ihn viele Menschen tun, da kann er geschehen und wahr werden.“ Diesen Geist des Friedens gelte es weiterzutragen nach Ulm und überall hin, sagt der Dekan.

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