Kindertagesstätten

Für Qualität in Kindertageseinrichtungen

Markus Vogt.  Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart

Markus Vogt hat 2024 viele Themen für den Bereich der Frühkindlichen Bildung im Blick. Bild: Diözese Rottenburg-Stuttgart

Ökumenische Netzwerkarbeit in der 4 KK-KiTa zum Wohle aller im Kita-Bereich: Diözese Rottenburg-Stuttgart hat 2024 den Vorsitz inne.

Markus Vogt aus dem Referat Kindertageseinrichtungen, Familienzentren und frühkindliche Bildung der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat 2024 den Vorsitz der „Konferenz der evangelischen und katholischen Kirchenleitungen Baden-Württemberg und ihrer Spitzen- und Trägerverbände über Kindergartenfragen“ (4 KK-KiTa) inne. Im Interview spricht er über die anstehenden Aufgaben.

Herr Vogt, Sie übernehmen 2024 für die Diözese Rottenburg-Stuttgart den Vorsitz der sogenannten 4 KK-KiTa. Wie sehen Sie den kommenden Aufgaben entgegen?

Das, was in diesem Jahr auf mich zukommt, gehe ich mit Respekt an, denn die Herausforderungen werden nicht kleiner. In der öffentlichen Diskussion erleben wir das ja fast tagtäglich. Ich habe aber auch Lust und Interesse daran, meinen Teil dazu beizutragen, auf dieser Ebene die Rahmenbedingungen und die Qualität im Bereich der frühkindlichen Bildung für alle Beteiligten und Betroffenen zu erhalten, im Idealfall sogar zu verbessern. Auf jeden Fall bin ich froh, dass ich diese Aufgabe in enger Abstimmung mit Kolleg:innen im eigenen Referat und in der Hauptabteilung ‚Kirchengemeinden und Dekanate‘ sowie beim Landesverband Katholischer Kindertagesstätten und beim Diözesancaritasverband angehen kann. Wie in unserer diözesanen Arbeit im Kita-Feld sind wir auch hier gemeinsam unterwegs.

Welche Bedeutung hat dies für die Arbeit im Kindergartenbereich in der Diözese?

Welche konkrete Bedeutung dies in diesem Jahr für unsere Kita-Arbeit haben wird, kann ich noch nicht sagen. Aber grundsätzlich bieten Kitas und Familienzentren uns als Kirche die Möglichkeit, unseren Glauben, unser Handeln, unsere Werte und unser Menschenbild mitten in der Gesellschaft erfahrbar zu machen. Hier erfüllen wir unseren Weltauftrag. Hier sind wir direkt bei den Menschen und ihrem Alltag, ihren Themen. Kirche wird hier vielfach positiv wahrgenommen. Da hilft es ungemein, sich als Kirchen zu vernetzen, voneinander zu wissen und miteinander aktiv zu sein. Da ist es wichtig, unsere Sichtweisen und Wahrnehmungen gegenüber dem Land, den Kommunalen Verbänden und anderen Beteiligten im Feld zu vertreten und sich in die öffentliche Diskussion und Lösungssuche einzubringen. Im besten Fall stärkt das auch uns in unserer Arbeit in der Diözese und unsere Kitas.

Im vergangenen November sorgte der sogenannte ‚Erprobungsparagraph‘ für Gesprächsstoff. Können Sie uns zusammenfassen, um was es dabei geht?

Jedes Bundesland hat auf der Grundlage des achten Sozialgesetzbuches eigene Regelungen zur konkreten Umsetzung der Betreuung und Förderung im frühkindlichen Bereich. In Baden-Württemberg sind dies das Kindertagesbetreuungsgesetz und die Kindertagesstättenverordnung. Der Erprobungsparagraph schafft nun Möglichkeiten für die Träger, neue Wege, Formen, Konzepte, Modelle in den Kitas auszuprobieren. Dabei kann von Vorgaben abgewichen werden. Ziel ist es, passende Lösungen vor Ort zu entwickeln und zu erproben. Wichtig und grundlegend ist, dass das Kindeswohl weiterhin jederzeit gesichert bleibt und gewährleistet werden muss.

