„Er hat Geduld, er ist demütig, er trägt die Lasten von anderen und er ist immer präsent“ - Daniela Michelberger findet starke Worte für ihr Lieblingstier aus der Weihnachtskrippe. Auch dass man den Esel „nie zu etwas zwingen“ kann, sondern „bitten“ muss, beeindruckt die Kirchengemeinderätin vom Schönenberg bei Ellwangen. Er ist dem Menschen erst zu Diensten, „wenn er Vertrauen aufgebaut hat zu demjenigen, der ihn führt“.
Obwohl Ochs und Esel bei der Geburt Jesu im Neuen Testament gar nicht erwähnt werden, gehören sie zu jeder Krippe ganz selbstverständlich dazu; natürlich auch zu der wunderbaren Krippe in der Pfarr- und Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg, deren (ausgewählte) Figuren in unserer Serie beredte „Begleiter“ durch den Advent und die Weihnachtszeit sein wollen. Die Krippe stammt aus Oberammergau und wurde in den 1990er-Jahren von Malerpfarrer Sieger Köder (1925–2015) ergänzt und neu gestaltet.
Köder mochte die Tiere. Liebevoll und mit einem Augenzwinkern ließ er einmal in Gedichtform die Schafe die Geschichte über die Geburt Jesu erzählen, „wie wir es vom Boden aus haben gesehen“. Des Schäfers Hund kommt darin genauso zu Wort wie ein kleiner Ochs. Und: „Kommt der Esel rein beizeit, no isch des Kindle nemme weit“, heißt es zum Schluss.
Anders als im heutigen Sprachgebrauch galt der Esel in Israel durchaus als vornehmes Reittier für Stammesväter und Könige. Und anders als das Pferd gilt der Esel auch als Friedenssymbol, weil er nicht zur Kriegsführung taugt. In der Bibel wird er zum Reittier des Messias, des endzeitlichen Friedensherrschers; im Buch Sacharja heißt es: „Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einem Esel, auf einem Fohlen, dem Jungen einer Eselin.“ (Sach 9,9). Verschiedentlich hat er es auch zum Symbol oder Maskottchen geschafft: etwa das der Demokratischen Partei in den USA oder auch als Maskottchen „Eli“ für die Päpstlichen Missionswerke (Missio) in Österreich.
„Der Esel verkörpert sehr gut uns Frauen in der Kirche“, findet Daniela Michelberger, etwa weil „wir Frauen wissen, was im Augenblick notwendig ist“. Und in mancherlei Hinsicht könne er ihnen auch Vorbild sein, weil er sich - wenn es sein muss auch lautstark - zu Wort meldet. „Wir Frauen in der Kirche sind manchmal viel zu leise", findet die Kirchengemeinderätin. Für die Adventszeit hat sie einen Wunsch und einen Vorsatz, den sie nicht nur mit den Frauen teilen will.





