Spiritualität

Gefährdende Spiritualität

Foto: Katholische Kirche in Stuttgart

Schwester Marie-Pasquale Reuver spricht am 19 Januar um 19 Uhr über missbräuchlich benutzte Autorität und wie Spiritualität gefährlich sein kann.

Wenn Druck aufgebaut und Autorität missbraucht wird, ist Spiritualität gefährlich und kann sogar krank machen. Schwester Marie-Pasquale Reuver hat in der Klinik- und Hochschulseelsorge viele Menschen begleitet, die in Gruppierungen und Gemeinden an Menschen geraten sind, die ihnen geschadet haben. Über diese Begleitungen spricht die Seelsorgerin beim Vortrag „Gefährdende Spiritualität“. Er findet am Dienstag, 23. Januar, um 19 Uhr in Hohenheim statt.

Wann ist bei geistlicher Autorität Vorsicht angesagt? Was stärkt meine spirituelle Gesundheit? Und: Wie kann ich Menschen helfen, die in Gruppierungen hineingeraten sind, die ihnen schaden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Schwester Marie-Pasquale Reuver. Die Seelsorgerin berichtet in ihrem Vortrag von ihren Erfahrungen und gibt praktische Tipps für einen gesunden Glauben. „Spiritualität wird immer dann gefährlich, wo Schwarz-Weiß-Denken herrscht und man so manipuliert wird, dass die eigene Ausgestaltung des Glaubens nicht mehr möglich ist“, so die Ordensschwester. „Wenn sich Prediger an die Stelle Gottes stellen und keine Autorität neben sich akzeptieren, wird es gefährlich“, ist sie überzeugt. Der Weg in die gefährliche Spiritualität ist in der Regel ein langsamer Prozess: Es fange oft damit an, dass jemand auf der Suche nach gutem Austausch sei und dieser Durst nach Antworten nicht gestillt werde. „Die Suchenden geraten dann oft an schräge Menschen, die gleichzeitig sehr charismatisch sind“, berichtet Schwester Marie-Pasquale Reuver.
 

„Wenn nur mit Druck gearbeitet wird, ist das eine gefährdende Spiritualität“
Schwester Marie-Pasquale Reuver


In ihrer Zeit als Klinikseelsorgerin hat immer wieder erlebt, dass Menschen für schwere Schicksalsschläge verantwortlich gemacht wurden. So hat sie zum Beispiel eine Frau mit Depressionen begleitet, deren Sohn bei einem Unfall verstorben ist. „Natürlich war sie verzweifelt. Sie hat Gott angefragt, warum er ihr ihren Sohn weggenommen habe. Als Reaktion hat sie von ihrer Freikirche zu hören bekommen, dass sie nicht genug bete, sie nicht fromm genug sei, sie mehr lobpreisen müsse.“ Vier Jahre lang hat es gedauert, bis sich die Frau von der Gemeinde loslösen konnte. „Es gibt Bibelauslegungen, die alles auf das Böse ausrichten und die ein Gottesbild der Angst vermitteln. Wenn nur mit Druck gearbeitet wird, ist das eine gefährdende Spiritualität“, sagt die Ordensschwester.

Spirituelle Selbstbestimmung

Wichtig ist ihr eine spirituelle Selbstbestimmung, bei der intuitives Glaubenswissen und eine eigene Meinung nicht abgesprochen werden. „Ich erlebe in Bibelgruppen immer wieder, dass sich Menschen nicht trauen, ihre eigene Position zu vertreten. Jeder Gläubige trägt jedoch einen Glaubenssinn in sich und das muss man auch fördern“, ist sich die Seelsorgerin sicher. „Wo fühlst du dich Gott nahe? Welche Rituale helfen dir?“ sind Fragen, die sie in den Begleitungen oft stellt. Schwester Marie-Pasquale Reuver hat jedoch auch schon die Erfahrung gemacht, dass sie an Menschen, die in einer extremen Gruppe sind, nicht herankommt. Sie ist sich trotzdem sicher, dass die Aussagen später, wenn die Betroffenen selbst Zweifel spüren, wirken. „Dann werden die Worte erinnert und helfen ungemein. Mein Tipp ist, das zu benennen, was einem komisch vorkommt, dabei aber keinen Druck aufzubauen. So zeigt man, dass man anderer Meinung und dennoch für einander ist.“

Der Vortrag findet statt am Dienstag, 23. Januar 2024 um 19 Uhr im Gemeindezentrum „Padua“, Wollgrasweg 11 in Stuttgart-Hohenheim. Eintritt frei, keine Anmeldung erforderlich.

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