Und welche Auswirkungen hatte diese Entscheidung auf die katholischen Kitas und ihre Träger?

Als 4KK-Kita haben wir den ganzen Prozess von Anfang an kritisch begleitet. Es hört sich durchaus gut an, passgenaue Lösungen vor Ort zu entwickeln. Und es ist auch nicht verkehrt, bisherige Vorgaben mal zu hinterfragen. Unsere Sorge ist aber, dass es zu viele Ideen gibt, in denen es – in Anführungszeichen – ‚nur‘ um die Schaffung von Betreuungsplätzen geht und die Qualität, die eine gute Erziehung, Betreuung und Bildung – so die gesetzliche Vorgabe für die Kitas – braucht, weniger wird.  Noch mehr pädagogische Fachkräfte, die eh schon viel stemmen müssen und in ihrer Arbeit vielfach belastet sind, könnten das Feld verlassen, weil sie noch mehr an Grenzen stoßen. Damit wäre niemandem geholfen. Im Gegenteil: Es könnten letztlich Betreuungsplätze verloren gehen, die Familien für ihre Kinder dringend brauchen. Und auch Eltern fordern ja nicht nur Plätze, sondern eine gute Qualität in den Kitas. Dafür wollen wir einstehen.

Und das bedeutet konkret?

Uns ist es deshalb wichtig, dass die kirchlichen Kitas und Träger sehr genau schauen, ob und wenn ja, in welcher Form sie sich auf diesen Weg einlassen. Den Antrag muss nachher der Träger stellen. Der Verantwortung, die sich daraus ergibt, muss er sich bewusst sein. In unserer Diözese haben wir deshalb eine Handreichung mit Orientierungen und diözesanen Vorgaben erstellt, mit der wir die Verantwortlichen vor Ort in den angedachten Beteiligungsprozessen unterstützen möchten. Zum Beispiel  ist es aus unserer Sicht unerlässlich, die Fachberatung des Landesverbandes Katholischer Kindertagesstätten als pädagogische Beratung mit im Boot zu haben.

Seitens der 4 KK-KiTa gab es 2023 drei Stellungnahmen zum Erprobungsparagraphen. Wie waren die Reaktionen darauf in der Diözese?

Wir haben darin neben der Unterstützung kreativer Wege auch unseren kritischen Blick klar gemacht. Das, was wir an Rückmeldungen bekommen haben, war positiv. Zum Beispiel haben Träger und Fachkräfte gesagt, dass sie in den Stellungnahmen auch eine Unterstützung für sich und eine Wertschätzung ihrer Arbeit sehen. Sie fordern dies auch zurecht von uns ein. Das muss für uns weiterhin zentral sein.

Und was erwarten Sie sich von diesem Thema für 2024?

Es wird uns sicher intensiv begleiten. Denn jetzt sind wir alle gespannt, welche Ideen durchgespielt und letztlich dann auch umgesetzt werden. An einigen Orten haben die Überlegungen begonnen. An vielen Orten ist es noch ruhig. Wir alle sind gespannt, wie oft diese Möglichkeit genutzt wird. Oder ob es nicht am Schluss mehr Ideen geben wird, die im Rahmen der bisherigen Vorgaben bleiben, wenn überhaupt etwas Neues ausprobiert wird. Das bleibt alles sehr spannend. Und wir werden von der 4KK-KiTa die Entwicklungen begleiten – sicherlich konstruktiv, wenn nötig, auch weiterhin kritisch.

Themenwechsel: Was sind aus Ihrer Sicht die zentralen Herausforderungen und Schwerpunkte bei der Weiterentwicklung des Orientierungsplans für Erziehung und Bildung in Kindergärten und Kindertageseinrichtungen?

Der Orientierungsplan ist Grundlage für die pädagogische Arbeit im Feld der frühkindlichen Bildung in Baden-Württemberg. Er gibt Impulse und Anhaltspunkte für eine gute Qualität in den Einrichtungen. Seit 2021 läuft nun der Prozess zur Weiterentwicklung unter der Federführung des ‚Forums frühkindliche Bildung Baden-Württemberg‘ als Landeseinrichtung für frühkindliche Bildung. Im Moment findet die redaktionelle Arbeit der Texte aus den Autorengruppen statt. Diese Vielfalt in guter Weise zusammenzubringen und zu einem inhaltlich stimmigen und vor allem für die Arbeit tragenden Text im Sinne guter Inhalte zu machen ist sicherlich ein spannender Prozess, auch weil es gerade für die Beteiligten eine wichtige Frage ist, wer hier letztlich die Entscheidung trifft. Ebenfalls wird es eine Herausforderung sein, den Orientierungsplan nach der Freigabe dann vor Ort zu leben und mit Leben zu füllen. Das, was da steht, muss einfach etwas mit der Praxis zu tun haben und umsetzbar sein. Da sind noch viele Gedanken und Überlegungen nötig, um dies gut einzuführen und zu begleiten.

Und welche Ziele stehen für Sie in dem Zusammenhang 2024 an?

Ein wichtiges Ziel wird sein, dazu beizutragen, dass der Orientierungsplan mit einem klaren Praxisbezug sowie inhaltlich stark und alltagstauglich fertiggestellt wird. Und ebenso alltagstauglich muss er dann eingeführt werden. Da ist es wichtig, diejenigen aus der Praxis einzubeziehen, die hier schon große Kompetenzen haben. Das sind etwa unsere kirchlichen Verbände im Kita-Feld wie unser Landesverband Katholischer Kindertagesstätten. Dafür werden wir uns als 4KK-Kita einsetzen.

Gibt es aus Ihrer Sicht noch weitere Themen, die dieses Jahr für die 4 KK-KiTa relevant sind und aus denen sich weitere Aufgaben für die Zeit Ihres Vorsitzes ergeben?

Die Landesregierung hat für den Rest der Legislaturperiode die frühkindliche Bildung als einen großen Schwerpunkt in der Bildungspolitik ausgerufen. Ein Punkt soll dabei das Thema ‚Sprachförderung‘ sein. Da sind wir sehr gespannt, was das alles konkret bedeuten wird und werden sehen, wie wir uns dazu verhalten. Es wird noch viele Themen geben, mit denen wir uns beschäftigen werden und beschäftigen müssen, zum Beispiel ‚Inklusion in Kitas‘, ‚Wie kann kirchliches Kita-Engagement unter sich verändernden Rahmenbedingungen in Zukunft aussehen?‘, ‚Fachkräfte halten und Fachkräfte gewinnen‘, ‚Vorbereitung der didacta im Februar 2025 in Stuttgart‘ und noch viel mehr. Die Herausforderungen sind riesig. Denen müssen wir uns stellen. Zudem ist es mir ein Anliegen, unsere ökumenische Zusammenarbeit weiter zu stärken. Ich erlebe, dass dies so viele Chancen und Möglichkeiten bietet. Und im Miteinander können wir für die, für die wir da sind, wirklich was erreichen. Es wäre ein Erfolg, wenn uns das weiterhin gelingt.

Zum Hintergrund

Die „Konferenz der evangelischen und katholischen Kirchenleitungen Baden-Württemberg und ihrer Spitzen- und Trägerverbände über Kindergartenfragen“, die sogenannte 4 KK-KiTa, dient als Ort für einen ökumenischen Austausch und die gemeinsame Abstimmung in Kita-Fragen. Dort werden alle Belange der frühkindlichen Bildung in Baden-Württemberg diskutiert und gemeinsame Positionierungen der Kirchen erarbeitet. Jedes Jahr wechselt der Vorsitz zwischen den Vertreter:innen der vier Kirchenleitungen und der vier Träger- und Spitzenverbände. 2024 liegt der Vorsitz bei der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Zur Person

Markus Vogt ist seit Oktober 2021 Referent  in der Hauptabteilung „Schulen“ des Bischöflichen Ordinariats. Bereits in seiner Zeit als Pastoralreferent in der Seelsorgeeinheit Oberes Nagoldtal war er im Kita-Feld tätig als Kindergartenbeauftragter Pastoral. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter. Seine Frau ist Erzieherin und leitet eine Kita. In seiner Freizeit engagiert er sich in der Begleitung einer Männertrauergruppe und im Elternbeirat in der Schule seiner Kinder.

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